Kriselnde Industrie-Ikone General Electric bemüht sich um Wende

Fairfield (Connecticut) (APA/dpa) - Einst Aushängeschild, heute Sorgenkind: General Electric (GE) hat sich vom Innovationsführer zum trägen Dino der US-Wirtschaft und Prügelknaben der Wall Street entwickelt. Der 125 Jahre alte Großkonzern, dessen Wurzeln auf den Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison zurückgehen, erlebt ein schwarzes Jahr. Nun will der neue GE-Chef John Flannery das Ruder herumreißen.

Der Top-Manager übernahm den Spitzenposten bereits im August von Jeff Immelt, der stark in der Kritik stand. Doch Flannerys bisher wichtigster Auftritt steht jetzt erst an. Am Montag will er den Plan präsentieren, mit dem der Siemens-Konkurrent wieder in die Spur gebracht werden soll. Fest steht: Nach der 16-jährigen Immelt-Ära soll der Konzern gründlich umgekrempelt und verschlankt werden.

Der Druck ist groß. Im US-Leitindex Dow Jones Industrial Average ist GE mit Kursverlusten von rund 37 Prozent der mit Abstand größte Verlierer im bisherigen Jahresverlauf. Wenn es ganz bitter kommt, droht der erste Abstieg seit 110 Jahren. Damit würde Finanzgeschichte geschrieben: GE zählte zu den Gründungsmitgliedern, als der Dow 1896 an den Start ging, und ist seit 1907 ununterbrochen dabei.

Anzeichen für den Niedergang gibt es viele. Die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) drohten jüngst mit Abstufungen der Kreditnote, die GE mit höheren Finanzierungskosten bezahlen könnte. Früher war der Konzern eines von wenigen Unternehmen mit Top-Bonität, mittlerweile ist die Bewertung bei S&P auf die vierthöchste Stufe "AA-" gesunken. Was hat die Industrie-Ikone so ramponiert?

Anders als in vorherigen Schieflagen - etwa während der Großen Depression der 1930er-Jahre oder der Finanzkrise 2008 - kann diesmal kein Börsen-Crash oder Wirtschaftskollaps verantwortlich gemacht werden. Analysten halten die Probleme größtenteils für hausgemacht. Zum Symbol für Verschwendung und Missmanagement wurde kürzlich ein leeres Ersatzflugzeug, das Ex-Chef Immelt dem "Wall Street Journal" zufolge zusätzlich zum Firmenjet zu Geschäftsreisen mitnahm.

Die Praxis - vom Konzern kleinlaut mit dem Hinweis, es habe sich nur um Einzelfälle gehandelt, eingeräumt - ist nur eine Randnotiz. Der maßvolle Einsatz der Firmenjets soll eine von Flannerys ersten Sparmaßnahmen sein. Andere Fehlentscheidungen zu korrigieren und die Kosten wirklich nennenswert zu reduzieren, dürfte deutlich schwieriger werden. Denn die Geschäfte laufen schlecht, obwohl in den letzten Jahren bereits ein enormer Konzernumbau stattfand.

Nach schlechten Erfahrungen in der Finanzkrise hatte Immelt eine Rückbesinnung auf das industrielle Kerngeschäft durchgesetzt. Die Tochter GE Capital, deren Finanzdienstleistungen einst mehr als die Hälfte zum Umsatz beisteuerten, wurde fast vollständig eingestampft. Stattdessen setzte man aufs Energiegeschäft - mit schlechtem Timing. GE machte sich mit dem Kauf der Energiesparte des Rivalen Alstom 2015 noch abhängiger von Öl- und Gas - just als die Preise einbrachen.

Nun müssen wohl radikale Entscheidungen her, um den Riesenkonzern mit rund 295.000 Mitarbeitern wieder auf Kurs zu bringen. Nach dem Quartalszahlen-Debakel im Oktober kündigte Flannery an, sich von Geschäftsanteilen im Wert von 20 Mrd. Dollar (17,2 Mrd. Euro) trennen zu wollen. Seitdem überschlagen sich US-Medien mit Spekulationen, welche Sparte als nächstes dran glauben könnte, angeblich stehen etwa das Zuggeschäft und das Flugzeugleasing auf dem Prüfstand.

Anleger bereiten sich indes auf den Härtefall einer Dividendenkürzung vor. Das schien lange undenkbar, doch die Lage ist ernst genug. "Die Dividendenzahlungen von rund acht Mrd. Dollar pro Jahr aufrechtzuerhalten, wäre eine Herausforderung", warnt die Investmentbank Goldman Sachs. Die Mittel seien so knapp, dass kaum Geld für Aktionäre da sein dürfte. Das gab es zuletzt in der Finanzkrise.

Brüssel (APA) - Österreichs Schulden sind im zweiten Quartal des Jahres auf 76,5 Prozent des BIP gesunken. Im Vergleichszeitraum 2017 waren es noch 81,0 Prozent. In der Eurozone ging der Schuldenstand im Jahresabstand von 89,2 auf 86,3 Prozent zurück. In der EU verringerte er sich von 83,4 auf 81,0 Prozent, geht aus jüngsten Daten von Eurostat vom Dienstag hervor.
 

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Österreichs Schulden auf 76,5 Prozent des BIP gesunken

Wien (APA) - In Österreich ist seit Ende 2016 die Nachfrage nach Unternehmenskrediten aufgrund der guten Konjunktur stark gestiegen. Dieser Trend habe sich zuletzt jedoch abgeschwächt und könnte bis Ende des Jahres ein Plateau erreichen. Die Entwicklung im Privatkundengeschäft verlaufe vergleichsweise moderater, schreibt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) in einer Aussendung am Dienstag.
 

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OeNB: Nachfrage nach Unternehmenskrediten erreicht neue Höhen

Brüssel (APA) - Österreich konnte im zweiten Quartal des Jahres einen Budgetüberschuss von 1,2 Prozent des BIP einfahren. Im Vergleichszeitraum 2017 hatte es noch ein Defizit von 1,9 Prozent gegeben. Die Eurozone konnte ihr Minus im Jahresabstand von 1,4 auf 0,1 Prozent verringern. Die EU verbesserte sich von -1,5 auf -0,3 Prozent.
 

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Österreich mit 1,2 Prozent Budgetüberschuss im zweiten Quartal 2018