Griechen streiken gegen Sparpolitik

Athen (APA/dpa) - Streiks gegen das Spardiktat und Demonstrationen für etwas mehr Geld: Viele Griechen mobilisieren sich für ihre Interessen. Doch die Realität ist anders. Der Gürtel müsse eng geschnallt bleiben, sagen die Gläubiger des Landes.

Aus Protest gegen die harte Sparpolitik sind viele Griechen am Mittwoch in den Streik getreten. Probleme gab es im Fähr-, Nah- und Luftverkehr. Die öffentliche Verwaltung und Schulen blieben geschlossen. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandelten nur Notfälle.

Weil auch Journalisten die Arbeit niederlegten, fielen die Nachrichten im Rundfunk und Fernsehen aus. Wer sich über die Ereignisse in der Welt informieren wollte, musste auf griechisch-zyprische oder fremdsprachige Sender umschalten.

Um die Mittagszeit gingen nach Polizeischätzungen rund 8.000 Menschen im Zentrum Athens auf die Straße. "Keine Lohnkürzungen, keine Entlassungen, Sklaven im 21. Jahrhundert werden wir nicht", hieß es auf Transparenten, die die Demonstranten in Athen trugen.

Die Proteste verliefen weitgehend ruhig. Nur in einem Fall setzte die Polizei Tränengas ein, um eine Gruppe von rund 200 Demonstranten daran zu hindern, die Büros des Verbandes der griechischen Industrien im Zentrum Athens zu erreichen. Das berichtete ein dpa-Reporter vor Ort.

"Wir protestieren gegen die Austerität (strenge Sparpolitik, Anm.), die hohe Besteuerung und die Arbeitslosigkeit", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der größten Gewerkschaftsverbände des privaten und staatlichen Bereichs, GSEE und ADEDY. Die Griechen haben Schätzungen zufolge infolge der Finanzkrise seit 2010 mehr als ein Viertel ihres Einkommens verloren.

Weil die Fluglotsen zwischen 10.00 Uhr und 13.00 Uhr Ortszeit ihre Arbeit niederlegten, fielen einige Flüge aus. Andere mussten zeitlich versetzt werden. Gestrandete Touristen gab es jedoch nicht. Die Fluggesellschaften hatten die meisten Passagiere bereits am Vortag über die Änderungen informiert.

Auch die Seeleute streikten. Alle Fähren blieben am Mittwoch im Hafen von Piräus. Auch im Ionischen Meer wurden die Fähren bestreikt, wie die Küstenwache mitteilte. Viele Inseln ohne Flughafen blieben damit von der Außenwelt abgeschnitten. Für 24 Stunden wurden auch die Züge bestreikt.

Die Regierung unter dem linken Premier Alexis Tsipras zeigte Verständnis für die Empörung der Bürger, rief sie aber zur Geduld auf. Der Ausweg aus der Finanzkrise werde noch dauern und die Verbesserung werde stufenweise und nicht von heute auf morgen kommen, hatte Tsipras am Vortag im Fernsehen gesagt.

Das dritte Hilfspaket der internationalen Geldgeber für Griechenland seit 2010 in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro läuft im August 2018 aus. Athen hofft, bis dahin das nötige Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewonnen zu haben, um sich wieder eigenständig Kapital am Markt beschaffen zu können.

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