IfW-Gutachten: Deutscher Leistungsbilanzüberschuss bleibt lange hoch

Berlin (APA/Reuters) - Die deutschen Exportüberschüsse bleiben einer Studie zufolge auf absehbare Zeit sehr hoch. "Eine vielerorts geforderte schuldenfinanzierte Erhöhung der öffentlichen Ausgaben hätte ebenso nur einen begrenzten Effekt wie nicht gegenfinanzierte Steuersenkungen", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Gutachten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Darin spielen die Forscher acht Szenarien durch: Mit keinem ließe sich der Überschuss - der 2015 und 2016 bei mehr als acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) lag - dauerhaft unter die von der EU-Kommission vorgesehene Höchstmarke von sechs Prozent senken.

"Wollte man den deutschen Leistungsbilanzsaldo mit einer einzelnen Maßnahme bis 2021 unter den von der EU-Kommission geforderten Zielwert drücken, wären Schulden und Steuererleichterungen in unrealistischer Größenordnung nötig", sagte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. "Die öffentlichen Investitionen beispielsweise müssten schuldenfinanziert um jährlich etwa 90 Milliarden Euro erhöht werden, ein Anstieg um 150 Prozent." Das würde eine Schuldenaufnahme von drei Prozent des BIP nötig machen.

Ein Maßnahmenbündel "mit etwas realitätsnäherer Ausgestaltung" könnte den Überschuss bis 2021 um gut einen Prozentpunkt reduzieren. Dazu müssten die öffentlichen Investitionen schuldenfinanziert um 15 Mrd. Euro jährlich erhöht und die Unternehmenssteuern in einem Volumen von ebenfalls 15 Mrd. Euro gesenkt werden. "Somit wären jährlich rund 30 Milliarden Euro neue Schulden nötig", so die Gutachter. Außerdem müssten Liberalisierungen im Dienstleistungshandel umgesetzt werden.

Handelsliberalisierungen und Maßnahmen außerhalb des direkten Einflussbereiches der deutschen Politik - etwa eine Erhöhung der deutschen Löhne in Deutschland, eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank oder eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit anderer EU-Mitgliedsländer - könnten den Leistungsbilanzsaldo nicht spürbar reduzieren. Er könne dann sogar steigen. Würde die Gewerbesteuer abgeschafft und die Körperschaftsteuer halbiert, könnte der Überschuss um zwei Punkte gedrückt werden. Allerdings sei das politisch wohl kaum durchsetzbar, sagte Kooths.

Die enormen Überschüsse entstehen, weil Deutschland weit mehr exportiert als importiert. EU-Kommission und Internationaler Währungsfonds halten das für problematisch: Länder mit enormen Überschüssen tragen dazu bei, dass andere Staaten sich hoch verschulden, weil sie ihre Importe finanzieren müssen. Sie fordern daher, dass Deutschland die Binnennachfrage stärkt, dadurch mehr importiert und so die Überschüsse reduziert.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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