Flughafen Wien mit Gewinnplus, Aktie im Aufwind

Wien/Schwechat - Für den Flughafen Wien könnte es derzeit kaum besser laufen: Nach einem Passagierrekord und gesteigertem Gewinn im Jahr 2014 ist auch die Aktie ungefähr wieder dort, wo sie 2008 vor dem Skylink-Debakel war. Die heute, Montag, vorgelegten Zahlen haben die Börsianer goutiert, die Aktie stieg bis Mittag um 1,55 Prozent auf 77,93 Euro.

Der Airport sieht sich gerüstet für anstehende "Zukunftsinvestitionen", wie Finanzvorstand Günther Ofner in der Bilanzpressekonferenz sagte. Dazu zählt vor allem der Bau der dritten Piste - ein milliardenschweres Vorhaben, das in den nächsten fünf bis zehn Jahren konkret wird. Dafür macht sich der Flughafen derzeit fit. "Wir haben die Schulden um 127 Mio. Euro reduziert", so Ofner. Auch die Produktivität sei seit 2011 um 20 Prozent gesteigert worden.

Den Sparkurs haben in den vergangenen Jahren auch die Mitarbeiter zu spüren bekommen, "weil heute deutlich weniger Leute deutlich mehr leisten müssen", wie Ofner sagte. Von der von 1,30 auf 1,65 Euro erhöhten Dividende pro Aktie würden nun auch die Mitarbeiter profitieren. Die Mitarbeiterstiftung hält zehn Prozent der Aktien. Damit werden insgesamt 3,47 Mio. Euro an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Pro Mitarbeiter sei das im Schnitt 42 Prozent eines Monatsbezugs, so Ofner.

An die je mit 20 Prozent beteiligten Länder Niederösterreich und Wien fließen laut dem Dividendenvorschlag des Vorstands je rund 6,93 Mio. Euro. Der neue größte Einzelaktionär, der australische Pensionsfonds IFM, darf sich über 10,4 Mio. Euro freuen, die Australier hatten Ende 2014 für 82 Euro je Aktie, 29,9 Prozent der Anteile übernommen.

Der Flughafen Wien bekommt nach wie vor die Krisenherde, unter denen vor allem der größte Kunde Austrian Airlines (AUA) leidet, indirekt zu spüren. Die Folge sind sinkende Passagierzahlen. Zum Jahresauftakt gab es im Jänner ein Minus von 5,9 Prozent, die Zahlen für Februar sind noch nicht veröffentlicht. Vorstand Julian Jäger stellte aber erneut schwache Passagierzahlen in Aussicht. Wegen der schwachen Nachfrage nach Flügen nach Russland und in die Ukraine habe die AUA die Wartung ihrer Flieger in den Winter verlagert, erklärte Jäger. Ab April soll das Minus vom ersten Quartal aber kompensiert werden. Die Prognose für das Gesamtjahr geht von null bis zwei Prozent Plus aus.

Für den Sommerflugplan erwartet das Management neue Destinationen und Frequenzaufstockungen durch rund ein Dutzend Airlines. Impulse erhofft sich Jäger ab dem Herbst und 2016 auch durch die neue Lufthansa-Billigtochter Eurowings, die zwei Airbus A320 in Wien stationieren will. Es gebe aber noch keine Flugpläne, insofern sei offen, inwieweit dadurch AUA-Kapazität gesenkt werde.

"Trotz der Krisen" werde der Finanz-Ausblick für 2015 bestätigt, betonte Ofner. Der Umsatz - 2014 bei 630,2 Mio. Euro - soll auf über 645 Mio. Euro steigen. Der Nettogewinn soll von 82,5 auf zumindest 85 Mio. Euro verbessert und die Nettoverschuldung von 506,2 Mio. Euro auf unter 500 Mio. Euro gesenkt werden. Verglichen mit 2013 stieg der Gewinn unterm Strich um 12,5 Prozent, von der APA befragte Analysten hatten aber mit einem noch größeren Plus von 17 Prozent gerechnet.

Die Umsätze aus Shopping und Gastronomie stiegen um 4,1 Prozent. Erfreulich sei, dass die Passagiere im Schnitt mehr ausgeben, also die Erlöse pro Fluggast steigen, so Jäger. 2014 wurden 22 neue Shops und mit dem Cateringkonzern Do&Co eine Fressmeile am Pier West eröffnet.

Zufrieden zeigt sich der Vorstand auch mit den Beteiligungen Malta und Kosice (Slowakei): Der Malta International Airport habe einen Ergebnisbeitrag von 4,7 Mio. Euro geliefert, Kosice einen von 1 Mio. Euro. Die vorzeitige Ablöse des Malta-Geschäftsführers habe nichts mit den Ergebnissen zu tun gehabt, so Jäger. In Wien will das Airport-Management 2015 an die 95 Mio. Euro investieren: Auf dem Plan stehen der Ausbau des Frachtterminals, die Vorbereitungen für den Hotelneubau, die Pistensanierung sowie die Erweiterung der Büroräumlichkeiten. Die Entscheidung, was mit dem Terminal 2 passiert, soll Ende April in einer Aufsichtsratssitzung fallen.

Mit 1. März hat der Flughafen zudem die Sicherheitskontrollen für elektronische Geräte verschärft. Es gehe um Nachkontrollen auf Manipulationsspuren, sagte Jäger. Ab Herbst würden Fluggäste und Handgepäck dann verstärkt auf Sprengstoffe überprüft. Hintergrund der Verschärfungen sind neue EU-Regelungen. Der Airport stockt dafür das Personal in seiner Sicherheitsfirma VIAS um 100 zusätzliche Securitys auf und investiert 5 Mio. Euro in sein Sicherheitsequipment.

Einmal mehr forderten Jäger und Ofner auch die Abschaffung der Ticketsteuer. Die 100 Mio. Euro, die die Abgabe 2014 einspielte, würden das Wirtschaftswachstum hemmen und noch höhere Steuereinnahmen durch neu geschaffene Arbeitsplätze verhindern. Ofner meinte, dies sei auch im Interesse der Landeshauptmänner in Kärnten und Oberösterreich, wo die dortigen Regionalflughäfen derzeit in der Krise stecken. Auch würden Lufthansa und Air Berlin Wachstum auf ihre österreichischen Töchter AUA und Niki verlagern.

Aylesbury (APA/AFP/Reuters/dpa) - Großbritannien und die USA haben sich nach Angaben von Premierministerin Theresa May darauf geeinigt, ein gemeinsames Freihandelsabkommen anzustreben. Beide Länder wollten unter anderem einen "Gold Standard" bei der Kooperation in Finanzdienstleistungen setzen, sagte May am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump auf dem Landsitz Chequers bei London.
 

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May: London und Washington wollen "ambitioniertes" Handelsabkommen

Madrid (APA/Reuters) - Auch an Spaniens Flughäfen müssen die Urlauber mitten in der Ferienzeit mit Streiks rechnen. Die größte Gewerkschaft des Landes rief am Freitag mehr als 60.000 Gepäckabfertiger und andere Airport-Mitarbeiter an allen spanischen Flughäfen dazu auf, Anfang August ihre Arbeit niederzulegen.
 

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Auch an Spaniens Flughäfen drohen Anfang August Streiks

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