Früherer IWF-Chef festgenommen: Der tiefe Sturz von "Wundermann" Rato

Madrid - Vor nicht allzu vielen Jahren wurde Rodrigo Rato noch als Vater des spanischen Wirtschaftswunders bejubelt und mit dem Posten des Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF) belohnt. Das war 2004. In den vergangenen Monaten aber ging es bergab: Der 66-Jährige galt als Verkörperung der grassierenden Korruption in der viertgrößten Volkswirtschaft der Europäischen Union (EU).

Vorläufiger Höhepunkt: Am Donnerstagabend wurde ein finster dreinblickender Rato vor seiner Wohnung im Madrider Nobelviertel Salamanca festgenommen. "Unverschämter Kerl", schimpften Passanten. Die rechtsliberale Zeitung "El Mundo" bezeichnete ihn als "Schwindler".

Solch ein tiefer Fall war im Leben Ratos nicht vorgesehen, der Sohn eines reichen Unternehmers war auf Erfolg programmiert. Schon als junger Mann besaß er Beteiligungen an rund 20 Firmen, daheim studierte er Jus, in Kalifornien Betriebswirtschaft. In den 1980er-Jahren gehörte er zur jungen Garde der konservativen Volkspartei (PP) und war ein enger Freund des späteren Ministerpräsidenten Jose Aznar (1996-2004). Mit dem aktuellen Regierungschef Mariano Rajoy soll er ebenfalls eng verbunden sein - obwohl dieser ihn im Oktober 2014, als sich die Negativschlagzeilen häuften, zum Parteiaustritt überredete.

1996, als Rato sein Amt als "Superminister" für Wirtschaft und Finanzen antrat, hatte Spanien ein Haushaltsdefizit von über sechs Prozent und eine Arbeitslosenrate von 22 Prozent. Acht Jahre später war das Defizit auf null gesunken, die Arbeitslosenquote auf die Hälfte. In Ratos Amtszeit erlebte Spanien eine wirtschaftliche Blüte.

Allerdings hatte Ratos Modell auch seine Kehrseite. Der Boom stützte sich zu einem großen Teil auf Wildwuchs in der Bauwirtschaft und wurde mit Krediten finanziert. Die Immobilienblase platzte 2008, und noch heute leidet das Land mit einer Arbeitslosenrate von mehr als 23 Prozent - einer der höchsten in der EU - an den Folgen.

Beim IWF in Washington hielt es Rato nur gut drei Jahre von 2004 bis 2007. Den Anfang seines Niedergangs könnte man in dieser Zeit suchen. Denn im Jahr 2011 stellte das Unabhängige Evaluierungsbüro des IWF seiner Arbeit ein vernichtendes Zeugnis aus. Der IWF habe damals nur wenige klare Warnungen über die Risiken und die Verwundbarkeit der Finanzmärkte ausgesprochen und jene Gefahren, die den Crash 2008 ausgelöst hätten, systematisch heruntergespielt, hieß es. Im Untersuchungszeitraum wurden weder die Immobilienblase in den USA noch das von den Subprime-Papieren ausgehende Risiko erkannt.

Zurück in der Heimat musste Rato dank guter Beziehungen nicht lange nach einer neuen Beschäftigung suchen. Er wurde zunächst Vorstandsmitglied der Caja Madrid und 2010 Vorstandsvorsitzender von Bankia - jenes Institutes, das nach dem Einbruch des Immobilienmarktes zum Inbegriff der spanischen Bankenkrise wurde. Der Beinahe-Zusammenbruch führte dazu, dass Spanien ein europäisches Rettungspaket für marode Banken über 41 Milliarden Euro beantragte.

In den vergangenen Monaten erfuhren die Spanier, dass Rato ebenso wie andere Topmanager und Aufsichtsratsmitglieder inmitten der Krise über Firmen private Ausgaben finanziert haben sollen. Die Bankia-Führung soll zudem beim Börsengang 2011 Bilanzen gefälscht haben, Hunderttausende Kleinanleger verloren ihr Geld. Die jüngste Affäre um mutmaßliche Geldwäsche und Steuerbetrug überrascht nun kaum noch jemanden. "Unsere Eliten sind völlig verdorben, Rato ist aber wohl der Schlimmste", schimpfte der Informatiker Mario (24) in einem Madrider Cafe.

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma

Die Telekomaufsicht weicht Regelwerk das unter Barack Obama erst beschlossen wurde. Der Rechtsstreit ist damit programmiert, es wird mit Klagen von vielen Interenetkonzernen gerechnet.
 

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US-Behörde kippt Netzneutralität - Rückschlag für Google & Co