Freihandelsrisiko USA: Geht die Globalisierung trotz Trump weiter?

Buenos Aires (APA/dpa) - Auf den ersten Blick steht das Spitzentreffen der WTO in Buenos Aires unter guten Vorzeichen: Der Welthandel floriert, die Handelsschranken sinken. Doch es gibt einen Spielverderber: Die Trump-Regierung, die das WTO-System anzweifelt und mit eigenen Strafzöllen untergräbt.

Mit dem Motto "Amerika zuerst" setzen die USA unter Präsident Donald Trump auf wirtschaftliche Abschottung und treiben Anhängern des freien Handels Sorgenfalten auf die Stirn. Doch allen protektionistischen Tönen zum Trotz, schreitet die Globalisierung der Welthandelsorganisation WTO zufolge bisher weiter voran. Das muss jedoch nicht so bleiben - es gibt große Risiken.

Von Holz und Flugzeugen aus Kanada über Stahl und Aluminium aus China bis hin zu Oliven aus Spanien oder Biodiesel aus Argentinien: US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross scheint laufend neue Strafzölle auf US-Importe auszutüfteln. Auf die WTO-Regeln gibt er dabei nicht viel. Warum auch - Präsident Trump stellt das Handelssystem offen infrage. Statt internationaler Regelwerke, bevorzugt er bilaterale Absprachen, bei denen die USA ihre Macht besser ausspielen können.

Dennoch: Während Washington dichtmacht, sanken im Rest der Welt zuletzt die Handelsschranken. "Die internationalen Handelsströme haben sich nach einem scharfen Abschwung 2016 in den letzten zwölf Monaten stark erholt", sagte Generalsekretär Roberto Azevedo vor dem jährlichen Ministertreffen der WTO in Buenos Aires. Azevedo mahnte aber auch: "Weitere Fortschritte erfordern anhaltenden Einsatz."

Wegen der starken Entwicklung im ersten Halbjahr hatte die WTO ihre Wachstumsprognose für 2017 bereits kräftig angehoben und geht nun davon aus, dass der Welthandel verglichen mit dem Vorjahr um 3,6 Prozent zugelegt hat. Obwohl Amerika unter Trump den freien Handel infrage stellt, ging der Protektionismus weltweit zuletzt zurück.

Von Oktober 2016 bis Oktober 2017 erließen die 164 WTO-Mitgliedstaaten nach Angaben der Organisation 108 neue Handelsbeschränkungen. Im Vergleich zu den vorangegangenen zwölf Monaten entspricht das einem deutlichen Rückgang. Auch gegenseitige Vergeltungsmaßnahmen wegen Handelsstreitigkeiten nahmen etwas ab. Doch nicht alle Entwicklungen sind positiv und das dicke Ende könnte erst noch kommen.

So gingen laut WTO auch die Handelserleichterungen im Berichtszeitraum spürbar zurück. Ohnehin hat Trump, dessen Regierung im ersten Jahr seiner Amtszeit vor allem mit Großbaustellen wie dem Gesundheitssystem und der Steuerreform kämpft, bei seinen Drohungen in Sachen Handelspolitik noch gar nicht ernst gemacht.

Die meisten von den USA verhängten Strafzölle sind bisher nur vorläufig. Sie müssen noch finalisiert und von der zuständigen Behörde International Trade Commission bestätigt werden. Deshalb halten sich andere Länder noch mit Gegenmaßnahmen zurück, die in größere Handelskonflikte münden könnten. Die Gespräche um die Zukunft des nordamerikanischen Freihandelspakts Nafta ziehen sich derweil hin - doch Trump droht immer wieder damit, das Abkommen aufzukündigen.

WTO-Generalsekretär Azevedo weiß, dass der Aufschwung des Welthandels auf wackligen Beinen steht. "Ich dränge die Mitglieder ihre Mühen gegen Handelsbeschränkungen zu verdoppeln und existierende Maßnahmen zurückzunehmen." Der verbesserte Ausblick sei willkommen, doch "wesentliche Risiken, die die Weltwirtschaft bedrohen, bleiben bestehen und können die Erholung leicht gefährden".

Auch für die WTO selbst, stellt Trump indes ein großes Risiko dar. Denn aus seiner Geringschätzung für die Welthandelsorganisation macht der US-Präsident keinen Hehl. "Die WTO wurde eingerichtet, damit alle profitieren außer uns", klagte er im Oktober in einem Fox-Interview. Es sei unglaublich, wie sein Land ausgenutzt werde.

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich schon lange beunruhigt von den schrillen Tönen der Trump-Regierung. Vor dem WTO-Treffen warnte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag vor einer Lähmung durch die USA. Selbst ein Austritt der USA aus der WTO sei "nicht völlig unwahrscheinlich", sagte der DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Paris (APA/AFP) - Der Möbelhersteller Roche Bobois geht an die Börse. Das französische Familienunternehmen hofft an der Mehrländerbörse Euronext auf einen Erlös von rund 22 Millionen Euro, wie es am Montag in Paris mitteilte. Die 1960 gegründete Roche-Bobois-Gruppe stellt hochwertige Möbel her und ist in 54 Ländern vertreten.
 

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Französischer Möbelhersteller Roche Bobois geht an die Börse

Wien (APA) - Die Telekomregulierungsbehörde RTR hat Österreichs Kommunikationsinfrastruktur auf Risiken untersucht und dabei 487 Gefahren aufgelistet, wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht hervorgeht. Dabei geht es neben Ausfällen unter anderem um Cyberangriffe, Spionage und Katastrophen. Involviert waren Telekomfirmen, Internetserviceprovider, Verkehrs- und Innenministerium sowie das Kanzleramt.
 

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Telekombehörde RTR unterzog Netzinfrastruktur Stresstest

München (APA/Reuters) - Das Übernahmeangebot aus China für den bayerischen Autozulieferer Grammer läuft. Die Aktionäre haben seit Montag vier Wochen (bis 23. Juli) Zeit, das Offert der Familie Wang anzunehmen, die den deutlich kleineren chinesischen Grammer-Partner Ningbo Jifeng kontrolliert, wie der Bieter mitteilte. Die Familie, die bereits gut 25 Prozent an Grammer hält, bietet wie angekündigt 60 Euro je Aktie.
 

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Übernahmeangebot für Autozulieferer Grammer läuft bis 23. Juli