Forum Alpbach: Niedrige Standards bringen kaum mehr Durchmischung

Alpbach - Die Ansicht, dass ein Senken der Standards an Universitäten die Ungleichheit in der Gesellschaft nachhaltig verringert, greift laut dem kanadischen Soziologen James Cote zu kurz. Studenten der Arbeiterklasse würden sich oft etwas anderes von einem Studium erwarten als solche mit privilegierterem Hintergrund. Das sei aber kein Grund "zu glauben, die Arbeiterklasse vor sich selbst retten zu müssen".

"Niedrigere Standards an Hochschulen helfen den Leuten nicht", erklärte der Forscher von der University of Western Ontario am Mittwoch im Rahmen der Eröffnung der Hochschulgespräche beim Forum Alpbach. Das führe zwar zu höheren Studentenzahlen - bei annähernd gleichbleibenden Ressourcen, was das Uni-Personal und die finanziellen Mittel betrifft, werde dadurch insgesamt aber auch die Betreuung schlechter. Angesichts der Tatsache, dass gerade Studenten mit nicht-akademischem familiären Hintergrund eher mehr Unterstützung in dem für sie ungewohnten Umfeld bräuchten, sei das nicht ideal.

Andererseits würden durch eine Senkung des Anspruchs und des Betreuungsniveaus auch Studenten frustriert, die stark leistungsorientiert sind und andere Erwartungen an eine universitäre Bildung haben, erklärte Cote. Die Selektion nach sozialen Kriterien verschiebe sich dann in Richtung Berufseinstieg. An diesem Punkt komme dann stärker zum Tragen, dass Absolventen aus der Arbeiterschaft oft nicht auf breite berufliche Netzwerke zurückgreifen könnten.

Insgesamt würden Studenten aus der Arbeiterschicht von einer Hochschulausbildung mehr Kompetenzorientierung als Studenten aus privilegierteren Schichten erwarten. Arbeiterkinder brächten oft auch nicht so viel "kulturelles Kapital" an die Uni mit, was es ihnen erschwere, in dem komplexen System in allen Bereichen ausreichend Fuß zu fassen, so der Forscher, der betonte, selbst aus der Arbeiterklasse zu kommen und sich in diesem Umfeld auch nach langjähriger Uni-Erfahrung oft immer noch wohler zu fühlen. Viele Menschen seien zurecht sehr stolz auf ihren Hintergrund: Es gebe auch absolut keinen Grund, "die Arbeiterklasse vor sich selbst retten zu müssen".

Für die Präsidentin des European Access Networks (EAN), Mary Tupan-Wenno, ist akademischer Erfolg auch eine Frage des "akademischen Selbstvertrauens". Die Herkunft eines Schülers oder Studenten habe darauf unbestritten großen Einfluss. Weniger privilegierten Interessenten fehle es oft an Vorbildern und Mentoren, "die an ihre Stärken glauben". Dadurch steige die Gefahr, in den Lücken in den Systemen zu verschwinden, so Tupan-Wenno.

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