Generali Österreich plant neue Produkte und mehr Online für Kunden

Generali Österreich will weiter profitabel wachsen, den Vertrieb stärken, mit neuen Produkten aufwarten und die Kunden stärker online einbinden. Ein Internetverkauf von Polizzen sei derzeit aber nicht geplant, sagte Generaldirektor Alfred Leu am Mittwoch. Unterm Strich erzielte man 2015 mehr Gewinn. In Leben zahlt man teils hohe 3,25 Prozent Gesamtverzinsung, zeichnet aber keine Einmalerläge mehr.

Auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld habe die Lebensversicherung eine Chance, betonte Leu. Tod, Invalidität, Berufsunfähigkeit und die Langlebigkeit könne so abgedeckt werden, auch sei ein langfristiger Vermögensaufbau möglich. Mit der neuen Kombination aus klassischer Leben und Fondspolizze stoße man auf positive Resonanz. Für die Kapitalleben mit garantiestützender Gewinnbeteiligung zahlt man aktuell 3,25 Prozent p.a. auf den Veranlagungsteil, für die traditionelle KLV 3,0 Prozent.
In der Lebenssparte (ohne Einmalerläge) steigerte Generali in Österreich 2015 die Einnahmen um 3,0 Prozent auf 820 Mio. Euro, in der Krankenversicherung um 3,8 Prozent auf 259 Mio. Euro. In Schaden/Unfall wuchs man um 1,5 Prozent auf 1,363 Mrd. Euro, in der Reiseversicherung lag man durch den Wegfall der Slowakei-Niederlassung bei 58 (59) Mio. Euro. In Leben gegen laufende Prämie, in Schaden/Unfall sowie in Rechtsschutz und Haushalt/Eigenheim ist man die Nummer 1 in Österreich, insgesamt mit rund 15 Prozent Marktanteil der drittgrößte heimische Player.
In Summe nahm man mit 1,6 Mio. Kunden und 4.153 Mitarbeitern 2,638 (2,683) Mrd. Euro ein. Ins neue Jahr habe man den Schwung mitgenommen mit fast 5 Prozent Plus in der Krankensparte bis März und - wie im gesamten Vorjahr - 1,5 Prozent Anstieg in Schaden/Unfall, sagte CFO Klaus Wallner.
Die Combined Ratio - Kosten und Schäden gemessen an den Prämien - habe die Generali-Gruppe Österreich ein weiteres Mal verbessern können, um 1,8 Prozentpunkte auf 93,4 Prozent netto nach Rückversicherung, sagte Wallner im Bilanzpressegespräch. 2011 lag man noch bei 95,2 Prozent, seither konnte man laufend absenken. Dabei war Generali durch Naturereignisse (Unwetter) im Vorjahr mit 70 (nach 55) Mio. Euro netto stärker betroffen, dafür gab es weniger Großschäden.
Die Niedrigzinsumfeld erfordere in der Kapitalveranlagung natürlich eine Neuausrichtung. Am wichtigsten sei dabei die Sicherheit - mit einer noch annehmbaren Rendite. Deutsche Staatsanleihen mit Negativ-Rendite wie überhaupt Staatsbonds aus der Euro-Kernzone kaufe man nicht neu zu, "bis zu 10 Jahren Laufzeit sind wir ja schon fast durchgehend negativ". Dennoch entfallen im Portfolio (von 13,672 Mrd. Euro per Jahresende) 77 Prozent auf Anleihen/Darlehen, dabei 34 Prozentpunkte auf Government, 43 auf Corporate. Die Aktienquote (inkl. Alternative Investments) ist mit 7 Prozent recht hoch, auf fremdgenutzte Immobilien entfallen 11 Prozent.
Eine hohe Immobilienquote liefere Stabilität und attraktive Erträge, betonte der CFO - dennoch will man von Fall zu Fall veräußern, aber auch zukaufen. Ein dreistelliges Millionen-Ankaufsprogramm sehe den Erwerb von Immobilien im Inland, schwerpunktmäßig Wien, vor, aber auch im übrigen Europa - bis hin nach Asien, freilich indirekt, also über Fonds. Umgekehrt hat Triest auf Konzernebene ein noch nicht endgültig abgesegnetes Projekt laufen, im Zuge dessen auch Austro-Immos losgeschlagen werden könnten. Dabei spreche man aber nur über möglicherweise 80 bis 100 Mio. Euro an Verkaufserlösen bzw. Marktwerten, sagte Wallner: Sollte das Projekt zustande kommen, würde Generali Österreich "da Immobilien hineingeben, die wir ohnedies verkaufen würden". Von 1,539 Mrd. Euro Immo-Marktwerten Ende 2015 hat Generali Österreich lediglich 13 Prozent für Verkäufe vorgesehen. Man sei aber weit davon entfernt, die Edel-Immobilien im Portfolio zwecks Ergebnisverschönerung zu verkaufen.
Vor und nach Steuern hat Generali in Österreich 2015 mehr verdient. Hauptergebnistreiber seien profitables Prämienwachstum, ausgezeichnete technische Ergebnisse und striktes Kostenmanagement gewesen. Vor Steuern verdiente man 220 (214) Mio. Euro, um 2,8 Prozent mehr, nach Steuern waren es 171 (165) Mio. Euro, ein Zuwachs von 3,4 Prozent ebenfalls auf Like-for-Like-Basis (konsolidierte IFRS-Werte). Diese Zahlen fließen in den Triester Gruppen-Abschluss ein. Denn erstmals ließ man in Wien für 2015 keinen geprüften Konzernabschluss für Generali Österreich mehr erstellen, Aufwand und Nutzen seien unverhältnismäßig gewesen, so Wallner. Bis 2014 habe man - ein Jahrzehnt lang auf freiwilliger Basis - die früheren Usancen fortgeführt. Geprüfte Abschlüsse der Einzelgesellschaften gebe es natürlich noch.
Zum Thema Heta-Anleihen hofft Wallner auf eine außergerichtliche Lösung, "das wäre auch für das Land Kärnten und den Bund die beste Lösung. Ein jahrelanger Rechtsstreit hilft niemandem." Man habe nach wie vor ein Nominale von 30 Mio. Euro im Portfolio, das Ende 2015 mit rund 65 Prozent in der Bilanz gestanden sei und zum aktuellen Börsenkurswert bei 75 Prozent stehe. "Ich rechne, dass wir letztlich mehr zurückbekommen als wir jetzt an Buch- und Marktwert haben."
2016 setze Generali mit voller Kraft auf die Kunden und den Markt, sagte Generaldirektor Leu. Das bedeute einen weiteren Ausbau der Vertriebskraft, verbesserte Kundenkontakte, möglichst einfache Produkte ("Smart & Simple") sowie Offenheit für Innovationen. Das stehe im Einklang mit den neuen strategischen Eckpfeilern, die die Generali Group bis 2018 definiert habe, nachdem die Ende 2012 gesetzten Ziele früher erreicht worden seien. Auch die Versicherungsbranche sei stark durch den technologischen Fortschritt getrieben, dementsprechend müsse man die Vertriebskanäle weiter anpassen.
Für einen Online-Produktverkauf sei die Zeit aber noch nicht reif, die Produkte seien doch komplex. Auch in großen Märkten wie Deutschland oder Italien fahre nur ein kleines städtisches Segment darauf ab. Der österreichische Kunde sei "hybrid", informiere sich online, wolle aber auch den persönlichen Kontakt, so Leu. Seit heuer setze man zur Messung der Kundenzufriedenheit einen "Net Promoter Score" ein. Künftig werde man als neuen Kommunikationsweg 10.000 bis 20.000 Mails monatlich an die Kunden versenden. In der Schweiz, wo Leu bis 2015 für Generali tätig war, sei das sehr positiv aufgenommen worden, mit einer Antwort-Quote von 30 Prozent. Seit April ist man mit einem neuen Kundenportal online, das die Möglichkeit bietet, Auskünfte zu Polizzen zu beziehen, elektronisch Schadensmeldungen zu übermitteln, Adress- und Bankverbindungsänderungen durchzuführen und mit dem Kundenbetreuer zu kommunizieren.
Die Vertriebskraft stärken will Generali durch neue Tools zur Serviceoptimierung und Prozessvereinfachung - aber auch ein größeres Vertriebsnetz. Um die natürliche Fluktuation auszugleichen und um 30 bis 50 Mitarbeiter aufzustocken, müsse man jährlich 350 Personen für den Vertrieb rekrutieren, rechnete der CEO vor. Aktuell verfügt man mit 1.900 angestellten Kundenbetreuern, 135 Geschäftsstellen und 180 Konzernagenturen nach Eigenangaben über das dichteste Netz der heimischen Assekuranzbranche.
Ob Generali auch in Österreich - wie ab Juli in Deutschland - neue Polizzen anbietet, bei denen Kunden mit gesundheitsbewusster Lebensweise Rabatte oder Geschenke erhalten, lässt Leu noch offen. "Wir sind in der Evaluierungsphase. Wir werden uns die Erfahrungen in Deutschland ansehen." Frühestens 2017 könnte es auch in Österreich so weit sein. Im Nachbarland will Generali das "Vitality"-Programm zunächst Kunden anbieten, die eine Risiko-Lebens- oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen; später könnte auf die Krankensparte ausgeweitet werden, in der in Österreich aber Rabatte nicht erlaubt sind. Leu schweben eher Produkte speziell für ältere allein lebende Menschen vor, die sie beim Kontrollieren ihres Bewegungsmusters unterstützen um feststellen zu können "jetzt stimmt etwas nicht".

Frankfurt (APA/dpa) - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt die Politik davor, Fusionen in der deutschen Bankenbranche voranzutreiben. Er wäre "vorsichtig (...) damit, Zusammenschlüsse politisch zu forcieren. Sie müssen einer betriebswirtschaftlichen Logik folgen", sagte Weidmann dem "Handelsblatt". "Wir haben nicht die Erfahrung gemacht, dass staatliche Einmischung dabei nützlich ist."
 

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Bundesbank-Chef: Politik sollte Bankenfusionen nicht forcieren

London (APA/dpa) - Die Übernahmeschlacht um das britische Medien- und Telekommunikationsunternehmen Sky zwischen dem Murdoch-Konzern 21st Century Fox und US-Kabelkonzern Comcast soll per Auktion entschieden werden. Das teilte die britische Übernahmekommission am Donnerstag mit.
 

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Murdoch gegen Comcast: Auktion entscheidet Sky-Übernahmeschlacht

Frankfurt (APA/Reuters) - Tarifabschluss in der deutschen Chemiebranche: Die 580.000 Beschäftigten bekommen im Schnitt 4,6 Prozent mehr Lohn. Die Einigung sieht Entgeltsteigerungen von 3,6 Prozent vor, wie die Gewerkschaft IG BCE nach Abschluss der zweiten Bundesrunde der Verhandlungen am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das Urlaubsgeld für Vollzeitbeschäftigte soll auf 1.200 Euro verdoppelt werden.
 

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Deutsche Chemiebranche - Löhne steigen im Schnitt um 4,6 Prozent