Katastrophen 2015 kosteten weniger Geld, aber viel Menschenleben

Zürich - Die Schäden durch Katastrophen sind im vergangenen Jahr etwas höher ausgefallen als bisher geschätzt. Insgesamt hätten Katastrophen 2015 weltweit gesamtwirtschaftliche Schäden von 92 Mrd. Dollar (82 Mrd. Euro) verursacht, bilanzierte Swiss Re in ihrer neuesten Sigma-Studie.

Insgesamt sind im vergangenen Jahr bei den Katastrophen weltweit 26.000 Menschen ums Leben gekommen. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr 2014.

Im Dezember hatte der Rückversicherer die gesamtwirtschaftlichen Katastrophenschäden noch auf rund 85 Mrd. Dollar geschätzt. Trotz des Anstiegs ist das immer noch ein Fünftel weniger als im Vorjahr, als Schäden von 113 Mrd. Dollar zu beklagen waren, wie die Swiss Re am Mittwoch bekannt gab.

Damit bewegen sich die weltweiten Katastrophenschäden nach wie vor auf einem sehr tiefen Niveau. Im Zehnjahresdurchschnitt betragen die gesamtwirtschaftlichen Schäden 192 Mrd. Dollar.

Die vergleichsweise geringen Katastrophenschäden seien zu einem großen Teil der glimpflich verlaufenen Hurrikansaison in den USA zu verdanken, hieß es in der Studie. Letztes Jahr sei erneut kein großer Hurrikan in den USA auf Land getroffen. Ist dies der Fall, werden die Schäden dort in der Regel sehr teuer.

Die von Naturkatastrophen verursachten Schäden fielen im vergangenen Jahr mit 80 Mrd. Dollar kleiner aus als 2014 (104 Mrd. Dollar). Dagegen waren die von Menschen verursachten Schäden mit 12 Mrd. Dollar höher als im Vorjahr (9 Mrd. Dollar).

Den größten Schaden richtete das Erdbeben in Nepal an, das im April den Himalaya-Staat mit einer Stärke von 7,8 erschütterte, etwa 9.000 Menschen tötete und eine halbe Million Häuser zerstörte. Mit den Auswirkungen in Indien, China und Bangladesch verursachten die Erdstöße gesamtwirtschaftliche Schäden von schätzungsweise 6 Mrd. Dollar, wie es in der Studie hieß.

Das war die schlimmste Katastrophe für Nepal seit über 80 Jahren. Weil in dem Land allerdings kaum jemand versichert ist, tragen die Versicherungen davon nur etwa 160 Mio. Dollar.

Insgesamt beläuft sich der Gesamtschaden für die Versicherer aus den Katastrophen weltweit auf 37 Mrd. Dollar. Das ist eine Milliarde Dollar mehr als im Vorjahr.

Am teuersten für die Branche ist die Explosionsserie im Hafen der chinesischen Stadt Tianjin am 12. August. Die Detonationen rissen 173 Menschen in den Tod und verursachten weit mehr Verletzte. Zudem beschädigten sie Fahrzeuge, Schiffscontainer und Produktionsanlagen. Weil der Hafen wegen der Gefahr von Folge-Explosionen und für die Aufräumarbeiten zur Sperrzone erklärt worden sei, seien die Schätzungen der Schäden für die Versicherer schwierig, hieß es.

Den versicherten Schaden schätzt die Swiss Re provisorisch auf 2,5 Mrd. bis 3,5 Mrd. Dollar. Für den gesamtwirtschaftlichen Schaden gibt der Konzern keine Zahl an.

Am zweitteuersten für die Assekuranz wurde ein Wintersturm in den USA, der im Februar 2015 wütete. Für dessen Schäden müssen die Versicherer 2,1 Mrd. Dollar bezahlen. Dahinter folgten Unwetter und Waldbrände in den USA. In Europa richteten Überschwemmungen in Großbritannien und Irland im Dezember versicherte Schäden von schätzungsweise 1,9 Mrd. Dollar an.

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