Journalistische Start-ups, Kostenprobleme und der "eigene Weg"

Wien - "Haltet euch fern von traditionellen Medien, geht euren eigenen Weg." Florian Skrabal, Gründer von Dossier.at, erinnerte sich mit einem Schmunzeln an den Rat, den er vor Jahren von Oscar Bronner bekommen hat. Am Montag diskutierte er mit anderen Branchenvertretern über die Potenziale journalistischer Start-ups, problematische Rahmenbedingungen und das "Abheben vom Markt".

Dieses identifizierte Yvonne Widler von NZZ.at als eine wichtige Herausforderung für neue Projekte. Der Online-Ableger der "Neuen Zürcher Zeitung" hätte aufgrund der finanziellen Unterstützung aus der Schweiz zwar eine Sorge weniger. "Wir müssen aber wiederum die Leute davon überzeugen, dass es Qualität auch nur online geben kann", erklärte sie bei der Veranstaltung des Friedrich Funder Instituts in Wien. Am Ende wolle man sich natürlich größtenteils selbst finanzieren. "Unser Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren mehrere tausend Abonnenten zu haben", blieb sie vage.

Als klassisches Start-up mit "Garagen- und Wohnzimmercharakter" wurde Dossier.at 2012 gegründet. "Wir versuchen, auf klassische Einnahmenströme wie Werbung oder Förderungen zu verzichten und andere zu erschließen", skizzierte Skrabal die "große Herausforderung". Die geschäftliche Entwicklung sei derzeit zwar positiv, "aber nicht in trockenen Tüchern". Derzeit setze man auf Mitgliedschaften (rund 100 aktuell), journalistische Services für andere Medien sowie die Dossier-Academy. "Wir bräuchten 3.000 Mitglieder, um Dossier in seiner jetzigen Form ausfinanzieren zu können."

Dass man Geduld beweisen muss, weiß auch Gerlinde Hinterleitner: Die Geschäftsführerin von derstandard.at blickte auf den eigenen Start "mit einem PC" zurück und das Warten auf das Geldverdienen: "Es hat wesentlich länger gedauert, als wir uns damals je vorstellen konnten." Die geringe Skalierbarkeit von journalistischen Angeboten "schränkt die Erfolgschancen für Start-ups beträchtlich ein", urteilte sie. Andererseits müsste gerade der technologische Aspekt forciert werden, geschehen doch hier die aktuell größten Innovationen. "Große Medienhäuser sollten es schaffen, tatsächlich eine digitale Kultur zu etablieren", lautete Hinterleitners Rat.

Im Vordergrund müssten letztlich aber immer "die Geschichten" stehen, wie "Datum"-Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner betonte. Die Kostenexplosion in allen Bereichen mache ihm dennoch Angst. Sein Medium könne es sich nicht leisten, vergleichbare Gehälter wie in Deutschland oder der Schweiz zu zahlen. Neben "teils absurden Lohnnebenkosten" kritisierte Kaltenbrunner auch die Presseförderung, die in jetziger Form "eigentlich komplett abgeschafft" gehöre. Und von potenteren Marktteilnehmern wünsche er sich mehr Mut, in Neues zu investieren. "Derzeit traut sich niemand etwas, das vermisse ich ein bisschen."

In eine ähnliche Kerbe schlug auch Jürgen Peindl. Dem TV-Moderator, der aktuell mit "Die Meinungsmacher" und "Reporter 24" aktiv ist, geht es darum, Gewohnheiten beim Publikum zu brechen. "Aber zu oft muss man sich in Österreich mit Dingen beschäftigen, die mit der eigentlichen Sache, dem Journalismus, wenig zu tun haben", sieht er eine "sehr unternehmerfeindliche" Umgebung. Für neue Angebote sei eine mittelfristige finanzielle Basis jedenfalls von Vorteil, um nicht "mit der Pistole im Nacken" starten zu müssen.

(S E R V I C E - www.ffi.at)

Berlin (APA/Reuters) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Standfestigkeit der EU bei den Brexit-Verhandlungen gefordert. "Wir wollen ein geordnetes Verlassen Großbritanniens, aber nicht um jeden Preis. Wir dürfen uns den Binnenmarkt nicht zerstören lassen", sagte die Kanzlerin am Montag auf dem Unternehmertag des Außenhandelsverbands BGA in Berlin.
 

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Brexit - Merkel: "Dürfen uns Binnenmarkt nicht zerstören lassen"

Wien (APA/Reuters) - Der Finanzinvestor Advent bereitet Finanzkreisen zufolge einen Börsengang oder Verkauf der Wiener Addiko Bank vor, die aus der zusammengebrochenen Krisenbank Hypo Alpe Adria hervorgegangen ist. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Citi sollen Advent bei dem Prozess beraten, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.
 

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Finanzinvestor Advent bereitet Ausstieg bei Addiko Bank vor

Berlin/Rüsselsheim (APA/dpa) - Autohersteller wie VW mussten wegen unzulässiger Abgastechnikmanipulation bereits Diesel-Fahrzeuge zurückrufen - verpflichtend. Im Abgasskandal gerät nun auch Opel zunehmend in Visier der Behörden und immer stärker unter Druck. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) will für den Autobauer einen Rückruf von rund 100.000 Diesel-Fahrzeugen anordnen.
 

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Deutschland - Rückruf für 100.000 Opel-Diesel "steht kurz bevor"