Facebook: Zuckerberg vor US-Kongress, "Playboy" verlässt Netzwerk

Menlo Park/London (APA/dpa/Reuters/AFP) - Im Skandal um den Missbrauch der Daten von Millionen Facebook-Nutzern plant Unternehmenschef Mark Zuckerberg Medienberichten zufolge eine Aussage im US-Kongress. Facebook arbeitete derzeit an einer Strategie für den Auftritt des 33-Jährigen, berichtete der Sender CNN am Dienstag (Ortszeit).

In der "New York Times" hieß es, Zuckerberg werde im April vor dem Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses erscheinen. Der Auftritt würde auf enormen Druck folgen, dem Facebook international ausgesetzt ist. Vom britischen Parlament will sich Zuckerberg hingegen nicht persönlich befragen lassen. Der dortige Ausschuss für Digitalangelegenheiten veröffentlichte den Brief einer Konzernvertreterin, welche stattdessen das Erscheinen anderer Facebook-Vertreter anbot. Der Ausschuss beharrt aber weiter auf der persönlichen Befragung von Zuckerberg.

Facebook verkündete am Mittwoch, die Datenverwaltung für Nutzer werde vereinfacht. Hintergrund der seit Monaten vorbereiteten Änderungen ist aber nicht der aktuelle Skandal, sondern die ab Ende Mai geltende EU-Datenschutzgrundverordnung. User könnten künftig einfacher ihre Daten einsehen und löschen, hieß es. Zudem werde es möglich sein, sämtliche Daten und bei Facebook hochgeladene Inhalte in Formaten herunterzuladen, mit denen sie zu einem anderen Dienst verlagert werden können. Insgesamt soll es leichter werden, bisher oft verstreute Datenschutz-Einstellungen an einem Ort zu finden. Außerdem soll künftig jeder Nutzer selbst entscheiden können, welche Werbeanzeigen angezeigt werden.

"Die vergangene Woche hat uns gezeigt, wie viel mehr wir noch daran arbeiten müssen, unsere Regeln durchzusetzen und den Menschen zu helfen, zu verstehen, wie Facebook funktioniert und welche Optionen sie im Umgang mit ihren Daten haben", schrieb die zuständige Facebook-Managerin Erin Egan und schlug damit eine Brücke zur aktuellen Situation.

Vor eineinhalb Wochen war bekanntgeworden, dass sich die dubiose Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hatte. Bis zu 50 Millionen Nutzer sollen von dem Leck betroffen gewesen sein. Der Konzern war im Zuge des Skandals mächtig ins Schlingern geraten. Der Börsenwert des Unternehmens sank seit Bekanntwerden der Affäre vor eineinhalb Wochen um rund 80 Milliarden Dollar (65 Mrd. Euro).

Mehrere Unternehmen verließen das Netzwerk oder stellten wie der Firefox-Entwickler Mozilla und der Lautsprecher-Anbieter Sonos die Werbung bei Facebook ein. So ließ der Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX, Elon Musk, die Unternehmensseiten entfernen. "Playboy" zog am Mittwoch nach. Kreativchef Cooper Hefner, Sohn des "Playboy"-Gründers Hugh Hefner verkündete auf Twitter, dass sich das Magazin mit seinen 25 Millionen Fans von Facebook zurückziehe. Die deutsche Seite des Magazins war zunächst weiter erreichbar. Die Entwicklungen rund um den Schutz der Nutzer-Daten verfolge man mit großer Sorge und man werde den weiteren Verlauf beobachten, sagte Chefredakteur Florian Boitin in München.

Zusätzlicher Ärger droht von Konsumentenseite. Drei Nutzer verklagten den US-Konzern vor einem Bezirksgericht in Kalifornien wegen Verstößen gegen den Datenschutz bei seiner Messenger-App. Die Beschwerdeführer, die eine Sammelklage anstreben, werfen Facebook vor, Protokolle von Telefonaten und Textnachrichten vorzuhalten.

Um das Speichern von Nutzerdaten geht es auch in einem Fall in Neuseeland, der den Datenschutzbeauftragten des Landes veranlasste, den Konzern öffentlich an den Pranger zu stellen und zu erklären, Facebook habe das Gesetz gebrochen. Demnach untersagte das US-Unternehmen einem Bürger den Zugriff auf dessen persönliche Informationen, die auf den Konten anderer Nutzer gespeichert waren. Dies widerspreche dem Datenschutzgesetz, teilte der zuständige Landesbeauftragte John Edwards mit. Facebook wiederum erklärte, dass das Unternehmen die Beschwerde geprüft habe, aber noch nicht genügend Details für die Klärung vorlägen.

In einem Nebenstrang des Facebook-Datenskandals dementierte das geheimniskrämerische US-Start-up Palantir eine Zusammenarbeit mit der umstrittenen Cambridge Analytica. Allerdings habe ein Mitarbeiter auf eigene Faust Kontakte zu dem Unternehmen gehabt, sagte Palantir dem Finanzdienst Bloomberg am Mittwoch. "Wir untersuchen das und werden angemessene Maßnahmen ergreifen", kündigte eine Sprecherin an.

Rom (APA) - Der italienische Vizepremier und Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, schüttet Wasser ins Feuer der Polemik rund um die Attacken seiner Partei gegen Wirtschaftsminister Giovanni Tria. "Wir haben volles Vertrauen in Tria", sagte Di Maio im Interview mit der Tageszeitung "Il Fatto quotidiano" am Montag.
 

Newsticker

Italiens Fünf Sterne-Chef: "Vertrauen in Finanzminister"

London (APA/Reuters) - Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat wegen des heißen Sommers seine Ergebnisprognose für das im September endende Bilanzjahr kassiert. Statt bisher in Aussicht gestellter Zuwächse rechnet der TUI-Rivale nun mit einem Gewinnrückgang, teilte der Konzern am Montag mitteilte.
 

Newsticker

Heißer Sommer brachte Thomas Cook Gewinnrückgang

Berlin (APA/Reuters) - Die deutsche Industrie will sich nicht dem wachsenden Druck der US-Regierung beugen, auf die Gaspipeline Nord Stream 2, an deren Finanzierung die OMV beteiligt ist, zu verzichten und stattdessen amerikanisches Flüssiggas zu kaufen.
 

Newsticker

Deutsche Industrie hält an Nord Stream 2 fest