IV-Helmenstein sieht Digitalisierung als Schutz vor Polit-Risiken

Wien (APA) - US-Sanktionen, Iran-Krise, Brexit, Italien-Krise: Die geopolitischen Risiken sind höher denn je und gefährden den wirtschaftlichen Aufschwung. "Sobald eines der Großrisiken schlagend wird, kann es schnell vorbei sein", warnte der Chefvolkswirt der Industriellenvereinigung (IV), Christian Helmenstein, am Donnerstag.

Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierung seien die beste ökonomische Antwort darauf, dass Österreich und Europa nicht in der Depression landen, sagte der Ökonom. Als "größtes singuläres Problem in Europa" sieht Helmenstein derzeit Italien. Auch die EU-Kommission hat sich kürzlich besorgt gezeigt und das Programm der angestrebten italienischen Regierungskoalition kritisiert. "Vor dem Hintergrund seiner systemischen Bedeutung ist Italien eine Quelle von potenziellen, signifikanten Auswirkungen auf den Rest der Eurozone", so die Kommission.

Digitalisierung sei ein wesentlicher Teil von Wettbewerbsfähigkeit, sagte Helmenstein. Österreich müsse sich multipolar vernetzen, um von etwaigen Risiken weniger betroffen zu sein. In diesem Zusammenhang begrüßte der Ökonom auch den Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in China, der auch für Österreich positiv sei, zumal die heimischen Betriebe stark nach Deutschland exportieren.

Österreich bzw. Europa hinkt beim Thema Digitalisierung asiatischen Ländern wie Südkorea, Singapur oder Japan stark hinterher, zeigt etwa die Anzahl der Industrieroboter pro 10.000 Beschäftigten. Während in den Jahren 2015 und 2016 in Südkorea mehr als 500 Industrieroboter pro 10.000 Beschäftigten im Einsatz waren, waren es in Österreich etwas über 100, berief sich Helmenstein auf eine Untersuchung der International Federation of Robotics.

Einzig Deutschland schließt mit rund 300 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigten nahtlos an die asiatischen Top-Märkte an, was laut Helmenstein an dem hohen Automatisierungsgrad in der deutschen Automobil-, Elektronik- sowie Chemieindustrie liegt.

Die Digitalisierung treffe nicht mehr nur die am geringsten Qualifizierten, sagte der IV-Ökonom. "Wir werden Jobs verlieren, aber auch welche gewinnen. Wenn wir die Frontrunner sind, dann werden wir sogar einen Nettogewinn haben", glaubt Helmenstein. Das IHS schätzt, dass in Österreich etwa 9 Prozent der Arbeitsplätze durch Digitalisierung gefährdet sind.

"Je höher die Menschen qualifiziert sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir die Digitalisierung meistern", sagte Helmenstein. Sonst hätte man zwar Beschäftigte, die aber mit den digitalen Anforderungen nicht umgehen könnten, was Helmenstein als das "Musk-Phänomen" bezeichnete. Tesla-Chef Elon Musk musste in den vergangenen Monaten herbe Rückschläge einstecken. Der US-Elektroautokonzern Tesla kämpft mit Problemen beim Anlauf der Serienfertigung seines ersten Mittelklasse-Elektroautos Model 3, dessen Produktionsziele mehrfach verfehlt und verschoben wurden.

Geht es nach Helmenstein, muss man schon im Kindergartenalter ansetzen. Neben Kindern, Schülern und Studenten müssten aber auch Eltern und Lehrpersonal entsprechend geschult werden. Eine Befragung der Industriellenvereinigung unter heimischen Firmen habe ergeben, dass derzeit insbesondere Absolventen einer technischen FH, Uni oder HTL gefragt sind. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer forderte, dass Hochqualifizierte proaktiv für den österreichischen Standort angeworben werden müssten. Als Vorzeigebeispiel nannte Neumayer den Halbleiterhersteller Infineon, der am österreichischen Standort in Villach eine neue Chipfabrik für 1,6 Mrd. Euro errichten und 400 neue Jobs schaffen wird.

Dass es noch viel Aufholbedarf gibt, zeigt eine Untersuchung in Deutschland: "Firmen glauben, sie sind digitalisiert, weil sie E-Mails nutzen oder ein Smartphone", zitierte Helmenstein. Vollkommen digitalisiert seien dort nur 2 Prozent der Unternehmen. Einen Wert, den der Ökonom auch für Österreich sieht.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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