Insider-Affäre um Deutsche Börse-Chef - Druck auf Kengeter steigt

Frankfurt (APA/Reuters) - In der Insideraffäre um den Chef der Deutschen Börse steigt der Druck auf die Unternehmensspitze. In der für das berufliche Schicksal Carsten Kengeters mitentscheidenden Sitzung des Aufsichtsrats vergangenen Mittwoch hätten zwar mit einer Ausnahme alle Mitglieder des Gremiums für einen 10,5 Mio. Euro schweren Deal mit der Staatsanwaltschaft gestimmt.

"Viele allerdings mit der geballten Faust in der Tasche", sagte ein Unternehmensinsider mit Kenntnis der Beratungen der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber es ging jetzt zunächst darum, den Vorstand und das Unternehmen insgesamt zu stärken, nicht Kengeter."

Immer mehr Aufsichtsräte - sowohl auf Seite der Arbeitnehmer als auch auf der Kapitalseite - sähen inzwischen nur noch in einer Ablösung Kengeters und auch von Aufsichtsratschef Joachim Faber einen Ausweg aus der Krise. "Es ist einfach zu viel Porzellan zerschlagen worden, da hilft nur noch ein umfassender personeller Neuanfang", sagte die Person, die nicht namentlich genannt werden wollte. Nun seien die großen Aktionäre der Börse gefordert, einen neuen Chef für den Aufsichtsrat zu finden. "Das muss spätestens bis zur nächsten Hauptversammlung passieren, etwas anderes ist nicht vorstellbar."

Als ein möglicher Ersatz für Kengeter wird schon länger der bisherige Finanzvorstand des Unternehmens, Gregor Pottmeyer, gehandelt. Der Aufsichtsrat der Börse trifft sich an diesem Donnerstag zu seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung. Wie Reuters von zwei Firmeninsidern erfuhr, soll bei der Gelegenheit auch über eine Obergrenze bei der Vergütung der Vorstände gesprochen werden. Ob diese auch beschlossen wird, ist offen. Die Deutsche Börse wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Der Aufsichtsrat des Frankfurter Börsenbetreibers hatte am Mittwoch vergangener Woche in einer außerordentlichen Sitzung zugestimmt, dass das Unternehmen ein Bußgeld von 10,5 Mio. Euro zahlt, um ein Verfahren gegen Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel abzuwenden. Ihm wird vorgeworfen, dass er im Dezember 2015 für 4,5 Mio. Euro Aktien des Börsenbetreibers gekauft hat - zwei Monate, bevor die später gescheiterten Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE öffentlich wurden. Diese hatten den Aktienkurs massiv nach oben getrieben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es zum Zeitpunkt des Kaufs bereits Gespräche mit der LSE. Kengeter hat die Anschuldigungen wiederholt zurückgewiesen. Aufsichtsratschef Faber, der Kengeter geholt hatte und ihn mit lukrativen Aktienoptionen halten wollte, hat sich mehrfach demonstrativ hinter ihn gestellt.

Mit dem Votum des Aufsichtsrats von vergangener Woche ist Kengeter juristisch noch nicht vom Haken. Sowohl die hessische Börsenaufsicht als auch die Finanzaufsicht BaFin prüfen weiterhin, ob Kengeter aus ihrer Sicht noch als Börsenchef tragbar ist. Mit Entscheidungen wird in den nächsten Monaten gerechnet. Erst danach will der Aufsichtsrat der Börse über eine Verlängerung von Kengeters Vertrag entscheiden - dieser läuft am 31. März 2018 aus. Dem Deal mit der Staatsanwaltschaft muss das für den Fall zuständige Amtsgericht Frankfurt noch zustimmen. Der Konzern geht davon aus, dass das Ermittlungsverfahren gegen Kengeter gegen Auflagen eingestellt wird.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Mittwoch auf Anfrage von Reuters, das Verfahren sei inzwischen an das Amtsgericht weitergegeben worden. Sprecher der Finanzaufsicht BaFin und der hessischen Börsenaufsicht erklärten lediglich, die Prüfung der Zuverlässigkeit des Börsenvorstands dauere an.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro