Krebs-Impfstoffe erleben Renaissance

Washington/Tübingen/Ingelheim (APA) - US-Biotechnologiekonzern Amgen hat Vakzin gegen Melanom zur Zulassung eingereicht. Boehringer Ingelheim geht Kooperation mit Tübinger Impfstoffentwickler ein.

Washington/Tübingen/Ingelheim Nach ersten Hoffnungen, die Mitte der 1990er-Jahre einem Hype glichen, hat es viele Jahre bei Krebsvakzinen einen Stillstand gegeben. Jetzt könnte eine Renaissance bevorstehen. Konzerne wie Amgen (USA) oder Boehringer Ingelheim (Deutschland) setzen wieder auch auf diese Strategie der Krebstherapie.

So gab der US-Biotechnologiekonzern Amgen vor einigen Tagen die Einreichung eines Zulassungsantrags bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für den Wirkstoff Talimogen laherparepvec (T-VEC) zur Behandlung von Erwachsenen mit regional oder fernmetastasiertem Melanom bekannt. Die Vakzine basiert auf einem genetisch veränderten Fieberblasenvirus (Herpes Virus 1). Die Vakzine mit den Viren soll direkt in Krebstumoren injiziert werden. Die veränderten HSV1-Erreger vermehren sich ausschließlich in Krebszellen. Das bringt diese einerseits zum Platzen, andererseits führt das zu einer Freisetzung des Immunbotenstoffs GM-CSF und von Tumorbestandteilen. GM-CSF lockt Immunzellen (dendritische Zellen) an, welche dem körpereigenen Abwehrsystem Tumor-Bestandteile (Antigene) so präsentierten sollen, dass eine Abwehrreaktion in Gang kommt.

In einer Studie zur Wirksamkeit der Vakzine an mehr als 400 Patienten mit fortgeschrittener Melanomerkrankung zeigten sich positive Effekte: Unter den mit dem Impfstoff immunisierten Probanden kam es bei 16 Prozent zu einem mehr als sechs Monate andauernden sehr gutem oder teilweisem Ansprechen auf die Behandlung. Objektiv war ein Ansprechen mit Zurückbildung des Tumors bei 26 Prozent der Therapierten zu beobachten. Die Vergleichszahlen bei Probanden, die nur den Immunbotenstoff GM-CSF erhielten, waren dazu zwei bzw. sechs Prozent (für sehr gutes und teilweises Ansprechen bzw. lang andauernden Effekt). Diese Ergebnisse wurden im Jahr 2013 beim Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie vorgestellt.

Amgen steht bei dieser Entwicklung nicht allein da. Erst vor wenigen Tagen hat der Onkologie-Forschungsleiter des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim, Eric Haaksma, gegenüber der APA erklärt, dass man für die Zukunft aus unterschiedlichen Ansätzen einen "Therapie-Teppich" gegen bösartige Erkrankungen "weben" wolle. Da werde man sich therapeutische Krebsvakzine wieder ansehen. Boehringer Ingelheim hat in den 1990er-Jahren gemeinsam mit Wissenschaftern der Universitäts-Hautklinik in Wien (AKH) und dem Institut für Molekulare Pathologie (IMP) einen Patienten-individuellen Melanomimpfstoff erprobt. Das Projekt wurde schließlich beendet.

Jetzt hat der deutsche Pharmakonzern allerdings eine Kooperation mit dem Tübinger Unternehmen CureVac bei der Entwicklung eines zukünftigen Lungenkarzinomimpfstoffes bekannt gegeben. CureVac setzt auf seine RNActive-Vakzine. Sie besteht aus sechs RNA-Erbgutanteilen, welche nach einer Impfung zur Produktion von sechs Tumorproteinen von Lungenkarzinomen führen soll. Auf diese soll dann das Immunsystem der Patienten mit einer Abwehr reagieren. Bisher gibt es aber dazu noch keine Wirksamkeitsdaten aus einer groß angelegten Phase-III-Studie.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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