Handels-KV - Mehr Geld und Urlaub gefordert

Wien - Nach zwei Jahren Pause geht heute das Feilschen um einen neuen Kollektivvertrag für die über 500.000 Beschäftigten im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel wieder los. Die Gewerkschaft will für die Angestellten ein deutliches Gehaltsplus, die 6. Urlaubswoche für alle sowie die volle Anrechnung der Karenzzeiten bei Gehaltsvorrückungen, Jubiläumsgeldern, der Urlaubsanrechnung sowie Kündigungsfristen herausschlagen.

Eine klare Absage kommt bereits vor Verhandlungsbeginn von den Arbeitgebern punkto sechster Urlaubswoche. "Das kann sich der Handel sowieso nicht leisten und ist für uns im Grunde kein Thema", sagte Chefverhandler und Handelsobmann Peter Buchmüller zur APA.

Die Forderung nach einer 6. Urlaubswoche wirbelte in den vergangenen Wochen gehörig Staub auf. Auch bei den bereits laufenden Metaller-Kollektivvertragsverhandlungen wollen die Gewerkschaften die 6. Urlaubswoche für alle, die Arbeitgeber nicht. Unterstützung für die Arbeitgeber kam dann sogar von Wirtschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), der diesem Wunsch eine Absage erteilte.

Momentan kommen Beschäftigte nur dann in den Genuss von sechs Wochen Urlaub im Jahr, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten. Geschätzt wird, dass derzeit etwa jeder zehnte Arbeitnehmer die 6. Urlaubswoche hat.

Was die volle Anrechnung der Karenzzeiten betrifft sieht Arbeitgeberchef Buchmüller ebenfalls keinen Spielraum. Man habe sich erst vor drei Jahren geeinigt, für das erste Kind zehn Monate anzurechnen. "Ich bin nicht bereit, schon wieder über dieses Thema zu reden." Der Gewerkschaft ist das aber ein besonderes Anliegen, da sie darin einen der Hauptursachen für die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen begründet sieht, zumal Frauen während der Karenz um Gehaltssprünge fielen.

Geht es nach Buchmüller, soll heute ab 13 Uhr in der Wirtschaftskammer nur übers Geld geredet werden und gar nicht über rahmenrechtliche Themen. Er wolle beim Rahmenrecht keine "Husch-husch-Aktionen", das gehöre ausgelagert in eigene Arbeitsgruppen. Die Sozialpartner im Handel treffen sich seit fast zwei Jahren regelmäßig, um den komplizierten Handels-Kollektivvertrag zu entrümpeln. Das Ergebnis soll 2017 stehen.

Was das potenzielle Gehaltsplus betrifft, liegen die Ansichten zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern freilich weit auseinander. Während die Gewerkschaft ein deutliches Plus über der Inflationsrate fordert, sehen die Arbeitgeber kaum Luft nach oben. Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen sei nicht so rosig wie man sich das vorstelle, meinte Buchmüller. Gewerkschafter Manfred Wolf entgegnete, dass die Firmen im ersten Halbjahr 2015 sogar reale Umsatzzuwächse erzielten. Für Buchmüller noch lange kein Grund, "dass wir juhu schreien müssen", wie er sagte. Knapp die Hälfte der Betriebe bilanziere nicht positiv.

Für die Bewertung des Gehaltsabschlusses wird die Inflationsrate von Oktober 2014 bis September 2015 herangezogen. Buchmüller sieht diese bei 1,06 Prozent. Welche Rate nun tatsächlich herangezogen wird, darauf einigen sich die Sozialpartner üblicherweise in der ersten Verhandlungsrunde. Die Gewerkschaft will eine Anhebung des kollektivvertraglichen Mindestlohns auf 1.700 Euro brutto im Monat erreichen. Derzeit macht der KV-Mindestlohn 1.500 Euro aus.

Der Handels-Kollektivvertrag wird für 286.000 Beschäftigte im Einzelhandel, 178.000 im Großhandel und 67.000 Personen im Kfz-Handel abgeschlossen und gilt ab Jänner 2016. Im Jahr 2013 einigten sich die Sozialpartner auf einen Doppelabschluss für 2014 und 2015, um sich Zeit für die Reform des Kollektivvertrags nehmen zu können. 2014 bekamen die Beschäftigten bis zu 2,55 Prozent mehr, heuer waren es 2,1 Prozent.

Karlsruhe (APA/dpa) - Der deutsche Stromkonzern EnBW will verstärkt Infrastrukturleistungen über den Energiebereich hinaus anbieten und geht davon aus, dass konventionelle Kraftwerke künftig nur noch wenig zum Ergebnis beitragen.
 

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EnBW will weg von Kohle und mehr in E-Mobilität investieren

Brüssel (APA) - In Österreich liegt die durchschnittliche Lebensarbeitszeit, die Menschen im Beruf verbringen, etwas höher als in der EU. Sie betrug 2016 in Österreich 37,1 Jahre, EU-weit hingegen 35,6 Jahre. Die Dauer des Arbeitslebens ist am längsten in Schweden mit 41,3 Jahren, gefolgt von Dänemark (40,3), den Niederlanden (40,0), Großbritannien (38,8), Deutschland (38,1), Estland (37,8) und Finnland (37,7).
 

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Berufsdauer in Österreich über dem EU-Durchschnitt

Wien (APA) - Die heimische Kinobranche sorgte 2015 für eine Bruttowertschöpfung von insgesamt 227 Mio. Euro im Inland. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zur ökonomischen Bedeutung des Sektors, die am Dienstagabend in der Wirtschaftskammer präsentiert wurde. Das Steuer- und Abgabenaufkommen betrug dabei 86 Mio. Euro.
 

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Heimische Kinobranche bringt Bruttowertschöpfung von 227 Mllionen Euro