EZB-Chef Draghi rechnet mit Schutzeffekten durch Geldflut

Frankfurt - Das große Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) kann nach Einschätzung ihres Präsidenten Mario Draghi andere Euro-Länder vor einer Ansteckung mit Problemen wie in Griechenland schützen. Auf einer Veranstaltung der Goethe-Universität in Frankfurt räumte der oberste europäische Währungshüter zwar ein, dass die Geldschwemme auch Risiken berge. Diese seien aber beherrschbar.

"Wir haben einen weiteren Rückgang der Renditen der Anleihen von Portugal und anderen Ländern gesehen, die in Schwierigkeiten waren, trotz der wiederaufgeflammten Krise in Griechenland", sagte der EZB-Präsident. "Das legt nahe, dass das Anleihen-Kaufprogramm Länder der Eurozone vor einer Ansteckung schützen könnte," fügte der Italiener hinzu. Die Regierung in Athen steht enorm unter Druck, da sie ihre Schulden weiter bedienen muss. Noch im März muss ein Kredit über 1,5 Mrd. Euro an den IWF zurückgezahlt werden - im Sommer werden 6,7 Mrd. Euro an die EZB fällig.

Während etwa die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar weiter schließen will, hat die Europäische Zentralbank am Montag ihr über eine Billion Euro schweres Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Länder gestartet. Pro Monat wollen die Währungshüter 60 Mrd. Euro an frischem Geld in die Märkte pumpen - und das mindestens bis September 2016.

Gleich am ersten Tag kauften die EZB und die nationalen Notenbanken Staatsanleihen im Volumen von 3,2 Mrd. Euro. Draghi will mit der Geldflut für das Bankensystem die Wirtschaft in der Währungsgemeinschaft anschieben. Zudem wollen die Währungshüter so die gefährlich niedrige Inflation nach oben treiben. Das Inflationsziel der EZB liegt bei knapp unter zwei Prozent - davon ist die Teuerung mit im Februar minus 0,3 Prozent derzeit meilenweit entfernt.

"Wie andere Zentralbanken mussten wir direkt an den Finanzmärkten eingreifen", erklärte Draghi. Staatsanleihenkäufe seien aber nichts Neues, auch die Deutsche Bundesbank habe das in den 1970er Jahren getan. "Anleihenkäufe sind unkonventionell, aber sie sind nicht unorthodox", betonte Draghi. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist einer der entschiedensten Kritiker der jüngsten Maßnahmen, auch Österreichs Notenbankgouverneur Ewald Nowotny hat sich gegen das Anleihenkaufprogramm ausgesprochen.

EZB-Präsident Draghi indes rechnet fest damit, dass die Zentralbank mit den Bondkäufen ihre Ziele erreichen wird. "Wir können und wir setzen die Geldpolitik in einer Weise ein, dass sie die Inflation in Einklang mit unserem Ziel stabilisieren kann und auch wird", sagte Draghi. Ganz ohne Risiken ist nach seinen Worten zufolge das Programm nicht. "Wir sind uns bewusst, das mit unseren Maßnahmen einige Risiken für die Finanzstabilität verbunden sein könnten", räumte Draghi ein. Diese Risiken seien aber gegenwärtig eingedämmt.

Die wirtschaftliche Lage im Währungsgebiet bessere sich bereits, sagte der EZB-Präsident. Dies werde sich "verbreitern und hoffentlich auch verstärken", sagte Draghi. Die Währungshüter hatten in der vergangenen Woche ihre Wachstumsprognosen angehoben. Die EZB rechnet nun für dieses Jahr mit einem Plus von 1,5 statt bisher von 1,0 Prozent. Für 2016 werden 1,9 (bisher 1,5) Prozent erwartet - 2017 sollen es dann sogar 2,1 Prozent sein.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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