Evonik baut mit Milliardenzukauf US-Geschäft aus

Der deutsche Spezialchemie-Konzern Evonik übernehme Teile des US-Konzerns Air Products. 3,8 Milliarden Dollar legt Evonik dafür auf den Tisch. Damiit will der Chemiekonzern unabhängiger von Europa und Tierfutter werden. Strategiechef Kullmann auf Kurs zum Chefposten.

Essen/Düsseldorf. Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik ist bei seiner langen Suche nach einem Übernahmeziel fündig geworden. Evonik übernehme für 3,8 Milliarden US-Dollar (3,32 Mrd. Euro) eine Sparte des US-Konzerns Air Products, teilte der Konzern am Freitag mit

Der bisher vor allem auf Europa konzentrierte Konzern bekommt mit dem Zukauf einen stärkeren Zugriff auf den Markt in Nordamerika, auch in Asien legt Evonik zu. Zudem werden die Essener weniger abhängig vom Geschäft mit Zusatzmitteln für die Tiernahrung, das bisher für den Löwenanteil der Gewinne sorgt.

Evonik übernimmt mit dem Air-Products-Geschäft rund 1.100 Mitarbeiter, etwa 50 davon in der Bundesrepublik. Die Sparte hatte zuletzt einen Umsatz von etwa 1,08 Milliarden US-Dollar und einen operativen Gewinn (Ebitda) von rund 242 Millionen US-Dollar eingefahren. Sie produziert unter anderem Stoffe für Schäume, die in Möbeln oder Autos zum Einsatz kommen sowie Härtungsmittel für Bodenbeläge oder Schiffsbeschichtungen.

Die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaftete sie in Amerika, der Rest stammt zu fast gleichen Teilen aus Asien und Europa. Strategievorstand Christian Kullmann erklärte, mit dem "zusätzlichen Wachstumspotenzial in Amerika sind wir künftig weniger abhängig von konjunkturellen Schwankungen in Europa".

Evonik erwartet durch die Transaktion aber auch Steuervorteile in einer Höhe von rund 500 Millionen Dollar, zudem sollen jährlich Synergien in einer Höhe von rund 80 Millionen Dollar erzielt werden. Damit dürfte die Transaktion etwa dem zehnfachen des Ebitda entsprechen - diese Kennziffer gilt als Maßstab in der Frage, wie gut sich eine Übernahme für den Käufer rechnet.

Der Zukauf solle bei Evonik bereits vom kommenden Jahr an für ein Ansteigen des Ergebnisses je Aktie sorgen, hieß es weiter. Zudem lasse sie sich gut in die bestehenden Geschäfte der Essener integrieren. Evonik-Aktien lagen trotzdem am Nachmittag leicht im Minus.

Analysten hatten immer wieder kritisiert, Evonik hänge zu stark von den Zusatzstoffen für die Tiernahrung ab, die etwa in der Hühnermast zum Einsatz kommen. Zuletzt hatte den Essenern ein Preisverfall bei den Zusatzstoffen zu schaffen gemacht, der Konzern rechnet deshalb 2016 mit Rückgängen bei Umsatz und operativem Gewinn. Weniger zyklische Geschäfte wie die von Air Products würden deshalb gut zu dem Konzern passen, hatten Branchenexperten erklärt. Sollte die Transaktion doch noch abgesagt werden, muss Evonik nach Angaben des Verkäufers 190 Millionen Dollar Strafgebühr an Air Products zahlen.

Evonik-Chef Klaus Engel hatte in der Vergangenheit immer wieder eine aktive Rolle des Konzerns bei der Konsolidierung der Branche angekündigt. Das Unternehmen sitzt auf prall gefüllten Kassen - die Hälfte des Milliarden-Kaufpreises bestreitet Evonik nun aus eigenen Mitteln. Unter anderem hatte Evonik in der Vergangenheit die Konkurrenten DSM und Clariant ins Visier genommen, nun entschied sich der Konzern für den Zukauf in den USA. Die Chemiebranche ist in Bewegung. In den USA schmieden etwa Dow Chemical und DuPont einen neuen Branchengiganten.

Strategievorstand Kullmann hatte bei Evonik die Suche nach Übernahmezielen vorangetrieben. Er wurde nun zum stellvertretenden Vorstandschef berufen, wie Evonik mitteilte. Kullmann nimmt Insidern zufolge damit Kurs auf die Nachfolge von Konzernchef Klaus Engel, dessen Vertrag 2018 ausläuft.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro