Finanzausgleich: Experten für Kompetenz-Entflechtung

Wien - Die heute startenden Verhandlungen zum Finanzausgleich müssen eine System-Änderung bringen, hin in Richtung Föderalismus-Reform. Zudem soll den Ländern eine gewisse Steuerautonomie übergeben werden, sind sich von der APA befragte Experten einig.

Hans Pitlik vom Wifo meint, dass das Wichtigste bei den Verhandlungen eine Föderalismus-Reform wäre. Werde diese nicht angegangen, werde es "wieder nur ein Geschachere um Steuereinnahmen". Auch das in Finanzausgleichsfragen besonders engagierte Zentrum für Verwaltungsforschung KDZ bewirbt in einem Positionspapier eine Zusammenführung von Aufgaben-, Ausgaben- und Finanzierungsverantwortung.

In welchen Bereichen eine klarere Zuteilung der Kompetenzen zwischen den Gebietskörperschaften nötig wäre, ist unter den Experten unbestritten. Sowohl Ludwig Strohner von EcoAustria als auch Pitlik sehen die Bereiche Gesundheitswesen, Bildung und Soziales/Pflege als jene, wo eine sinnvolle Verteilung der Aufgaben dringend gefordert wäre.

Dass alles im Sinne größerer Effizienz beim Bund konzentriert werden müsse, findet Pitlik nicht. Würde eine Reform nur so angegangen, wäre ein Wettbewerb um Lösungen zwischen den Ländern ausgeschlossen. Stattdessen plädiert der Wifo-Forscher für eine gewisse Einnahmenverantwortlichkeit der Länder. Dann könne auch eine dezentrale Struktur Sinn haben.

Folgerichtig der zweite für die Fachleute entscheidende Punkt bei den Verhandlungen ist die auch von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) und vor allem den schwarz-regierten Ländern forcierte Steuerautonomie. Strohner sähe hier wenig Sinn, bei Bagatellsteuern anzusetzen. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den Ländern zu erhalten, sollte man größere Steuern hernehmen, wobei sich die Einkommenssteuer anböte.

Pitlik sieht das genauso. Ein fiskalischer Wettbewerb müsse auch spürbare Steuern umfassen. Denkbar wäre ein Zuschlag auf die Einkommenssteuer oder ähnliches.

Das KDZ wiederum plädiert dafür, den Gemeinden mehr Spielraum bei jenen Abgaben zu geben, aus denen sie Einnahmen lukrieren. Bei der Grundsteuer tritt man dafür ein, das Einheitswertsystem zu ersetzen. Zudem will man bei der Kommunalsteuer zahlreiche Ausnahmetatbestände streichen, um ein Mehraufkommen für die Kommunen zu erreichen.

Dass Bund, Länder und Gemeinden diesmal eine größere Reform zustande bringen, will keiner der Experten beschwören. Pitlik meint aber, dass die Chancen ein bisschen größer seien als bisher. Angesichts der Probleme im Umfeld von Kärnten, dem Salzburger Finanzskandal und ähnlichen Fällen sei ein Bewusstsein da, dass es nicht so weitergehen könne. Zudem sei es ein Indiz für Hoffnung, wenn sich die Verhandler schon 1,5 Jahre vor Auslaufen des Finanzausgleichs zu Reformgesprächen zusammensetzen.

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.
 

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Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

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Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

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Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker