IS trotz Luftangriffen auf dem Vormarsch

(Reuters) - In Syrien rücken die Extremisten des Islamischen Staats (IS) trotz der US-Luftangriffe immer weiter vor. Im Norden des Landes zogen sie nach kurdischen Angaben den Ring um die Stadt Kobani enger zusammen. Der IS habe seine Truppen am Mittwoch in der umkämpften Region an der türkischen Grenze verstärkt, berichteten Vertreter kurdischer Milizen. Die USA und ihre Verbündeten flogen am zweiten Tag in Folge Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Ein Sprecher des US-Militärs erklärte: "Dies ist erst der Anfang." Kurz vor einer Rede von US-Präsident Barack Obama vor den UN zu dem Konflikt signalisierten die Niederlande, Belgien und Großbritannien, die Angriffe mit eigenen Kampflugzeugen zu unterstützen.

Am Dienstag hatte die US-geführte Koalition erstmals Stellungen des IS in Syrien bombardiert. Die USA hatten bereits Anfang August ihre militärische Zurückhaltung aufgegeben, ihre Angriffe jedoch auf IS-Truppen im Irak begrenzt. Der IS hat in den von ihm beherrschten Gebieten im Irak und in Syrien ein Kalifat ausgerufen, in dem sich die Bewohner der orthodoxen sunnitischen Glaubensauslegung unterwerfen müssen.

Nach Angaben der syrischen Opposition griffen Kampfflugzeuge IS-Stellungen westlich von Kobani an. Sie sollen zudem aus Richtung der Türkei gekommen sein. Allerdings sagten zwei Mitarbeiter des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu der Nachrichtenagentur Reuters, die Luftschläge gegen den IS seien weder vom US-Stützpunkt im türkischen Incirlik noch vom türkischen Luftraum ausgegangen. Die USA bestätigten zunächst nur fünf Luftangriffe auf den IS in Syrien und im Irak.

Auch Vertreter der Kurden im Kampfgebiet um Kobani bestätigten zunächst die Luftangriffe nicht und warnten vor einer erdrückenden Übermacht der IS-Milizen. "Die Zahl ihrer Kämpfer ist gewachsen, die Zahl ihrer Panzer ist gewachsen seitdem Rakka bombardiert wurde", sagte der stellvertretende Kommandant der kurdischen Kräfte, Ocalan Iso, in einem Telefonat mit Reuters. Am Dienstag hatte die US-geführte Koalition unter anderem IS-Stützpunkte in Rakka angegriffen, der inoffiziellen Hauptstadt des IS.

KURDEN: "KOBANI IST IN GEFAHR"

"Kobani ist in Gefahr", sagte Iso. Die USA sollten die Stellungen der IS vor der Stadt aus der Luft angreifen. Die IS-Milizen hätten sich bis auf acht Kilometer an die südlichen Vororte von Kobani herangekämpft - so nahe wie nie zuvor. Der Sprecher der kurdischen YPG-Miliz, Redur Xelil, sagte, die IS-Kämpfer versuchten die Stadt einzunehmen. "Sie haben sich aus keiner Stellung zurückgezogen, und die sehr intensiven Gefechte um Kobani und auch in Ras al-Ayn dauern an." Ras al Ayn liegt weiter östlich an der Grenze zur Türkei.

Kurdische Flüchtlinge beobachteten von einem Hügel auf der türkischen Seite aus Gefechte in einem mit mehreren Dörfern besiedelten Tal. Das Echo sporadischer Artillerie-Einschläge und das Feuer leichter Waffen wurde von den Bergen zurückgeworfen. Der IS habe nach der Bombardierung von Rakka alle Waffen in das Gebiet um Kobani geschafft, sagte der 60 Jahre alte kurdische Flüchtling Ahmed Hassan. "Die haben schwere Waffen. Wir laufen vor denen weg." Die kurdischen Kämpfer hätten keine schweren Waffen, deswegen benötigten sie Unterstützung.

Auch in anderen Gegenden Syriens bombardierten Kampfjets nach Oppositionsangaben IS-Milizen. Mindestens 13 Angriffe sind demnach auf die Umgebung der Grenzstadt zum Irak Albu Kamal geflogen worden. Bereits am Dienstag seien 22 Angriffe erfolgt. Auch ein IS-Kämpfer bestätigte die Angaben. Es habe mindestens neun Luftschläge der "Kreuzritter" gegeben. Es sei auch ein Industriegebiet angegriffen worden.

Albu Kamal ist einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen Syrien und dem Irak. Er verbindet die IS-Gebiete im Irak und in Syrien. Bislang konnten die IS-Milizen über diesen Übergang Truppen im Irak aufstocken und später erbeutete Rüstungsgüter der irakischen Armee in Syrien einsetzen.

CAMERON TRIFFT IRAKISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN

In den Niederlanden wollte das Kabinett am Mittwoch Nachmittag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ANP die Entsendung von vier F-16 Kampfjets zur Unterstützung der Angriffe in Syrien und im Irak beraten. Das letzte Wort bei dem Einsatz hat jedoch das Parlament. Auch die belgische Regierung ist zur Entsendung von F-16-Kampfflugzeugen bereit. Das teilte das Verteidigungsministerium mit. Über den Einsatz der sechs Maschinen soll am Donnerstag oder Freitag im Parlament abgestimmt werden.

In Großbritannien sagte ein enger Regierungsmitarbeiter, das Parlament könnte am Freitag über eine Beteiligung an den Militärschlägen im Irak entscheiden. Zunächst müsse aber die irakische Regierung einen entsprechenden Antrag stellen. Dies könne bei einem geplanten Treffen von Premierminister David Cameron mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi am Rande der UN-Vollversammlung in New York geschehen.

Brüssel (APA/Reuters) - Der Defizitstreit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung verschärft sich. Die Brüsseler Behörde wird den Budgetentwurf aus Rom für das kommende Jahr ablehnen, wie der "Spiegel" am Mittwoch unter Berufung auf den deutschen EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) berichtete.
 

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EU-Kommission weist Italiens Haushaltsentwurf zurück

Washington/Peking (APA/dpa) - US-Präsident Donald Trump hat ein neues Mittel gefunden, um China im Handelsstreit unter Druck zu setzen. Auf Anraten seines Wirtschaftsberaters Peter Navarro wolle Trump ein 144 Jahre altes Postabkommen aufkündigen, schrieb die "New York Times" am Dienstag unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise.
 

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Trump könnte 144 Jahre altes Postabkommen mit China beenden

Wien (APA) - Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger, dessen früheren Anwalt Gerald Toifl und andere ging es heute am 57. Prozesstag einmal mehr darum, wem welche Konten gehörten. Kein leichtes Unterfangen, wie schon Meischberger beim Auffliegen des "Buwog-Skandals" anmerkte.
 

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Grasser-Prozess - "Wird alles etwas schwierig zu erklären"