Expertenbericht: Klimaziele ohne Mobilitätseinbußen erreichbar

Graz (APA) - Dass der Verkehrssektor seinen Beitrag zu den heimischen Klimazielen leisten muss, ist den Autofahrerclubs klar. Dass dies ohne Einschränkungen in Sachen Mobilität wie Fahrverbote oder Verteuerungen machbar sei, ließen sich diese nun von einem unabhängigen Expertenbericht bestätigen, den der ÖAMTC am Montag in Wien präsentierte.

Die Fachleute aus Technik, Wissenschaft und Wirtschaft haben für die Studie "Mobilität & Klimaschutz 2030" anhand dreier Szenarien untersucht, wie viele Treibhausgase eingespart werden können und welche Auswirkungen dies auf die Autofahrer, aber auch auf die Wirtschaft und nicht zuletzt die Steuereinnahmen haben wird.

Das erste Szenario "Technologische Evolution" basiert auf der Entwicklungsabschätzung der Neuzulassungszahlen nach Antriebsarten. Die steuerlichen Rahmenbedingungen bleiben dabei gleich und es kommt zu keiner wesentlichen Verteuerung von konventionellen Antrieben. Die wohl unbeliebteste Vision ging hingegen von politischen Restriktionen aus, vor allem, dass ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr neu zugelassen werden dürfen. Das dritte Szenario entspricht dem ersten, allerdings mit dem Unterschied, dass Verbrennungsmotoren mit einem höheren Anteil alternativer Kraftstoffe angetrieben werden.

Bereits durch den technologischen Fortschritt wäre laut den Fachleuten eine 28-prozentige CO2 Reduktion machbar. Dabei geht man davon aus, dass reine Verbrennungsmotoren bereits ab 2023 nicht mehr die Mehrheit der Neuzulassungen ausmachen werden, ab 2030 wird ihr Anteil auf nur mehr ein Prozent zurückgehen. Gewinner sind dabei vor allem Hybrid-Pkw, die Dank besserer Batterien mehr und mehr über die Steckdose geladen werden und bessere Reichweiten aufweisen werden - so zumindest die Erwartungen der Experten. Aber auch Fahrzeuge mit Brennstoffzellen und reine E-Autos werden den Markt übernehmen. Neue Benzin- und Dieselmotoren würden bis dahin ebenfalls effizienter werden, meinte Bernhard Geringer, Vorstand des Instituts für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien.

Das zweite Szenario würde 42 Prozent CO2 einsparen, während das dritte das größte Potenzial, nämlich bis zu 89 Prozent, aufweist - wenn alternative bzw. synthetische Kraftstoffe breit eingesetzt werden. Dabei wird Sprit der zweiten Generation etwa aus Holz oder Stroh hergestellt, während in der dritten gerade nicht benötigter Wind- und Solarstrom z.B. zur Produktion von Wasserstoff verwendet wird. Allerdings sind dabei die reinen Herstellungskosten mit 0,7 bis 1,2 Euro pro Liter nicht unerheblich.

Bei all diesen grundsätzlich erfreulichen Voraussagen für die Umwelt, gibt es bei allen Szenarien einen großen Verlierer: den Finanzminister. Dieser fällt um Milliarden aus der Mineralölsteuer und der motorbezogene Versicherungssteuer um. Wird erstere erhöht, würden über den Umweg Lkw-Verkehr alle belastet, betonte der Wirtschaftsforscher Christian Helmenstein. Dass E-Autos durch die Massenproduktion billiger würden, sei übrigens eine "Illusion", da die Hersteller diese aktuell noch mit Verlust verkaufen. "Meine Conclusio: Mobilität muss leistbar bleiben."

Für den oberösterreichischen Motorradhersteller wäre ein Verbot von Verbrennungsmotoren ein "Bedrohungsszenario", sagte Vorstandsvorsitzender Stefan Pierer. Obwohl man sich als Vorreiter sieht, habe man bisher über die Jahre erst 5.000 E-Bikes verkauft, gegenüber jährlich 240.000 herkömmlichen Motorrädern. Die Batterien seien zu schwer, voluminös und zu schwach, um damit sportliche Bikes herstellen zu können. Doch man sehe ein Potenzial für Zweiräder mit einer Leistung von weniger als elf Kilowatt für den urbanen Bereich. "Der Weg in die Arbeit mit einem E-Bike kann Spaß machen - und man hat einen Parkplatz direkt vor der Türe."

ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold wies in seinem Schlusswort ausdrücklich darauf hin, dass die Fachleute ihre Expertise unbeeinflusst erstellt haben. Gemeinsam mit dem ARBÖ verlangte man von der Politik, dass bei allen Maßnahmen für den Klimaschutz auf deren soziale Verträglichkeit geachtet werden müsse.

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