Frankreich bleibt Defizitsünder

Paris (APA/AFP) Frankreich will die EU-Obergrenze für das Haushaltsdefizit auch im kommenden Jahr deutlich überschreiten und erst im Jahr 2017 wieder einhalten. Die Neuverschuldung werde 2015 entgegen der Zusagen an die EU bei 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, teilte Finanzminister Michel Sapin am Mittwoch in Paris mit. Die Drei-Prozent-Obergrenze solle erst 2017 wieder eingehalten werden.

Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums sollen die EU-Vorgaben erst 2017 wieder eingehalten werden, zwei Jahre später als zugesagt. Die EU-Kommission hatte Frankreich wegen der Wirtschaftskrise bereits zwei Jahre Aufschub bis 2015 gewährt, um die Drei-Prozent-Obergrenze wieder zu erreichen. Paris wollte das Defizit in diesem Jahr auf 3,8 Prozent drücken und im kommenden Jahr auf drei Prozent.

Bereits Mitte August räumte Sapin aber ein, dass das Defizit wegen des schwachen Wirtschaftswachstums in diesem Jahr über vier Prozent liegen wird. Am Mittwoch sagte er nun, es werde 4,4 Prozent betragen und damit höher ausfallen als im Vorjahr (4,2 Prozent).

Der Finanzminister senkte am Mittwoch erneut die Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr, von zuletzt 0,5 Prozent auf 0,4 Prozent. Paris hatte lange auf ein Wachstum von einem Prozent gehofft. Im ersten Halbjahr verzeichnete Frankreich aber ein Nullwachstum. 2015 soll das Wachstum ein Prozent betragen.


Sapin sprach von einer "Ausnahmesituation" in der Eurozone. Es gebe "ein sehr schwaches Wachstum, gepaart mit einer Verlangsamung der Inflation, die keiner vorhergesehen hatte".

Sapin betonte aber, Frankreich wolle an seinen Sparzielen festhalten. "Die Kontrolle der Ausgaben ist eine Notwendigkeit, und wir werden unser Ziel von 50 Milliarden Euro bis 2017 umsetzen, angefangen bei den vorgesehenen 21 Milliarden Euro allein für das Jahr 2015", sagte der Minister. Zuletzt hatte Sapin noch gesagt, angesichts der niedrigen Inflation könne das Sparziel vermutlich nicht erreicht werden.

Die Ankündigungen aus Paris dürften in Berlin und Brüssel für einige Aufregung sorgen. Die deutsche Bundesregierung hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie dagegen ist, Frankreich einen neuen Aufschub beim Erreichen des Defizitziels einzuräumen.
Sapin sagte in Paris, seine Position sei "klar": "Wir verlangen keine Änderung der europäischen Regeln, wir verlangen nicht ihre Aussetzung und auch keinerlei Ausnahme." Die EU-Kommission hatte Frankreich bereits unter dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy Aufschub beim Defizit eingeräumt und dann noch einmal unter seinem sozialistischen Nachfolger Francois Hollande.

Frankfurt (APA/dpa) - Die Deutschen werden trotz mageren Zinsen immer vermögender - zumindest in der Summe. Auf den Rekordwert von 5.977 Milliarden Euro stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte im zweiten Quartal 2018, wie die Deutsche Bundesbank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Das waren gut 80 Milliarden Euro mehr als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres.
 

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Geldvermögen der Deutschen weiter gestiegen

Wien (APA) - Großbritannien wäre von einem Hard Brexit wirtschaftlich stärker negativ betroffen als die verbliebenen EU-27-Staaten. Zu diesem Ergebnis kommen der VWL-Professor Harald Oberhofer von der WU Wien und der VWL-Professor Michael Pfaffermayr von der Uni Innsbruck in einer Studie. Die Exporte Großbritanniens in die EU würden 2019 um 37 Prozent einbrechen, umgekehrt würde das minus 30 Prozent betragen.
 

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Hard Brexit - Austro-Ökonomen sehen mehr Negativfolgen für UK als EU

Wien (APA) - Die NEOS bleiben dabei: Sie werden heute im Verfassungsausschuss die Verankerung des Staatsziels Wirtschaft nicht mittragen, sondern die Vertagung verlangen, betonte Parteichefin Beate Meinl-Reisinger Mittwoch in einer Pressekonferenz. Sie "erwartet" Verhandlungen zur UVP-Novelle über die Streichung der - per Abänderungsantrag angehängten - "NGO-Schikane".
 

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Staatsziel Wirtschaft - NEOS lassen sich "nicht papierln"