Jüngste Kursrally des Euro bereitet Draghi & Co Sorgen

Frankfurt (APA/Reuters) - Der kräftige Anstieg des Euro bereitet der EZB zunehmend Sorgen. Experten gehen daher davon aus, dass Notenbank-Präsident Mario Draghi auf der Zinssitzung am Donnerstag in Frankfurt Äußerungen vermeiden wird, die die Gemeinschaftswährung noch weiter nach oben treiben können.

Es wird eine Bekräftigung der Aussage erwartet, dass die EZB die Schlüsselzinsen noch weit nach Ende der Anleihenkäufe auf dem derzeitigen Niveau halten will. Der Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Eine Änderung am Donnerstag gilt als ausgeschlossen.

"Der jüngste Anstieg des Euro/Dollar-Kurses scheint bereits die EZB in einem gewissen Ausmaß aufgeschreckt zu haben", sagt Zinsexperte Jan von Gerich von der schwedischen Großbank Nordea. Ähnlich sehen das die Volkswirte Gizem Kara und Stefan Ubovic vom französischen Bankhaus BNP Paribas: "Obgleich sich aus ökonomischer Sicht die Währung noch nicht auf einem alarmierenden Niveau befindet, ist der plötzliche beschleunigte Anstieg ein Grund zur Sorge." Mit einem starken Euro-Wechselkurs verbilligen sich Importe. Güter aus dem Währungsraum werden dagegen im Ausland teurer und büßen an Wettbewerbsfähigkeit ein. Tendenziell dämpft das die aus EZB-Sicht ohnehin schon zu niedrige Inflation.

Ungewöhnlich deutlich waren daher zuletzt die Aussagen mehrerer Top-Notenbanker zum Euro. So bezeichnete Frankreichs Zentralbankchef Francois Villeroy de Galhau die Kursrally als Quelle von Unsicherheit. EZB-Vize Vitor Constancio äußerte sich besorgt über plötzliche Kursbewegungen, die keine Veränderungen der Fundamentaldaten widerspiegelten. Seit der Dezember-Zinssitzung hat die Gemeinschaftswährung rund vier Prozent auf inzwischen über 1,22 Dollar zugelegt. In ihren Wirtschaftsprognosen waren EZB-Volkswirte dagegen zuletzt noch von einem Kurs von 1,17 Dollar für die Jahre 2018 bis 2020 ausgegangen.

Hinter dem Euro-Anstieg steht vor allem das unlängst veröffentlichte Protokoll des EZB-Zinstreffens im Dezember. Darin kündigte sie früh in diesem Jahr eine Überprüfung ihres Ausblicks an. Dieser ist ein wichtiges Instrument, um die geldpolitischen Erwartungen an den Finanzmärkten zu steuern. Manche Marktteilnehmer hatten aus dem Papier herausgelesen, dass die EZB womöglich erste Zinserhöhungen vorziehen könnte. Am Geldmarkt nahmen deshalb die Spekulationen auf einen ersten Schritt nach oben bereits in diesem Jahr zu. Die Europäische Zentralbank hat letztmalig 2011 die Schlüsselzinsen angehoben.

Die Formulierung im Protokoll spreche eigentlich dafür, dass Änderungen beim Ausblick bereits jetzt erfolgen müssten, so Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. "Allerdings scheinen dem Vernehmen nach viele Ratsmitglieder hiermit bis zur übernächsten Sitzung im März warten zu wollen, vielleicht auch um auf diese Weise die zuletzt verstärkten Zinserhöhungsspekulationen zu dämpfen." Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters zuletzt, die Notenbank brauche noch mehr Zeit, um die wirtschaftlichen Aussichten für die Eurozone und die künftige Euro-Entwicklung besser abschätzen zu können.

Bisher sind für die Euro-Wächter die noch bis mindestens Ende September laufenden Anleihenkäufe, die vor allem in Deutschland massiv kritisiert werden, die zentrale Bezugsgröße. So heißt es im EZB-Ausblick, dass die billionenschweren Transaktionen so lange fortgesetzt werden, bis ein nachhaltiger Anstieg der Inflation in Richtung der Zielmarke von knapp zwei Prozent zu erkennen ist. Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld eintrüben, wird ihre nochmalige Aufstockung oder Verlängerung der Käufe nicht ausgeschlossen.

Berlin (APA/dpa) - Die Bahnindustrie in Deutschland drängt auf mehr staatliche Hilfe gegen die drohende neue Konkurrenz etwa aus China. Die Exportförderung müsse verstärkt werden und bei europäischen Ausschreibungen solle nur der Anbieter zum Zuge kommen, der die Hälfte der Wertschöpfung in Europa bestreite.
 

Newsticker

Deutsche Bahnindustrie will mehr staatliche Hilfe gegen Konkurrenz

Frankfurt am Main (APA/Reuters) - Die deutsche Regierung sieht eine wachsende Gefahr eines ungeordneten EU-Austritts Großbritanniens. "Das Risiko eines 'Hard Brexit' ist gestiegen. Wir arbeiten natürlich intensiv daran, dies zu verhindern", sagte Finanzstaatssekretär Jörg Kukies am Montag auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt.
 

Newsticker

Brexit - Deutsches Finanzministerium sieht Risiko für No Deal steigen

Frankfurt am Main/Frankfurt (APA/dpa) - Die Deutsche Börse kommt Anlegern weiter entgegen, die in umweltbezogene Projekte investieren wollen. Der Konzern hat ein neues Handelssegment für "grüne Anleihen" gegründet, wie er am Montag in Frankfurt mitteilte. Darin sind 150 Anleihen gebündelt, mit denen Förderbanken, Unternehmen, Städte und Staaten Klima- und Umweltschutzprojekte finanzieren.
 

Newsticker

Trend zu "grünen Investments": Deutsche Börse eröffnet neues Segment