Grasser-Prozess - Telefonprotokoll: Plech fürchtete sich vor U-Haft

Wien/Linz (APA) - Am 37. Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und andere wurden heute erstmals Abhörprotokolle der Ermittlungsbehörden vorgespielt. Bekannt wurden diese unter anderem durch Lesungen im Audimax der Uni Wien, legendär ist seitdem die Frage des mitangeklagten Grasser-Trauzeugen Walter Meischberger, "wo woa mei Leistung".

Bei den heute vorgespielten Gesprächen zwischen Meischberger und dem mitangeklagten früheren Immobilienmakler Ernst Karl Plech, der sich zu diesem Zeitpunkt in Australien aufhielt, wirkte Plech sehr verunsichert. Nachdem er durch einen Zeitungsbericht erfahren hatte, dass er von der Justiz als Beschuldigter geführt wird, fürchtete er, in Untersuchungshaft genommen zu werden. Und auch Meischberger machte klar, dass die ganze Angelegenheit strafrechtlich heikel werden könnte.

Meischberger versuchte Plech trotzdem zu beruhigen und meinte, die ganze Angelegenheit werde von den Medien gewaltig aufgeblasen, man versuche Geschichten zu konstruieren, die sich gut verkaufen lassen. Wirklich beruhigen ließ sich Plech trotzdem nicht, wie Meischberger heute gegenüber Richterin Marion Hohenecker sagte.

Plech erklärte bei dem Telefonat, er hätte lieber den späteren Justizminister Wolfgang Brandstätter als Verteidiger, Meischberger empfahl ihm aber, jetzt nicht die Pferde zu wechseln und seinen, Meischbergers, Anwalt zu nehmen, bzw. einen Vertrauten dieses Anwalts. Abschließend hält Meischberger im Telefonat fest: "Wir halten zusammen und gehen durch."

Mehrmals ging es in den beiden Telefonaten zu Jahresbeginn 2010 auch um ein Treffen von Meischberger mit seinem Anwalt Gerald Toifl, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt - und Grasser, der laut Verteidigung mit der ganzen Causa nichts zu tun hat.

Plech ist seit einigen Wochen verhandlungsunfähig, er ist schwer erkrankt.

In einer Passage eines Telefonats zwischen Meischberger und Plech geht es offenbar um die 300.000 Euro, die Peter Hochegger zu viel von der Immofinanz erhalten hatte und nicht - wie vereinbart - mit Meischberger geteilt hatte. Meischberger meint, da müsse er jetzt eine Rechnung schreiben, "es ist nur die Frage, wie wir das machen". Plech erklärt: "Wir müssen uns das in Ruhe anschauen." Richterin Marion Hohenecker fragte nach, wer mit "wir" gemeint sei? "Wir ist ein allgemeiner Ausdruck, ich und das Team das sich darum kümmert", meinte Meischberger und sagte dann: "Immer, wenn ich mich meine, sage ich wir."

Verwirrung gab es um "Gasser" und "Grasser": Im Leistungsverzeichnis des - nun mitangeklagten - Anwalt Meischbergers sind Treffen mit "Grasser" und Treffen mit "KHG" notiert. Das sei ein Fehler seiner Sekretärin gewesen, denn mit "Grasser" sei nicht der ehemalige Finanzminister, sondern ein Herr Joe Gasser gemeint, ein Anwalt einer Kanzlei in Liechtenstein, sagte der mitangeklagte Anwalt heute. Auch in einem Telefonprotokoll habe Meischberger "Gasser" statt "Grasser" gesagt, es sei aber fälschlicherweise "Grasser" geschrieben worden, monierte Grassers Anwalt Manfred Ainedter.

Wie Grasser und Meischberger in einer Prozesspause sagten, seien von den Ermittlern insgesamt 3.600 Telefongespräche abgehört worden und 150 davon verschriftlicht.

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