Gewinnwachstum chinesischer Firmen bricht im Handelsstreit ein

Shanghai (APA/Reuters) - Das Gewinnwachstum der chinesischen Unternehmen ist im Zuge des Handelsstreits mit den USA eingebrochen. Zwar sank ihre Verschuldung angesichts strengerer Kreditauflagen erstmals seit neun Jahren, doch stieg der Überschuss im dritten Quartal nur noch um durchschnittlich 3,9 Prozent, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Analyse von Reuters hervorgeht.

Dafür wurden die Bilanzen von 1.950 Unternehmen ausgewertet, die an den Börsen in Shanghai und Shenzhen notiert sind. In den zwei Jahren zuvor legten die Quartalsgewinne noch jeweils zwischen 20 und 55 Prozent zu. In der Finanzbranche allein schrumpften die Gewinne sogar um 52 Prozent - nicht zuletzt deshalb, weil die Kursrückgänge an den Aktienmärkten infolge des Handelskonfliktes den Wert ihrer Beteiligungen drückte.

Aber auch andere Branchen klagen. "Unsere Preise sind in diesem Jahr deutlich gefallen", erklärte etwa ein führender Manager des Solar-Unternehmens LONGi Green Energy Technology, der zu den Dutzenden Geschäftsführern gehört, die für die Analyse befragt wurden. Die Produkte für die Solarstrombranche seien zwischen 20 und 30 Prozent billiger geworden. Das habe zum Gewinneinbruch von 62 Prozent im Sommer beigetragen, betonte der LONGi-Manager. Der Umsatz der untersuchten Unternehmen wuchs im dritten Quartal nur noch um durchschnittlich 13,4 Prozent, nachdem es ein Jahr zuvor noch fast 22 Prozent waren.

"Die Nachfrage schwächt sich ab", sagte der in Hongkong ansässige Ratinganalyst Christopher Lee von S&P Global. "Zum einen, weil die Kredite nicht mehr so leicht erhältlich sind, zum anderen, weil sich die Stimmung durch den Handelszwist eintrübt." Die USA und China überziehen sich derzeit gegenseitig mit Strafzöllen in Milliardenhöhe. Präsident Donald Trump wirft der Volksrepublik unfaire Handelspraktiken vor. Der Handelskrieg bremst auch das Wachstum des Exportweltmeisters: Im dritten Quartal legte Bruttoinlandprodukt so schwach zu wie seit dem Jahr der weltweiten Finanzkrise 2009 nicht mehr.

Die chinesischen Firmen bauten im abgelaufenen Quartal unter dem Strich ihre Verbindlichkeiten ab. Insgesamt fielen sie um 1,6 Prozent auf rund zwölf Billionen Yuan (gut 1,5 Billionen Euro). Das war der erste Rückgang seit neun Jahren. Der leichte Zugang zu Krediten hat das Wachstum der chinesischen Unternehmen in den vergangenen Jahren befeuert, doch funkt die Regierung seit einiger Zeit aus Sorge vor einer Überschuldung dazwischen. Auch Ratingagenturen dringen auf einen Schuldenabbau. Die Finanzierung sei derzeit "knifflig", räumte etwa der Metallkonzern Shenzhen Zhongjin Lingnan Nonfemet ein. "Das Marktumfeld ist wirklich nicht gut", sagte ein Unternehmensvertreter. "Viele Unternehmen sind nicht in der Lage, im Rahmen der privaten Kapitalbeschaffung überhaupt erfolgreich Geld einzusammeln."

Ratingagenturen mahnen, das Kreditwachstum einzudämmen. Eine ungehemmte Vergabe von Darlehen gilt als Konjunkturrisiko, da dadurch die Gefahr von Zahlungsausfällen steigt, die Banken und schließlich die gesamte Wirtschaft ins Taumeln bringen könnten. Die Regierung in Peking versucht deshalb, die Kreditvergabe einzudämmen.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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