Eurowings Europe steht vor Betriebsratsgründung

Wien/Düsseldorf (APA) - Eurowings Europe, Österreich-Tochter des deutschen Lufthansa-Konzerns, steht vor der Bildung eines Betriebsrats. Am Donnerstag soll nach einer Betriebsversammlung der Wahlausschuss stehen, Ende November/Anfang Dezember sollte dann der Betriebsrat gewählt werden, teilte vida-Gewerkschafter Johannes Schwarcz der APA am Montag mit. Kandidaten gebe es genug.

Vor diesem Hintergrund sei auch ein "offener Brief" der Belegschaft mit Vorwürfen gegen Eurowings zu sehen, der heute Montag im Branchenportal "Austrian Aviation Net" veröffentlicht wurde. Die Gewerkschaft vida kennt zwar die Autoren nicht, hält den Inhalt aber für "authentisch", die Vorwürfe, die darin erhoben werden, seien nachvollziehbar und im Wesentlichen der Gewerkschaft bekannt. Zugleich betonten zwei Gewerkschaftsvertreter im Gespräch mit der APA, dass sie erst durch die Veröffentlichung von dem Schreiben erfahren hätten. Oft seien es nicht unbedingt gesetzeswidrige Verhaltensweisen, die angeprangert werden, sondern es handle sich um eine "Grauzone". Wobei klar sei, dass derzeit die Belegschaft nicht als Block organisiert ist, es handle sich daher wohl um eine Gruppe oder mehrere Gruppierungen innerhalb der Belegschaft.

Von Eurowings hieß es auf APA-Anfrage: "Der Brief ist uns bekannt. Auf den ersten Blick enthält er in weiten Teilen falsche Behauptungen. Wir halten uns zu 100 Prozent an das geltende Recht und Gesetz des jeweiligen Landes, in dem sich einer unserer Flugbetriebe beziehungsweise einer unserer Standorte befindet. Außerdem ist Sicherheit jederzeit oberste Priorität für alle Flugbetriebe der Eurowings und der Lufthansa Group. Zu weiteren Behauptungen im Brief können wir uns aktuell noch nicht äußern. Wir wollen den Brief in seiner Gesamtheit zunächst einer faktischen und rechtlichen Bewertung unterziehen."

Das mit "Eure Kollegen von Eurowings Europe" unterzeichnete Schreiben wendet sich ausdrücklich an "Kollegen der Air Berlin" und anderer Airlines, die überlegen, zu Eurowings zu wechseln - und rät von so einem Wechsel ab. "Wir empfehlen euch daher ... euer Glück bei einer seriöseren Firma zu suchen", heißt es dort. So gelte der irische Billigflieger Ryanair als wenig sozialer Arbeitgeber, aber "wenn man die Mitarbeiter von Eurowings Europe fragen würde, würden die meisten, sofort zu Ryanair wechseln", heißt es in dem Schreiben.

Bei Eurowings Europe mit Standorten in Wien, Salzburg, München und Palma gebe es derzeit keinen Betriebsrat, keine Tarifverträge und keinerlei Mitbestimmung durch die Mitarbeiter. "Dies führt dazu, dass der Arbeitgeber machen kann, was er will, was auch maximal ausgenutzt wird", so das Schreiben. Für die gleiche Arbeit gebe es Unterschiede bei Urlauben, Gehalt oder anderen arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen. Der Arbeitgeber versuche "immer die jeweils nach Landesrecht maximal schlechtestmöglichen Konditionen zu etablieren". Besonders kritisch sehen die Autoren die Bedingungen in Palma. So gebe es bei einer Stationierung in Palma für Krankenstandstage Abzüge beim Grundgehalt. Das führe dazu, dass Kunden nicht sicher sein könnten, dass die Crew wirklich fit ist. Auch sonst sei die Krankenversicherung in Spanien schlecht. Dazu komme, dass für die Aufstufung vom Copiloten zum Piloten oft die Bedingung sei, einer Stationierung in Palma mit dortigen Konditionen zuzustimmen.

Zusätzlich werde das Personal bei Eurowings nun unter Druck gesetzt, dass die Kosten nicht höher sein dürften als bei dem österreichischen Billigflieger Niki, der gerade von der insolventen Air Berlin übernommen wird. "Das System der Wings-Gruppe und vor allem der Eurowings Europe beruht darauf, Druck auf die Mitarbeiter auszuüben, Ängste zu schüren und die einzelnen Mitarbeitergruppen der verschiedenen Flugbetriebe gegeneinander auszuspielen", heißt es in dem Schreiben auf der Seite von "Austrian Aviation Net".

Für die Gewerkschaft vida, die den Versuch mit Eurowings Europe einen Kollektivvertrag zu verhandeln auf Eis gelegt hat, sind zwei Punkte besonders kritisch und "sicherheitsrelevant" - auch wenn sie nicht gesetzeswidrig sind. Das eine ist der Lohnverlust bei Krankenständen, der Mitarbeiter dazu bringt zu fliegen, auch wenn sie nicht fit sind. Der andere ist die Verweigerung einer Lizenzverlustversicherung - also einer Versicherung für die Piloten, sollten sie durch Krankheit fluguntauglich werden und damit ihren Job verlieren. Gerade nach der Germanwings-Katastrophe, wo ein psychische kranker Pilot seine Probleme verheimlicht hatte, sei das unverständlich, meint man bei der vida. Diese Punkte seien zwar nicht illegal, aber auch "nicht das, was wir von Lufthansa erwarten". Die Gewerkschaft kritisiert auch, dass Beförderungen bei Eurowings intransparent ablaufen, während sie bei anderen Airlines in der Regel am Dienstalter hängen.

Wien (APA) - In den heimischen Klein- und Mittelbetrieben (KMU) wird die Geschäftslage weiter als gut beschrieben. Eine Umfrage der Creditreform ergab allerdings, dass die Umsatzkurve des österreichischen Mittelstandes im Herbst 2018 eine Delle auf hohem Niveau bekommen hat.
 

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Heimische KMU melden Umsatzdelle auf hohem Niveau

Wien/Berlin/Leonding (APA) - Der börsennotierte oberösterreichische Feuerwehrausstatter Rosenbauer will zusammen mit der Berliner Feuerwehr in den kommenden zwei Jahren ein hybrides Elektrolöschfahrzeug entwickeln.
 

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Rosenbauer arbeitet mit Berliner Feuerwehr an Elektro-Löschfahrzeug

Wien (APA) - Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) sorgt sich um den Einfluss seiner Partei in der Nationalbank. In einer Kurznachricht, die versehentlich an den politischen Mitbewerber ging, schreibt er, die vom Finanzministerium geplante Verlagerung der Bankenaufsicht in die FMA würde die Bestellung von 4 Direktoren im OeNB-Direktorium unterlaufen und bezwecke "unsere Macht dort zu schwächen".
 

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Strache kämpft per Kurznachricht um Einfluss in der Nationalbank