Gulliver's Reisen - Masseverwalterin: Rascher Verkauf war notwendig

Das insolvente Reisebüro Gulliver's, das am 5. November Konkurs beantragte und zwei Wochen später von Papageno Touristik übernommen wurde, ist zum Zankapfel geworden. Die nicht zum Zug gekommenen Bieter Columbus und Mondial monieren laut "Kurier" dürftige Daten und Zeitdruck beim Verkauf. "Es gab nur einen raschen Verkauf oder gar keinen", sagte Masseverwalterin Ulla Reisch am Freitag zur APA.

"Wir haben ein Unternehmen vorgefunden mit 30.000 Euro am Konto und 400.000 bis 500.000 Euro Ausgaben monatlich", erklärte die Juristin. Die Firma Columbus sei einer von vielen Interessenten gewesen und wollte eine lange Due Diligence - manche andere Bieter hätten Vorinformationen gehabt, da es bereits im Vorfeld der Insolvenz Verkaufsbemühungen vonseiten der Eigentümer gegeben hatte. "Von uns haben alle die gleichen Daten bekommen", betonte die Masseverwalterin.

"Als Erstes war der Verkauf wichtig, um den Schaden für die Kunden zu minimieren", so Reisch weiter. Nächster Schritt sei die Gläubigerausschusssitzung in knapp zwei Wochen (21. Jänner). "Wir werden einen Sachverständigen für die Prüfung der Buchhaltung in Richtung Untreuethemen nominieren", kündigte die Juristin an.

Dieser soll dann die Geschäftsführung und die Verrechnungskonten unter die Lupe nehmen, um festzustellen, "ob unzulässige Leistungen erfolgt sind und ob Anfechtungsansprüche gegenüber den finanzierenden Banken und dem Wirtschaftsprüfer bestehen". Erste Ergebnisse dürften laut Reisch dann drei bis vier Monate später vorliegen. "Frühestens dann kann man weitere rechtliche Schritte einleiten."

Die Anmeldefrist für Insolvenzforderungen endete Mitte dieser Woche (7. Jänner). Über die Summe konnte die Masseverwalterin noch keine Angaben machen: "Ich habe jetzt 150 angemeldete Forderungen, ebenso viele sind noch auf dem Postweg."

Gulliver's Reisen betrieb in Österreich 18 Büros mit 74 Mitarbeitern. Zum Zeitpunkt der Insolvenz im November beliefen sich die Gesamtpassiva auf 31 Mio. Euro, die Aktiva waren nicht bekannt. Von der Pleite sind laut früheren Angaben von Kreditschutzverbänden rund 430 Gläubiger betroffen. Die Gesamtverbindlichkeiten beliefen sich laut AKV auf 5 Mio. Euro - 2,8 Mio. Euro davon waren Bankverbindlichkeiten.