Ex-HVB-Vorstände sollen Millionen Schadenersatz zahlen

München (APA/dpa) - Das Münchner Landgericht hat drei ehemalige Vorstände der Münchner HypoVereinsbank wegen fragwürdiger Geschäfte im vergangenen Jahrzehnt zu Millionenzahlungen an ihren ehemaligen Arbeitgeber aufgefordert.

Der Vorsitzende Richter Helmut Krenek empfahl nach langjährigem Rechtsstreit zwischen der Bank und ihren drei ehemaligen Topmanagern bei der mündlichen Verhandlung am Donnerstag einen Vergleich "in niedriger zweistelliger Millionenhöhe".

Die HypoVereinsbank hat die drei auf eine wesentlich höhere Summe von bis zu 180 Mio. Euro verklagt, wie zuvor das "Handelsblatt" berichtete. Doch hat die Bank keinerlei Aussichten, von ihren Ex-Führungskräften tatsächlich eine derart hohe Summe einzutreiben. Falls die Vergleichsverhandlungen scheitern, komme nur eine Verurteilung zu einer deutlich niedrigeren Schadensumme oder eine Abweisung der Klage in Betracht, sagte Krenek. Der Vorsitzende regte eine "für alle Seiten gesichtswahrende Lösung" an.

Der Ausgangspunkt des Streits liegt länger als ein Jahrzehnt zurück: Von 2005 bis 2008 hatten Londoner Investmentbanker der HVB sogenannte Cum/Ex-Aktiendeals rund um Dividendenstichtage so geschickt eingefädelt, dass der Fiskus nie gezahlte Kapitalertragsteuern in Höhe von etwa 100 Mio. Euro erstattete.

In München war durchaus aufgefallen, dass die Londoner Kollegen undurchsichtige Geschäfte tätigten: Die Londoner Abteilung wurde von den Beteiligten in der Münchner Zentrale "black box" genannt. Als die Steuerbehörden dem Manöver später auf die Schliche kamen, musste die Bank laut "Handelsblatt" über 100 Mio. Euro Steuern nachzahlen, außerdem gab es Bußgelder in zweistelliger Millionenhöhe und sehr hohe Anwalts- und Wirtschaftsprüferkosten.

Der heutige HVB-Vorstand will sich dieses Geld zurückholen - mit dem Argument, die drei Manager hätten bei der Kontrolle ihrer Untergebenen versagt und die Geschäfte nicht gestoppt. Die drei ehemaligen Vorstände erschienen nicht zu der Verhandlung und ließen sich von ihren Anwälten vertreten.

"Cum/Ex" wurde nicht nur bei der HVB praktiziert, sondern auch von vielen anderen Anlegern und Banken, der Gesamtschaden für den deutschen Fiskus soll sich auf bis 12 Mrd. Euro belaufen.

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.
 

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Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

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Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

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Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker