Griechenland-Wahl - Deutsche Banken haben 23,5 Mrd. Euro im Feuer

Athen (APA/Reuters) - Der deutliche Wahlsieg des reformkritischen Linksbündnisses Syriza in Griechenland macht zwar die Aktionäre deutscher Banken nervös. Die Institute sind in dem südeuropäischen Schuldenstaat aber nur noch in begrenztem Maße engagiert. Im vergangenen September - neuere Zahlen gibt es nicht - hatten sie dort insgesamt knapp 23,5 Mrd. Euro im Feuer, wie aus Daten des BdB hervorgeht.

Davon entfallen rund 4,6 Mrd. Euro auf Banken und 3,6 Mrd. Euro auf Unternehmen und Privatpersonen, zeigen Daten des Bundesverbandes deutscher Banken. Der größte Teil - gut 15 Mrd. Euro - sind Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten, die fast ausschließlich von der staatlichen Förderbank KfW gehalten werden. Dabei handelte es sich um Kredite der KfW aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland, für die der Bund in voller Höhe bürgt.

Die Deutsche Bank war nach eigenen Angaben in Griechenland zuletzt noch mit knapp 300 Mio. Euro engagiert, die Commerzbank mit knapp 400 Mio. Euro. Nach einer Analystenstudie von JP Morgan sind die hiesigen Geldhäuser damit neben den französischen Banken zwar die größten Gläubiger. Trotzdem gaben die Experten Entwarnung: Bei einem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone ("Grexit") seien die Folgen für die Finanzinstitute angesichts der geringen Summen begrenzt, schrieb Analyst Kian Abouhossein unlängst. "Das Hauptrisiko besteht weiter in der Ansteckungsgefahr für die Peripherie-Staaten." Das gelte insbesondere für Italien.

Über einen "Grexit" wird indes kaum mehr gesprochen. Syriza-Chef Alexis Tsipras hatte vor der Wahl angekündigt, das von der Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit 240 Mrd. Euro vor der Pleite gerettete Land in der Eurozone halten zu wollen. Vereinbarte Reform-Auflagen will er aber kippen. Zudem forderte er einen Schulden-Nachlass. Wieviel Tsipras am Ende tatsächlich umsetzt, ist offen: Weil er die absolute Mehrheit am Sonntagabend knapp verfehlte, muss er eine Koalition bilden.

BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer erklärte am Montag, es sei "eine Illusion" anzunehmen, ein neuerlicher Schuldenschnitt sei der Königsweg. "Im Gegenteil: Ohne eine konsequente Reformpolitik steht Griechenland nach einer kurzen Verschnaufpause in wenigen Jahren wieder vor der gleichen schwierigen Lage." Ähnlich kritisch äußerte sich Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). "Zu einer Umschuldung der griechischen Staatsschuld besteht aufgrund der sehr günstigen Kreditkonditionen ohnehin kein Anlass", erklärte er.

Als einziges größeres deutsches Unternehmen aus der Realwirtschaft ist noch die Deutsche Telekom in Griechenland engagiert: Sie kontrolliert mit OTE den größten Telefonkonzern im Land. Die Bonner waren 2008 eingestiegen und haben für 4,2 Mrd. Euro einen Anteil von 40 Prozent aufgebaut. Über OTE wollte die Telekom am damals starken Wachstum der Länder Südosteuropas teilhaben - die Griechen sind auch in Rumänien und Albanien aktiv. Aufgegangen sind die Pläne wegen der schweren Wirtschaftskrise in der Region nicht. Bisher mussten die Bonner 2,6 Mrd. Euro auf OTE abschreiben. Nicht nur die tiefe Rezession, sondern auch die harte Regulierung und die hohen Löhne bei OTE sorgen dafür, dass die Firma lange Zeit eine der größten Baustellen im Konzern war. Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt: OTE hat nach einer Rosskur die Gehälter deutlich gesenkt und durch den Verkauf von Töchtern den Schuldenberg verkleinert. "OTE ist für die nächsten Jahre durchfinanziert", sagte ein Telekom-Sprecher. Der Wahlsieg von Syriza verunsicherte Anleger jedoch: Die OTE-Titel fielen um bis zu 12,4 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 7,92 Euro.

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

Bonität

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Wirtschaft

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

Newsticker

Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte