IVA-Anlegerschützer Rasinger: Verbund muss weiter sparen

Wien - Der börsennotierte Stromversorger Verbund wird nach Ansicht von IVA-Anlegerschützer Wilhelm Rasinger weiter auf Kostensenkungen setzen und hauptsächlich von der Substanz leben müssen, der Wasserkraft. Für Wachstumsinvestitionen sei momentan kein Platz, so Rasinger im Vorfeld der Verbund-Hauptversammlung (am Mittwoch) zur APA. Momentan habe die Aktie keine Phantasie, Anleger müssten Geduld haben.

Angesichts des voraussichtlich noch bis mindestens zum Jahr 2020 angespannten Strommarkts in Europa habe das mehrheitlich der Republik gehörende Unternehmen vorerst "keine brüllende Zukunft", so der Präsident des Interessenverband für Anleger (IVA). Man könne "froh sein, wenn es der Verbund schafft, so eine Dividende wie derzeit zu verdienen". Für 2015 sollen das 35 Cent je Aktie sein - nach 29 Cent pro Anteilsschein für 2014 - womit der volle Bilanzgewinn der AG ausgeschüttet wird. Zuletzt notierten die Papiere bei 11,40 Euro.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber hatte beim Bilanzpressegespräch Anfang März schon angekündigt, dass Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen weitergehen würden. Investitionen und Dividendenpolitik würden evaluiert, hieß es damals.

Am Strommarkt gebe es keine Zeichen der Entspannung, verweist auch Rasinger auf die anhaltend niedrigen Strom-Großhandelspreise. Schuld daran sei das Überangebot an Elektrizität - vor allem durch geförderten Wind- und Solarstrom in Deutschland, aber auch die im Ausland trotz der Umweltbelastung weiter laufenden Kohlekraftwerke. Die Pariser Klimabeschlüsse haben sich hier noch nicht ausgewirkt.

Aufgrund der Strom-Forwardpreise könne man davon ausgehen, dass beim Verbund "der Druck auf die Kosten weiter sehr stark sein" werde. Ändern könne sich das nur "unter politischem Druck", vor allem im Ausland - etwa Deutschland, wo die Stromgroßhandelspreise für gesamt Mitteleuropa bestimmt werden. Er teile die Meinung von Anzengruber, dass man mit den Ökostromförderungen etwa in Deutschland schon den freien Wettbewerb verlassen habe und in Richtung Planwirtschaft gegangen sei, so der IVA-Präsident.

Der Verbund könne "nur versuchen, in dieser schwierigen Situation durchzutauchen und schlank und fit zu werden", also "weiterhin an der Kostenschraube zu drehen". Stabile Erlöse gebe es für den Verbund etwa im regulierten Netzbereich, bei der Netztochter APG, auch wenn selbst dort in der nächsten Periode die von der E-Control zugestandene Verzinsung wohl niedriger ausfallen werde. Zudem könne der Verbund seinen Kraftwerkspark optimieren, die Möglichkeiten dazu sieht Rasinger aber als "begrenzt" an.

In den letzten Jahren habe sich der Verbund gut von Altlasten befreit, erinnert der IVA-Experte etwa an die Engagements im kalorischen Bereich in Italien und Frankreich. Zum gut 10-prozentigen Anteil des Kärntner Landesversorgers Kelag an der Verbund Hydro Power ist Rasinger der Meinung, dass der Verbund diese Beteiligung übernehmen sollte. "Es sollte alles aus einer Hand kommen - der eine hat die Produktion und der andere den Kontakt mit den Endkunden." Für ihn sei fraglich, welches Konzept der Verbund bei den Endkunden genau verfolge; die Werbepräsenz dafür sei jedenfalls hoch.

Zu der "nachträglich" von 30 auf 35 Cent je Aktie erhöhten Dividende für 2015 stört Rasinger, dass dieses Thema öffentlich erörtert wurde. Es wäre gut gewesen, diese juristische Frage im Vorfeld intern zu klären "statt die Öffentlichkeit damit zu beschäftigen", meint er. Ursprünglich hatte der Verbund am 8. März eine Ausschüttung von 30 Cent je Aktie avisiert, am 15. März - nach dem Bilanzpressegespräch - hieß es dann, der Dividendenvorschlag werde auf 35 Cent je Anteilsschein erhöht.

Der ursprüngliche Vorschlag sei "aufgrund der Unternehmenssatzung als rechtlich anfechtbar anzusehen", so der Stromkonzern damals. In der UGB-Bilanz dürfe nämlich nur so viel Gewinn ausgewiesen werden wie zu verteilen ist, so Rasinger; daher hätten Juristen dann zur Vorsicht gemahnt.

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