Hoffnung auf neue EZB-Hilfen stützt Europas Börsen

(Reuters) - Spekulationen auf weitere EZB-Geldspritzen für die schwächelnde Konjunktur haben die europäischen Börsen am Mittwoch gestützt. Genährt wurden sie vom enttäuschenden Ifo-Index und dem erneuten Bekenntnis der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer lockeren Geldpolitik. Der Dax legte um 0,3 Prozent auf 9623 Punkte zu. Der EuroStoxx50 gewann sogar 0,6 Prozent auf 3225 Zähler.

Der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Unternehmen widerspiegelt, fiel im September überraschend stark auf 104,7 Punkte von 106,3 Zählern im Vormonat. Von Reuters befragte Analysten hatten 105,7 Punkte erwartet. Die Daten erhöhten den Druck auf die Verantwortlichen, sich des Themas Konjunkturschwäche anzunehmen, betonte Rabobank-Anlagestratege Lyn Graham-Taylor. Der Euro, der unmittelbar vor Bekanntgabe des Ifo-Index bei 1,2859 Dollar notiert hatte, fiel auf 1,2825 Dollar.


EZB-Chef Mario Draghi bekräftigte am Morgen in einem Radio-Interview, dass die Zinsen in der Euro-Zone für längere Zeit niedrig bleiben werden. Außerdem werde die Notenbank bei Bedarf alle Mittel ausschöpfen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Angesichts der Konjunktursorgen um Europa sei dies eine gut zeitlich gut abgestimmte Erinnerung zu sein, dass die EZB mit Liquidität bereitsteht, sagte Andreas Paciorek, Marktanalyst vom Brokerhaus CMC Markets.

GEWINNWARNUNGEN DER KONKURRENZ DRÜCKEN POST UND SGL CARBON

Zu den größten Verlierern im Dax zählte die Deutsche Post mit einem Minus von 0,5 Prozent. Der niederländische Paketdienst TNT Express hatte vor einem Rückgang der Gewinnmargen gewarnt. Dies drückte die TNT-Aktien an der Amsterdamer Börse um bis zu zwölf Prozent ins Minus auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 4,95 Euro. Großaktionär PostNL rutschte um 2,5 Prozent ab. An der Londoner Börse büßten Royal Mail 2,4 Prozent ein.


Auch SGL Carbon litten unter einem pessimistischen Ausblick der Konkurrenz. Der Grafitelektroden-Hersteller GrafTech aus den USA hatte am Vorabend sein Ziel für den operativen Gewinn 2014 gesenkt. Das Unternehmen begründete die Korrektur mit der gesunkenen Nachfrage nach Grafitelektroden, vor allem aus dem Ausland. SGL-Titel fielen daraufhin um bis zu 8,7 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 18,50 Euro. GrafTech brachen im vorbörslichen US-Geschäft um 16 Prozent ein.

Schlusslicht der ersten deutschen Börsenliga war allerdings K+S. Eine Studie der US-Bank JPMorgan drückte die Titel des Düngemittelherstellers 3,3 Prozent ins Minus. Die steigende Produktion des belgischen Konkurrenten Tessenderlo werde auf die Preise drücken, warnten die Experten. Dann seien auch die Marktanteile der Nordhessen in Gefahr.

Siemens liefert den ÖBB zur Verwendung ab 2022 neue Züge. Der Rahmenvertrag dazu war im Juli bekanntgeworden, nun sind alle Einspruchsfristen abgelaufen und der Deal ist fixiert. Bis zu 700 Waggons für die Personenbeförderung im Wert von bis zu 1,5 Mrd. Euro können die ÖBB in dem Vertrag abrufen. Gebaut werden die Wagen im Siemens-Werk in Wien.
 

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Neue Siemens Züge für ÖBB ab 2022 in Betrieb

Eine schwache Nachfrage nach Graphikkarten für die Erzeugung von Kryptowährungen wie Bitcoin stimmt den US-Konzern Nvidia vorsichtig. Der Umsatz im laufenden Quartal werde wohl bei 3,25 Mrd. Dollar (2,9 Mrd. Euro), plus/minus zwei Prozent, und damit unter den von Analysten im Schnitt geschätzten 3,34 Milliarden liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
 

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Chiphersteller Nvidia steigerte Umsatz

Mehr als 1.000 Mitarbeiter von Google haben in einem Brief Bedenken gegen die Rückkehr des Suchmaschinen-Giganten nach China angemeldet. Die zensierte Suchmaschine mit dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte das US-Portal "The Intercept" am Donnerstag aus dem Schreiben an die Konzernführung, in dem auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert werden.
 

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Protestbrief: Mitarbeiter von Google hinterfragen China-Pläne