Forschungsausgaben in Wien: Große Unternehmen fahren Gelder zurück

Wien (APA) - Wien liegt bei Mitteln für Forschung und Entwicklung (F&E) im Österreich-Vergleich an vorderer Stelle. Allerdings war für das moderate Wachstum der vergangenen Jahre allein der öffentliche Sektor verantwortlich. Die Ausgaben von Unternehmen stagnierten indes. Das liegt vor allem daran, dass große Betriebe aus der klassischen Elektrotechnik-Branche ihre F&E-Gelder zurückfahren.

Diese Erkenntnis geht aus einer aktuellen Studie der Forschungsgesellschaft Joanneum hervor, die sich im Auftrag des Wiener Uni-Beauftragten und grünen Gemeinderats Alexander Van der Bellen die Situation in der Bundeshauptstadt auf Basis empirischer Daten angesehen hat. Grundsätzlich sei Wien das Zentrum für Forschung und experimentelle Entwicklung in Österreich und ein Wissenschafts- und Forschungsstandort von europäischer Bedeutung, resümierte Andreas Niederl, einer der beiden Studienautoren, am Donnerstag vor Journalisten.

Die F&E-Quote - also der Ausgabenanteil gemessen am Bruttoregionalprodukt - sei von 2004 bis 2011 von 3,2 auf 3,4 Prozent geklettert. Ein unterdurchschnittlicher Zuwachs im nationalen Vergleich, wodurch der Anteil Wiens an den landesweiten F&E-Ausgaben von mehr als 38 Prozent (2004) erstmals unter ein Drittel (2011) gerutscht ist, wie die gut 60-seitige Studie mit dem Titel "Dynamik und Schwerpunktsetzungen der F&E-Aktivitäten in Wien" ausweist.

Hauptverantwortlich dafür sei ein struktureller Wandel, erklärte Niederl. So entwickelte sich der klassische Forschungssektor, die am Gesamtvolumen gemessen immer noch maßgebliche Elektrotechnik, rückläufig. Konkret fuhren große Betriebe, die ihren Hauptsitz im Ausland haben, die Forschungsfinanzierung zurück. Als Standortproblem interpretiert das Van der Bellen nicht. Denn Entscheidungen transnationaler Konzerne könnten die Stadtpolitik so gut wie gar nicht beeinflussen.

Aber für den Uni-Beauftragten kein Grund zur Sorge: Denn diese Rückgänge können durch einen Aufwärtstrend bei den F&E-Aktivitäten zahlreicher kleiner Einrichtungen aus dem Dienstleistungsbereich kompensiert werden. Besonders die - hauptsächlich in St. Marx konzentrierte - Biotechnologie oder der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologie) sorgen für positive Zahlen. "Das gibt jedenfalls Anlass zum Optimismus", freute sich Van der Bellen. Denn die Stadt sollte sich nicht nur auf öffentliche Gelder - sprich vorrangig auf Mittel des Bundes - verlassen.

"Es ist noch viel zu tun", so der Befund des Uni-Beauftragten. Er wünscht sich u.a. eine Art Cluster-Bildung für einzelne Wissenschaftsrichtungen und verwandte Wirtschaftszweige. Die Stadt hätte etwa freie Räumlichkeiten rund um die Technische Universität für IKT-Unternehmen reservieren können. Außerdem müssten die Mittel des Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF), der Projekte der Spitzenforschung unterstützt, zumindest verdoppelt und stabilere Strukturen für die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Forschungseinrichtungen geschaffen werden.

Ob Van der Bellen, der mit dem Ende der Legislaturperiode aus dem Gemeinderat ausscheidet, auch nach der Wien-Wahl Uni-Beauftragter bleiben wird, wisse er noch nicht: "Das steht alles noch in den Sternen." Dies hänge nicht zuletzt von der künftigen Stadtregierung ab.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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