Große Nachfrage nach erstem Elektro-Porsche

Frankfurt/Stuttgart (APA/Reuters) - Die Nachfrage nach dem ersten Elektro-Porsche entwickelt sich besser als gedacht. Vertriebschef Detlev von Platen rechnet mit einem höheren Absatz des Mission E, der 2019 auf den Markt kommen soll. "Die positive Resonanz auf den Mission E stimmt uns sehr optimistisch", sagte er in einem am Freitag veröffentlichten Reuters-Interview.

Ursprünglich sei mit einer Jahresproduktion von 20.000 Einheiten kalkuliert worden. "Aber wir prüfen schon heute, ob wir die Produktionskapazitäten aufgrund der sehr guten Resonanz erhöhen können." China werde ein wichtiger Markt für die viertürige Sportlimousine werden, da die Regierung in Peking Elektromobilität in den Städten vorantreibe. Aber auch in den USA sieht von Platen Potenzial trotz der bisherigen Dominanz des Elektroautovorreiters Tesla.

Bestellungen sind noch nicht möglich, aber Porsche nimmt schon Reservierungen für den Mission E an. Eine Zahl dazu wollte der Vertriebschef nicht nennen. Die profitabelste Volkswagen-Tochter plant zudem weitere Stromautos, etwa im Segment sportlicher kompakter SUV. Die Entscheidung, ob das absatzstärkste Modell, der SUV Macan, ab der nächsten Generation rein elektrisch wird, falle in den kommenden Monaten, erklärte von Platen. Zudem entwickele sich der Absatz von Modellen mit Hybridmotoren unerwartet gut. "Wir sind sehr positiv überrascht, wie stark sich gerade unsere Plug-In-Modelle entwickeln", sagte von Platen. "In Europa wurden seit der Markteinführung rund 60 Prozent aller Fahrzeuge der Panamera-Baureihe mit Hybridantrieb ausgeliefert", ergänzte er.

Porsche stellt entsprechend der VW-Konzernstrategie sein Portfolio mit Macht auf elektrifizierte Antriebe um, wenngleich "puristische" Sportwagen mit PS-starken Verbrennungsmotoren nach Einschätzung des Vertriebschefs noch lange gefragt sein werden. Das Unternehmen erklärte kürzlich, die Investitionen in Elektroautos und Hybridmodelle bis 2022 auf sechs Milliarden Euro zu verdoppeln. Eine halbe Milliarde soll in die Entwicklung von Varianten des Mission E fließen.

Die Umstellung ist auch wichtig, um die künftig schärferen Grenzwerte für Kohlendioxid (CO2) in Europa einzuhalten, denn der im Vergleich zu Benzinern spritsparsamere Diesel hat durch den VW-Abgasskandal ein schweres Imageproblem. Auch Porsche bekommt die Dieselkrise nach Rückrufen wegen manipulierter Abgasreinigung der Modelle Macan und Cayenne zu spüren. "Insgesamt stellen wir fest, dass in Deutschland die Nachfrage nach Dieselmodellen bei unseren Fahrzeugen gesunken ist", sagte von Platen. Deutschland ist Porsches einziger großer Markt mit einem Rückgang der Verkaufszahlen 2017, während der Jahresabsatz weltweit um vier Prozent auf gut 246.000 Fahrzeuge stieg.

Zum Cayenne mit V8-Motor und dem Panamera liefen noch die Abstimmungen mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) über einen Rückruf, erklärte von Platen. Überall kamen von der Konzernschwester Audi entwickelte Motoren zum Einsatz, die per Softwaresteuerung nur auf dem Prüfstand so wenig Stickoxid emittierten wie vorgeschrieben.

Zuletzt wurde die vom VW-Abgasskandal 2015 ausgelöste Kritik an der Umweltbelastung durch Diesel-Motoren von den Enthüllungen über fragwürdige Abgasversuche mit Affen in den USA und Menschen in Deutschland neu entfacht. Der Porsche-Manager sorgt sich, dass die Öffentlichkeit über aller Empörung aus dem Blick verliert, wie wichtig die Autoindustrie für die Wirtschaft Deutschland ist. "Natürlich muss das Thema Diesel sorgfältig aufgearbeitet werden. Und wir tragen unseren Teil dazu bei", sagte von Platen. "Zu bedenken ist aber auch, dass die Automobilindustrie einen relevanten Teil der deutschen Wirtschaft darstellt." Die Branche könne nur Glaubwürdigkeit und Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, wenn Klartext geredet werde. "Wichtig ist, dass man die Themen klärt und in Abstimmung mit dem KBA behebt." Bisher sei die Lösung über Software-Updates von der Behörde als ausreichend anerkannt.

Über Hardware-Nachrüstungen, die die neue deutsche Regierung anstrebt, insofern sie "technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar" sind, wollte sich von Platen nicht äußern. Der Branchenverband VDA lehnt die Ausrüstung älterer Diesel-Autos mit Katalysatoren und Harnstofftanks ab, da der technische Aufwand zu groß und die Kosten zu hoch seien.

Wien/Lissabon (APA) - Noch heuer könnte es auf EU-Ebene eine Grundlage für die Besteuerung digitaler Betriebsstätten - und damit international tätiger Konzerne wie Amazon ohne Sitz in allen Ländern - geben, ist Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) nach seinem Gespräch mit Eurogruppen-Vorsitzenden Mario Centeno zuversichtlich. In dieser Frage sei man auf einer Linie. Die EU-Kommission arbeite an einer Definition.
 

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Löger hofft noch heuer auf EU-Bestimmung zu digitaler Betriebsstätte

Cupertino (Kalifornien) (APA/dpa) - Im französischen Rechtsstreit um Demonstrationen in Läden des US-Technologiekonzerns Apple haben sich Globalisierungsgegner des Netzwerkes Attac nach eigener Einschätzung durchgesetzt. Ein Gericht in Paris wies am Freitag das Ansinnen des US-Konzerns ab, Attac-Mitgliedern unter einer Strafandrohung von 150.000 Euro Aktionen in den französischen Geschäften zu verbieten.
 

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Kein Hausverbot für Globalisierungsgegner in Apple-Läden

Moskau (APA/dpa) - Der russische Milliardär Oleg Deripaska (50) gibt die Führung beim Aluminiumhersteller Rusal und dessen Mutter En+ ab. Hintergrund ist ein Machtkampf um den wichtigen Konzern Norilsk Nickel. Rusal kündigte am Freitag bei der Vorlage des Jahresberichts 2017 an, das Unternehmen wolle mit der Holding Interros des Oligarchen Wladimir Potanin um die Kontrolle über den Nickelproduzenten streiten.
 

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Oligarch Deripaska gibt Führung beim Aluminiumriesen Rusal ab