Katalonien - Ökonomen zur Wahl

Berlin/Frankfurt/Barcelona (APA/Reuters) - Bei der Regionalwahl in Katalonien haben die Separatisten ihre absolute Mehrheit im Parlament in Barcelona verteidigt. Die Parteien könnten 70 der insgesamt 135 Abgeordneten stellen, wie am Donnerstagabend aus offiziellen Zahlen nach Auszählung fast aller Stimmen hervorging.

Dies wäre ein schwerer Rückschlag für den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Er hatte gehofft, dass die Separatisten aus der Neuwahl geschwächt hervorgehen und der Konflikt mit der wohlhabenden Region entschärft wird.

Ökonomen sagten dazu in ersten Reaktionen:

ULRICH STEPHAN, DEUTSCHE BANK:

"Die Allianz JuntsxCat von Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont, die linksnationalistische Partei ERC des inhaftierten Spitzenkandidaten Oriol Junqueras und die linksalternative CUP kommen zusammen auf eine knappe Mehrheit. Was sie eint? Der Wille zur Unabhängigkeit. Das aber ist auch schon alles. In den Koalitionsverhandlungen dürfte sich dies offenbaren. Ob es also einen neuen Anlauf für ein unabhängiges Katalonien geben wird, bleibt abzuwarten. Die Menschen in Katalonien vermag dieser Wahlausgang allerdings nicht zu versöhnen."

THOMAS ALTMANN, QC PARTNERS, ASSET MANAGEMENT GESELLSCHAFT:

"Spanien steht jetzt vor einer neuen Zerreißprobe. Der erneute Sieg der Unabhängigkeitsbefürworter bringt viel Unsicherheit mit sich. Spanien bleibt ein gespaltenes Land. Ein neues Referendum ist jetzt sehr wahrscheinlich. Und wie eine Abspaltung in der Praxis tatsächlich aussehen könnte, weiß heute noch niemand."

VOLKSWIRTE DER BAYERNLB:

"Das Lied 'Stille Nacht, heilige Nacht' konnte gestern in Katalonien noch nicht angestimmt werden, nachdem das Wahlergebnis zeigt wie gespalten die Region bleibt. 70 von 135 Sitzen errangen die Separatisten bei einer sehr hohen Wahlbeteiligung von fast 82 Prozent und feierten sich als Sieger. Auch der Vorsitzende von Ciudadanos erklärte seine Partei als Gewinner, da sie die meisten Sitze (37) auf sich vereinigen konnte. Die Regierungsbildung dürfte sehr schwierig werden. Dass sich die drei für eine Unabhängigkeit eintretenden Parteien einigen, gilt als schwierig."

RALPH SOLVEEN, COMMERZBANK:

"Die Hoffnungen des spanischen Ministerpräsidenten Mario Rajoy, durch Neuwahlen die Krise in Katalonien zu beenden, haben sich nicht erfüllt. Vielmehr haben die Befürworter einer Unabhängigkeit von Spanien ihre Mehrheit im katalanischen Regionalparlament trotz leichter Verluste verteidigt. Allerdings dürfte eine Regierungsbildung sehr schwer fallen. Gelingt dies nicht, müssten die Katalanen im Frühjahr noch einmal wählen.

An den Märkten dürfte das Wahlergebnis allenfalls kurzfristig für etwas Unruhe sorgen. Denn am Ende dürfte entscheidend sein, dass das Thema 'Unabhängigkeit Kataloniens' erst einmal nicht mehr akut ist. Damit dürfte Katalonien mehr und mehr aus dem Blickfeld der Investoren geraten, so dass bei der Bewertung spanischer Anleihen eher wieder die guten wirtschaftlichen Perspektiven des Landes sowie der Einfluss der EZB-Politik im Fokus stehen werden. Eine Belastung für spanische Anleihen könnte sich aber daraus ergeben, wenn die anhaltende politische Unsicherheit die katalanische Wirtschaft weiter schwächen und damit auch das Wachstum Spaniens bremsen würde."

VOLKSWIRTE DER LBBW:

"Damit hat sich die Hoffnung von Spaniens Regierung zerschlagen, durch die Wahlen den Separatisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das weitere Vorgehen ist unklar. Auf jeden Fall dürfte die politische Unsicherheit in Spanien wieder deutlich ansteigen."

London (APA/Reuters/dpa) - Einen Tag nach dem von Konfrontation geprägten EU-Gipfel in Salzburg hat die britische Premierministerin Theresa May Härte demonstriert und von Brüssel neue Brexit-Vorschläge gefordert. Die Verhandlungen seien in einer Sackgasse. "Ich habe die EU immer mit Respekt behandelt. Großbritannien erwartet dasselbe", sagte May in ungewöhnlich scharfen Worten am Freitag in London.
 

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May demonstriert nach EU-Gipfel Härte in Brexit-Gesprächen

Wien/Stuttgart (APA) - "Wir müssen ein anderes Denken üben", so der Appell von Eckhard Minx, Zukunftsforscher und Vorstandssprecher der "Daimler und Benz Stiftung" beim heutigen "Deutsch-Österreichischen Technologieforum" in Wien. Die Menschen hätten das "Trugbild der Beständigkeit" im Kopf, dabei stehe die Gesellschaft vor einem grundsätzlichen Wandel. "Digitalisierung ist so was wie ein Tsunami", so Minx.
 

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Zukunftsforscher: "Digitalisierung ist so was wie ein Tsunami"

Wien (APA) - Zahlreiche Missstände hat der Rechnungshofbericht zur bereits aufgelösten Bundesanstalt für Verkehr (BAV) zutage gebracht. Nachdem der RH die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat, wird gegen drei Beschuldigte wegen Amtsmissbrauch und Untreueverdacht ermittelt. So sollen Millionen zu viel überwiesen worden sein, knapp 350.000 Euro ohne Gegenleistung gezahlt und Untersuchungsberichte nie veröffentlicht worden sein.
 

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Bundesanstalt für Verkehr: Amtsmissbrauch- und Untreueverdacht