IV-Präsident Kapsch hat einige Erwartungen an nächste Regierung

Wien (APA) - Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Kapsch, hat am Donnerstag einige Forderungen an die wahrscheinliche kommende ÖVP-FPÖ-Regierung gerichtet. Im Klub der Wirtschaftspublizisten sagte der bekennende Liberale auch, dass er im Ausland öfters besorgt auf die wahrscheinliche Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen angesprochen wird.

Den ausländischen Rückmeldungen auf eine mögliche FPÖ-Regierungsbeteiligung hält Kapsch dabei stets entgegen, dass die Demokratie in Österreich nicht in Gefahr sei. "Dass bei uns dadurch die Demokratie infrage gestellt wird, ist eine völlig unbegründete Befürchtung." Das habe die letzte freiheitliche Regierungsbeteiligung ja auch gezeigt. Weder sei die Pressefreiheit eingeschränkt noch seien demokratische Organisationen angegriffen worden. "Ich glaube nicht, dass wir ungarische Verhältnisse bekommen."

Freilich werde das Sicherheitsthema verstärkt in den Vordergrund rücken, so Kapsch. Man werde wahrscheinlich mehr Polizei auf den Straßen sehen. "Ich glaube, das wird Österreich nicht sicherer machen, aber teuer wird es bestimmt", kritisierte der IV-Präsident, der nicht glaubt, dass es nötig ist, Sicherheitsmaßnahmen massiv auszubauen. In der Migrationsfrage hätten sich sowohl ÖVP und SPÖ schon sehr der FPÖ angenähert. Kapsch glaubt, die nächste Regierung werde europafreundlich vorgehen, obwohl die FPÖ im EU-Parlament der Rechtsaußenfraktion angehört, bei der etwa auch die französische Front National dabei ist.

Prinzipiell brauche Österreich eine Art Leitbild und mehr Begeisterung, "es muss eine Vision vermittelt werden", meinte Kapsch. Die kommende Regierung werde binnen eines halben Jahres schon Ergebnisse liefern müssen. Kurzfristig erwartet sich der IV-Präsident Maßnahmen im Förderungsbereich. Streichungen seien bei Strukturförderungen vorstellbar. Bei der Familienförderung solle es Umschichtungen geben. Ein "Unsinn" sei etwa die Ökostromförderung. Hier sollten nur Investitionen, nicht aber der Tarif gefördert werden. Mittel- bis langfristig müsse das Pensionsthema unbedingt angegangen werden.

Grundsätzlich hielt Kapsch fest, dass der Staat zwar nicht wie ein Unternehmen geführt werden könne, "aber der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit muss gegeben sein". Dazu müssten nicht nur Förderungen, sondern auch Sozialleistungen wie die Mindestsicherung zielorientierter verteilt werden. Auch der Föderalismus müsse angeschaut werden - entweder mehr oder weniger davon. Jedenfalls gehöre die mittelbare Bundesverwaltung angegangen.

In der Bildung habe der Bund viel zu wenig Richtlinienkompetenz. Die Zahl der Sozialversicherungsträger könnte auf etwa drei gesenkt werden. Auf Steuern bezogen gibt es ein IV-Konzept das ein Einsparpotenzial von 15 Mrd. Euro binnen sechs bis acht Jahren ortet, erinnerte Kapsch.

Das Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat bedauerte Kapsch sehr. "Es ist eine politische Katastrophe", sagte Kapsch - trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Industrie und Grünen. Es habe auch Gemeinsamkeiten gegeben und die Grünbewegung habe über die Jahre viele wichtige Inputs auch für die Unternehmen geliefert. Leute wie Werner Kogler würden im Parlament fehlen, so der Industriellenvertreter.

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

Bonität

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Wirtschaft

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

Newsticker

Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte