Gras statt Wall Street - Finanzkrise befeuert Cannabis-Industrie

New York (APA/Reuters) - Die Finanzkrise bringt den Wendepunkt in der Karriere von Derek Peterson. Als Senior Vice President bei Morgan Stanley verwaltet er rund 120 Millionen Dollar (97,75 Mio. Euro) an Kundenvermögen. Um ihn herum verlieren Kollegen ihre Jobs und Ersparnisse und Peterson die Begeisterung für seinen Beruf.

Peterson frustet, dass der Aktienmarkt scheinbar eher durch Hochfrequenzhandel und Algorithmen als durch Fundamentaldaten angetrieben wird. Peterson macht sich auf die Suche nach einem Plan B und wird in San Francisco fündig. Dort stolpert er über die ersten legalen Marihuana-Apotheken. "Es gab Läden von der Größe eines Starbucks, die 15 Millionen Dollar im Jahr einbrachten, das ist absurd." Diese Geschäfte erzielten also einen Umsatz von über 43.000 Dollar pro Quadratmeter, mehr als jeder andere amerikanischen Einzelhändler - bis auf Apple.

"Ich fing an, mir das durch die Augen eines Finanzmannes anzuschauen und sah, dass dort vielleicht etwas im Gange ist", sagt Peterson. Ende 2010 kündigt er bei Morgan Stanley und wird 2012 Vorstandschef der kalifornischen Firma Terra Tech, die sich auf den Anbau von medizinischem Cannabis spezialisiert hat. Diese Branche floriert. In mehreren US-Bundesstaaten von Kalifornien bis Massachusetts ist Cannabis inzwischen legal. Treibende Kraft für die Expansion sind ehemalige Wall-Street-Banker wie eben Peterson, die die entsprechende Finanz-Expertise mitbringen.

Es gibt zwar nur wenige verlässliche Zahlen darüber, wie viele ehemalige Fachleute von der Wall Street nun in der Cannabis-Industrie arbeiten. Es wird aber erwartet, dass sich die Abwanderung angesichts des erwarteten Umsatzwachstums der Branche beschleunigen wird. Im vergangenen Jahr erzielten US-Gras-Unternehmen nach Schätzungen der Fachpublikation Marihuana Business Daily einen Umsatz von rund sechs Milliarden Dollar, nachdem es 2011 noch etwa eine Milliarde waren. Rund 250.000 Menschen arbeiten bereits in der Branche und sowohl Umsatz als auch die Zahl der Stellen dürften sich über die nächsten vier Jahre verdoppeln oder sogar verdreifachen. "Die Finanzkrise und die Stagnation zahlreicher Industrien in den USA in der Folgezeit haben viele dazu veranlasst, das als denkbare Karriere zu betrachten", sagt Chris Walsh, Chefredakteur bei Marihuana Business Daily.

Trotz der Wachstumsaussichten zögern aber auch noch viele Finanzfachleute. Denn einige Hürden gibt es für die Branche nach wie vor: Auf Bundesebene ist Cannabis in den USA immer noch illegal. Hier warte man auf klare Signale aus Washington, sagt Ruth Epstein, Partnerin bei der auf Cannabis-Unternehmen spezialisierten Beratung BPG Advisors. Sie selbst arbeitete fast zehn Jahre im Bereich Corporate Finance bei Goldman Sachs.

Morgan Paxhia ist Mitgründer des 25 Millionen Dollar schweren Hedgefonds Poseidon Asset Management, der sich ausschließlich auf die Cannabis-Industrie konzentriert. Während der Finanzkrise war er Händler bei UBS in New York - die Kündigung kam am 9. März 2009, dem Tag, an dem der amerikanische Aktienmarkt die Talsohle erreichte. "Wenn die Finanzkrise nie passiert wäre, hätten wir längst Banken in dieser Branche, aber sie werden diese Industrie nicht vorantreiben, weil sie zu ängstlich sind", sagt Paxhia.

Terra-Tech-Finanzchef Peterson erhält regelmäßig Anrufe von Mitarbeitern großer Banken und Investmentfirmen, die in die Branche einsteigen wollen. Das sei eine große Veränderung gegenüber seinen ersten Jahren, als die Branche noch weitgehend von Schwarzmarkt-Anbietern beherrscht wurde. "Als ich anfing, machte mich die Tatsache, dass ich an der Wall Street gearbeitet hatte, zu einem echten Außenseiter, bis hin zu dem Punkt, an dem man mich fragte: Bist du ein Drogenfahnder? In den letzten zwei Jahren haben wir einen enormen Zustrom von Menschen mit traditionellem Geschäftshintergrund gehabt."

Aylesbury (APA/AFP/Reuters/dpa) - Großbritannien und die USA haben sich nach Angaben von Premierministerin Theresa May darauf geeinigt, ein gemeinsames Freihandelsabkommen anzustreben. Beide Länder wollten unter anderem einen "Gold Standard" bei der Kooperation in Finanzdienstleistungen setzen, sagte May am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump auf dem Landsitz Chequers bei London.
 

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May: London und Washington wollen "ambitioniertes" Handelsabkommen

Madrid (APA/Reuters) - Auch an Spaniens Flughäfen müssen die Urlauber mitten in der Ferienzeit mit Streiks rechnen. Die größte Gewerkschaft des Landes rief am Freitag mehr als 60.000 Gepäckabfertiger und andere Airport-Mitarbeiter an allen spanischen Flughäfen dazu auf, Anfang August ihre Arbeit niederzulegen.
 

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Auch an Spaniens Flughäfen drohen Anfang August Streiks

Ryanair und Lufthansa im Clinch wegen Lauda-Flugzeuge

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