WKO-Präsident Leitl: 1,2 Milliarden Schaden bei Schengen-Aus

Der Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl hat erstmals den Schaden für die Wirtschaft beziffert, sollten die Grenzkontrollen wieder eingeführt werden. Er plädiert außerdem für ein soziales Dienstjahr für Flüchtlinge. Eine rasche Integration sei notwendig. Finanzminister Schelling hätte das Schreiben über die Forderungen zur Abgeltung der österreichischen Mehrausgaben für Flüchtlinge an EU-Ratspräsident Donald Tusk statt an EU-Kommissionspräsident schicken sollen.

Brüssel. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hat in der Flüchtlingskrise bei einem Aus für den Schengen-Raum mit seinem grenzenlosen Reiseverkehr den Schaden für Österreichs Wirtschaft mit 1,2 Mrd. Euro jährlich beziffert. Dies sei allerdings die "Untergrenze", sagte Leitl in Brüssel. Der Ehrenpräsident der europäischen Wirtschaftskammern sprach sich für ein soziales Dienstjahr von Flüchtlinge aus.

Dies könnte der notwendigen Integration helfen. Zum Brief von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit Forderungen zur Abgeltung der österreichischen Mehrausgaben für Flüchtlinge sagte Leitl, der Brief hätte besser an EU-Ratspräsident Donald Tusk geschickt werden sollen. Er unterstützt gleichzeitig das Anliegen Schellings, dass jene Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen, "wenigstens finanzielle Solidarität zeigen" mit denen, die "ungeheure Investitionen" haben.

Als eine Möglichkeit der finanziellen Unterstützung für jene Länder, die ihre Quoten mehr als übererfüllen, nannte Leitl die nicht verbrauchten EU-Fördermittel. Diese dürften Anfang 2017 aus der letzten Periode 20 bis 30 Mrd. Euro ausmachen. "Mein Vorschlag ist, diese Gelder nicht den Staaten rückzuerstatten, sondern dazu zu verwenden, wer in welchem Ausmaß Flüchtlinge übernimmt."

Kritik übte er in dem Zusammenhang an den zahlreichen EU-Staaten, die sich - Ausnahme Österreich, Deutschland und Schweden - großteils weigerten, Flüchtlinge aufzunehmen. "Die Verteilung auf 28 Länder ist nicht gelungen. Das ist eine Enttäuschung." Leitl fürchtet, dass immer mehr "der Nationalismus wieder vor Humanität steht". Dabei habe der Nationalismus "so viel in der Geschichte angerichtet". Seine größte Sorge sei, dass sich das Europa der Solidarität dauerhaft verändere.

Befürchtungen äußerte der WK-Präsident über die künftige Entwicklung der Migration. Es gebe "einen Migrationsgürtel von Marokko bis Indien". Die Unsicherheit und fehlende Demokratien brächten die Menschen dort in derart aussichtslose Situationen, dass sie ihr Land verlassen. Deshalb sei ein "Marshall-Plan für Afrika notwendig". Jedenfalls sei das, was sich derzeit an Flüchtlingsströmen ereigne, "heute ein lauer Frühlingswind" gegenüber dem, was kommen könne.

Andererseits "könnte man fast sagen, man gewöhnt sich langsam an Untergangsszenarien. Das haben wir schon 2008 (Wirtschafts- und Finanzkrise, Anm.), dann wegen Griechenland prognostiziert, und jetzt wieder", gab sich Leitl illusionslos.

Entschieden wandte sich Leitl gegen Grenzzäune innerhalb Europas. "Das kann es nicht sein. Will man am Brenner wieder Zäune errichten? Da gibt es zwei Mio. Euro täglich an Frächterschäden nur in Österreich, wenn für Schengen Schluss ist. Nicht eingerechnet ist der Tourismusschaden. Vor allem der Tagestourismus wird leiden, weil kaum jemand an den Grenzen Stunden wartet, um am selben Tag wieder zurückzufahren". Den Rückgang in diesem Bereich schätzt Leitl auf zehn bis 20 Prozent ein.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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