IG Metall legt mit Warnstreiks Autoproduktion in Süddeutschland lahm

Berlin (APA/AFP) - Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall die Arbeitgeber am Freitag mit neuen Warnstreiks weiter unter Druck gesetzt. In Bayern und Baden-Württemberg brachten die Arbeitsniederlegungen die Autoproduktion nach Gewerkschaftsangaben "zum Stillstand", im Norden Deutschlands wurde unter anderem der Flugzeugbauer Airbus bestreikt.

Die Arbeitgeber signalisierten Verhandlungsbereitschaft - bekräftigten zugleich aber ihre Ablehnung einer 28-Stunden-Woche mit einem Lohnausgleich für bestimmte Beschäftigte.

Der größte Streitpunkt in dem Tarifkonflikt ist damit weiter ungelöst: Die IG Metall fordert das Recht auf eine befristete Teilzeit mit Lohnzuschüssen für bestimmte Beschäftigte, wie Eltern kleiner Kinder, pflegende Angehörige oder Schichtarbeiter. Die Arbeitgeber halten dies für rechtswidrig und diskriminierend gegenüber den Beschäftigten, die schon heute in Teilzeit arbeiten.

Über eine mögliche Annäherung verhandelt werden soll nun voraussichtlich nach dem Wochenende: Die Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg sollten "vorbehaltlich eines Signals der Bewegung von der Gegenseite" am Montag ab 11.00 Uhr in Stuttgart wieder aufgenommen werden, erklärte die dortige Bezirksleitung der IG Metall. Am bereits dritten ganztägigen Warnstreiktag sei im Südwesten "kein Auto, kein Traktor, kein Bus, kein Kran" vom Band gelaufen.

Seit Mittwoch brachten nach Angaben der IG Metall bundesweit eine halbe Million Beschäftigte aus knapp 280 Betrieben mit ganztägigen Warnstreiks die Produktion zum Erliegen. Allein am Freitag standen demnach in fast hundert Unternehmen mit mehr als 300.000 Beschäftigten die Bänder still - vor allem in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt- sowie der Werftindustrie. Bestreikt wurden unter anderem Standorte von BMW, Audi, Porsche und Daimler, Werften in Kiel, Rostock und Papenburg sowie der Flugzeugbauer Airbus und Zulieferer in Bremen und Hamburg.

Die hohe Beteiligung an den Warnstreiks zeige, dass die Beschäftigten "hinter unserer Forderung stehen" und bereit seien, "mit aller Kraft dafür zu kämpfen", erklärte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Jetzt sei es an den Arbeitgebern, "dieses Signal zu verstehen und eine deutliche Schippe draufzulegen". Wenn die Arbeitgeber diese Bereitschaft zeigten, könnten die Verhandlungen am Montag fortgesetzt werden, erklärte Hofmann.

Zurück an den Verhandlungstisch wollen auch die Arbeitgeber. "Wir wollen diesen Konflikt lösen", sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Warnstreiks der IG Metall seien aus Sicht der Arbeitgeber "unnötig" und beschädigten zudem das Lieferantenverhältnis mit ausländischen Unternehmen, kritisierte Dulger.

Die Forderung der IG Metall zu den Arbeitszeiten passe "politisch überhaupt nicht in die Zeit", fügte der Gesamtmetall-Präsident hinzu. Dadurch drohe der Fachkräftemangel weiter verschärft zu werden. Er habe "größtes Verständnis", wenn Beschäftigte aus privaten Gründen wie etwa der Pflege von Angehörigen nur 28 Stunden arbeiten wollten oder könnten. Ein Lohnausgleich hierfür sei aber "ungerecht", bekräftigte Dulger die Position der Arbeitgeber. "Wir können einer solchen Forderung nicht zustimmen."

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) warnte unterdessen, die deutsche Wirtschaft sei trotz boomender Konjunktur störanfällig. Produktion und Lieferketten seien vielfach stark verzahnt und könnten deshalb bereits durch kleinste Beeinträchtigungen aus dem Takt geraten, erklärte BME-Hauptgeschäftsführer Silvius Grobosch. Wenn die jetzt begonnenen 24-Stunden-Streiks längere Zeit anhielten seien "ernste Folgen absehbar".

Weitere Arbeitskämpfe kündigte aber auch der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, an: "Die Arbeitszeit ist für viele Beschäftigte heute ein genauso wichtiges Thema wie der Lohn", sagte Hoffmann dem "Spiegel". Dem Metallkonflikt komme deshalb "Signalcharakter" zu.

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.
 

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Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

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Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

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Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker