Künftiger ZEW-Chef erwartet neue Lockerung der EZB-Politik

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Ansicht des designierten ZEW-Präsidenten Achim Wambach ihre umstrittene Geldpolitik weiter lockern. Die Währungshüter hätten zuletzt Erwartungen an den Finanzmärkten geschürt und dies dann mit ihrem umfangreichen Maßnahmen-Paket auch erfüllen müssen, sagte Wambach in einem am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview. "Die Geldpolitik wird in diese Richtung weitergehen, mit den Risiken, die da aufgebaut werden, etwa einer Blasenbildung oder den Folgen der negativen Zinsen für die Wirtschaft", so der Kölner Ökonom, der ab 1. April als Präsident das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) leitet. "Ich gehe davon aus, dass der EZB-Rat die Risiken und Kosten gegen die Vorteile abwägt."

Jüngst verstärkten die Währungshüter wegen der niedrigen Inflation und des mauen Wirtschaftswachstums ihren laxen Kurs noch. Sie senkten den Leitzins auf das Rekordtief von null Prozent, erhöhten den Strafzins für Banken und weiteten ihr Anleihen-Kaufprogramm aus. "Entscheidend wird dann sein, ob man den Ausstieg ('Phase out') aus der Politik des billiges Geldes schafft und die Wende", mahnte Wambach.

Bei der US-Notenbank Fed zeige sich aber, "wie schwer es ist, die Geldpolitik wieder zu straffen". Der Ausstieg sei keine Selbstverständlichkeit. Die Federal Reserve hat signalisiert, dass sie die Zügel nur behutsam anziehen will. "Sie muss die Balance halten zwischen Zinserhöhungen und negativen Folgen für die Wirtschaft", betonte Wambach. "Es wird der Fed schwerfallen, weitere Zinserhöhungen zu machen, solange die Geldpolitik im Euro-Raum noch sehr locker ist." Die US-Notenbanker hätten im Blick, wie es um die Euro-Wirtschaft stehe - "alles andere wäre fahrlässig", sagte der 47-jährige Ökonom.

Trotz konjunktureller Lichtblicke sieht er noch Unsicherheit an den Märkten. Dafür sorgten etwa die Geldpolitik, die Flüchtlingskrise und die Abstimmung der Briten über den EU-Austritt ("Brexit"). "Die Unsicherheit ist da, das wird sich auch in der Konjunktur widerspiegeln." Zudem sorge die schwächelnde Wirtschaft Chinas für Gefahr. "Das Risiko ist da, dass es zu einer harten Landung kommt", warnte Wambach. "Die deutsche Wirtschaft, die durch enge Handelsbeziehungen mit China verwoben ist, würde das dann spüren." Die Exporte nach China waren im Vorjahr erstmals seit 1997 gesunken.

Euro-Staaten wie Griechenland müssten jetzt Reformen umsetzen und die niedrigen Zinsen dafür nutzen. "Die Geldpolitik gibt Luft zum Atmen, kann aber nicht die strukturellen Probleme lösen." Wambach räumte ein, dass die Vorhaben - etwa im Rentensystem - nicht leicht seien. "Die Griechen müssen reale Lohnsenkungen durchführen - das ist sehr schwierig." Zur vollständigen Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt äußerte sich Wambach skeptisch: "Das wird dauern." Studien zeigten, dass eine Finanzkrise eher nach einem Jahrzehnt überwunden sei als nach ein paar Jahren.

Die Bilanz des Flüchtlings-Gipfels zwischen der EU und der Türkei nannte Wambach einen "ersten Schritt in die richtige Richtung, um die Zahl der Flüchtlinge zu kontrollieren und zu reduzieren". Man versuche, die Ursachen zu bekämpfen und Strukturen zu schaffen. "Das ist ein dickes Brett, das da gebohrt wird."

Als Nachfolger von Clemens Fuest will Wambach beim ZEW das Thema Marktdesign vertiefen. "Der Staat kommt immer öfter in die Position, auf bestimmten Märkten Regeln festzulegen - etwa bei den Verschmutzungsrechten und der Auktion von Mobilfunkfrequenzen", sagte der studierte Physiker, Mathematiker und Volkswirt, der auch neuer Chef der Monopolkommission ist.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

Newsticker

Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

Newsticker

Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

Newsticker

Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma