"Fluch der Rohstoffe" trifft auch Aserbaidschan und Kasachstan

Wien - Die GUS-Staaten Aserbaidschan und Kasachstan sind zwar in vielerlei Hinsicht sehr verschieden, doch gebe es auch "verblüffende Parallelen", meint der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Almaty, Michael Müller. Getrieben von Ölexporten seien beide Länder über viele Jahre hinweg rasant gewachsen, doch 2014 habe der Ölpreisverfall zu einem drastischen Einbruch bei den Exporterlösen geführt.

Insgesamt 220 Mrd. Dollar (203,44 Mrd. Euro) beträgt die gesamte Wirtschaftsleistung Kasachstans, das etwa doppelt so viele Einwohner hat wie Österreich, aber nur auf zwei Drittel der österreichischen Wirtschaftsleistung kommt. Pro Kopf erwirtschaften die Kasachen rund 13.000 US-Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Russland kommt auf 18.000 Dollar, Aserbaidschan auf 9.000.

70 Prozent der kasachischen Exporterlöse stammten von der Ausfuhr von Öl und Gas und ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung hänge an diesem Sektor, erklärte Müller. Für Österreich sei das Land der größte Erdöl-Lieferant. 2014 gingen die Exporterlöse jedoch um 7,6 Prozent zurück. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauche das Land einen Ölpreis von 60 bis 65 Dollar, um ein ausgeglichenes Budget zu haben, so Müller. Wegen der Abwertung der Nationalwährung Tenge um ein Fünftel gingen auch die Importe um fast 16 Prozent zurück.

Wesentliche Gründe für die Abwertung waren der sinkende Leistungsbilanzüberschuss und die Abwertung des russischen Rubels gegenüber dem US-Dollar. Für heuer wird eine weitere Tenge-Abwertung erwartet. Für Österreichs Handelsbeziehungen mit Kasachstan bedeutet das einen weiteren Rückgang der Ausfuhren in das Land. Die sind allerdings ohnehin bescheiden: 2014 haben Österreichische Unternehmen Waren im Wert von 257 Mio. Euro (-12 Prozent) nach Kasachstan geliefert. Österreich hat im Vorjahr Erdöl um rund 1,5 Mrd. Euro aus Kasachstan importiert.

"Ein gutes Beispiel für die These vom Fluch der Rohstoffe" sei auch Aserbaidschan, sagte Dietmar Fellner, der als Wirtschaftsdelegierter in Moskau auch für das Land am Südkaukasus zuständig ist. Ab Mitte der 1990er Jahre habe sich das Land ganz auf die Öl- und Gasindustrie fokussiert, bis 2006 sei die Wirtschaft dort um 11 Prozent pro Jahr gewachsen. "Bereits im Jahr 2000 überschritten die Öl- und Gasausfuhren 80 Prozent des aserbaidschanischen Exportvolumens." Nun zeige sich jedoch die Kehrseite der hohen Abhängigkeit von Rohstoff-Exporten: 2014 sei die Wirtschaft nur noch um 2,8 Prozent gewachsen.

Geld für eine Restrukturierung der Wirtschaft - Ausbau der Infrastruktur, Ausgleich der regionalen Ungleichheiten - ist vorhanden. Der staatliche Öl-Fonds SOFAZ (State Oil Fund of Azerbaijan) verfügt über 36 Mrd. US-Dollar. Schon im Vorjahr musste der Fonds angezapft werden um die Staatsausgaben zu decken: 12 Mrd. Dollar flossen in die Staatskasse. Dazu verfügt das Land noch über Devisenreserven von mehr als 15 Mrd. Dollar, bei einer vergleichsweise geringen Auslandsverschuldung von 13,3 Prozent des BIP.

Auch Kasachstan hat einen Nationalfonds für magere Jahre eingerichtet: Seine Reserven betrugen Ende 2014 knapp 74 Mrd. US-Dollar, dazu kommen Devisenreserven der Nationalbank von 29 Mrd. Dollar. Beide Länder haben sich also rechtzeitig auf schlechte Zeiten eingestellt und können einen niedrigen Ölpreis eine Weile aushalten.

Die vorgezogene Präsidentenwahl in Kasachstan am 26. April 2015 dürfte keine Veränderung bringen: Der seit 1989 an der Macht befindliche 74-jährige Staatschef Nursultan Nasarbajew wird wohl an der Wahl teilnehmen und sie auch gewinnen.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

Newsticker

Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

Newsticker

Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

Newsticker

Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma