Facebook-Chef entschuldigt sich bei Nutzern für Datenmissbrauch

Menlo Park/London (APA/AFP/dpa) - Nach tagelangem Schweigen hat sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei den mehr als zwei Milliarden Nutzern seines Netzwerks für den gigantischen Datenmissbrauch durch eine britische Datenanalysefirma entschuldigt. Er räumte seine persönliche Verantwortung und "Fehler" des Unternehmens ein und entschuldigte sich am Mittwochabend in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN.

"Das war ein großer Vertrauensbruch und es tut mir wirklich Leid, dass das passiert ist", sagte Zuckerberg. Facebook sieht sich wegen des Skandals mit Untersuchungen von Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien konfrontiert. Zudem wollen mehrere Parlamente den Unternehmenschef dazu befragen. Zuckerberg erklärte sich bereit, vor Mitgliedern des US-Senats auszusagen.

Auch Sheryl Sandberg, Nummer zwei bei Facebook, äußerte sich: "Ich bedauere zutiefst, dass wir nicht genug dagegen unternommen haben." Der Aktienkurs des Unternehmens war nach Bekanntwerden des Skandals auf Talfahrt gegangen.

In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zu den Vorwürfen zeigte sich Zuckerberg zerknirscht: "Ich bin letztlich dafür verantwortlich, was auf unserer Plattform geschieht", schrieb er auf seiner eigenen Facebook-Seite. Facebook wolle "aus dieser Erfahrung lernen" und sein Online-Netzwerk sicherer für die Nutzer machen.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sich unerlaubt Zugang zu Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern verschaffen konnte. Die Firma soll im US-Wahlkampf entscheidend dabei geholfen haben, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook Anhänger des heutigen Präsidenten Donald Trump zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

Zuckerberg erklärte dazu: "Ich habe daran gearbeitet, zu verstehen, was genau passiert ist, und wie sicherzustellen ist, dass dies nicht mehr passiert." Facebook habe schon in den vergangenen Jahren Schritte ergriffen, um die missbräuchliche Datenabschöpfung durch Apps zu unterbinden. "Aber wir haben auch Fehler gemacht, es muss mehr getan werden, und wir müssen einen Zahn zulegen." Zuckerberg nannte unter anderem eine für die Nutzer deutlich sichtbare Funktion, die ihnen anzeige, welchen Apps sie die Verwendung ihrer Daten erlaubt haben.

Vor Zuckerbergs persönlicher Erklärung hatte Facebook eine Stellungnahme veröffentlicht, in dem es die Schuld an dem Datenmissbrauch vor allem Cambridge Analytica zuwies sowie dem Entwickler der App, Aleksandr Kogan. Facebook sei "entrüstet", das Unternehmen sei "betrogen" worden, hieß es darin. Die britische Zeitung "Observer" hatte allerdings berichtet, dass Facebook schon im Jahr 2015 von dem massiven Abfischen von Nutzerdaten durch Cambridge Analytica erfahren habe. Facebook habe damals die betroffenen Nutzer nicht informiert und auch "nur begrenzte Schritte" ergriffen, die Nutzerdaten zurückzuholen und abzusichern.

In den USA nahm laut Medienberichten die Handelsaufsichtsbehörde FTC Untersuchungen zu dem Skandal auf. In den Bundesstaaten New York und Massachusetts teilten die Staatsanwaltschaften mit, schriftlich Aufklärung von Facebook eingefordert zu haben. Auch die britische Datenschutzbehörde nimmt das Verhalten von Facebook unter die Lupe.

Zudem wird Facebook durch parlamentarische Untersuchungen unter Druck gesetzt. Europaparlamentspräsident Antonio Tajani teilte auf Twitter mit, das Parlament habe Zuckerberg "eingeladen". Er müsse "vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren". EU-Justizkommissarin Jourova sagte in Washington, in dem Fall gehe es nicht nur um den Schutz persönlicher Daten, er habe "massive Auswirkungen" auf die demokratische Debatte und Wahlen. Es handle sich um eine "heftige Manipulation" von Meinungen, die sich in Wahlergebnissen spiegelten.

Berlin/München (APA/Reuters) - Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im September leicht eingetrübt. Der Geschäftsklima-Index fiel von 103,9 auf 103,7 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 103,2 Zähler gerechnet.
 

Newsticker

Ifo-Index sank im September - "Wirtschaft zeigt sich stabil"

Mailand (APA) - Die italienische Modegruppe Versace steht laut italienischen Medien vor dem Verkauf. Bereits am Dienstag könnte Firmenchefin Donatella Versace den Verkauf des Mailänder Konzerns an eine US-Gruppe ankündigen. Michael Kors oder Tiffany gelten als mögliche Kandidaten für die Übernahme, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Montag.
 

Newsticker

Versace soll laut Medien an US-Gruppe verkauft werden

Toronto/Washington (APA/Reuters) - Milliardenfusion in der Goldminen-Branche: Das kanadische Unternehmen Barrick Gold übernimmt den in Afrika tätigen Konzern Randgold Resources, wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Der neue Konzern werde einen Marktwert von 18,3 Mrd. US-Dollar (15,6 Mrd. Euro) haben, erklärte Randgold. Das Management werde seinen Aktionären die Annahme des Angebots empfehlen.
 

Newsticker

Kanadischer Bergbaukonzern Barrick Gold schluckt Rivalen Randgold