Europas Leitbörsen erleben einen groß angelegten Ausverkauf

Frankfurt am Main - Die europäischen Leitbörsen haben zum Wochenausklang deftige Abschläge hinnehmen müssen.

Zum Wochenabschluss sorgte ein Ausfall beim Marktdaten- und Nachrichten-Dienstleister Bloomberg für weltweite Aufregung auf den Finanzmärkten. Marktteilnehmern zufolge tat sich zwei Stunden lang weitgehend nichts mehr auf den Bildschirmen. Kurse zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren seien nicht verfügbar gewesen. Händlern zufolge war die Panne einer der Gründe für den rasanten Rutsch an den europäischen Börsen.

Auch abseits der Bloomberg-Terminals wurden Ursachen für den rasanten Kursverfall gesucht. Einige Investoren zeigten sich von einem möglichen "Grexit", also einem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone besorgt. Analysten beschrieben die Situation als "höchst problematisch", die Risiken würden momentan zunehmen. Anleger hätten sich darauf nicht vorbereitet, führten sie aus. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis sprach sich unterdessen für den Verbleib des hoch verschuldeten Landes in der Eurozone aus. Gedankenspiele über einen Austritt seien "zutiefst anti-europäisch" sagte Varoufakis noch am Donnerstag in Washington. Die Anleger suchten dennoch sichere Anlagen auf, die Renditen von deutschen Anleihen fielen auf Rekordtiefs.

Wenig Überraschung brachten unterdessen die neuen Zahlen zur Preisentwicklung in den USA und Europa. Im März wurde in der Eurozone im Vergleich zum Vorjahr ein Preisrückgang von 0,1 Prozent beobachtet. Damit wurde keine Veränderung gegenüber den vorläufigen Zahlen publiziert. In den USA fiel der Preisauftrieb knapp unter den Erwartungen der Ökonomen aus. Im Vergleich zum Vormonat wurde statt der prognostizierten 0,3 Prozent ein Preisauftrieb von 0,2 Prozent beobachtet. Im Vergleich zum März 2014 fielen die Preise dagegen um 0,1 Prozent. Ökonomen hatten eine Inflationsrate von null Prozent erwartet.

Unter den Einzelwerten schnitten die Titel des Nahrungsmittelriesen Nestle besser ab als der Markt. Die Nestle-Aktien kamen mit einem Minus von 0,85 Prozent davon. Das Unternehmen erreichte ein Umsatzplus von 0,5 Prozent auf 20,9 Mrd. Franken trotz der starken Schweizer Währung. Bereinigt um Währungseffekte und Zu- und Verkäufe wäre das Plus sogar bei 4,4 Prozent gelegen. Analysten hatten bereits mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet.

Vielbeachtet waren am Freitag auch die Aktien des Autobauers Volkswagen. Das Präsidiums des Aufsichtsrat sprach dem Vorstandschef Martin Winterkorn trotz einer Attacke des Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech das Vertrauen aus. Der Vertrag Winterkorns solle sogar verlängert werden, hieß es weiter. Die Absatzzahlen der Wolfsburger wussten jedoch nicht zu überzeugen. Im März wurden zwar um gut zwei Prozent mehr Fahrzeuge ausgeliefert, allerdings verzeichnet die Hausmarke VW seit einem halben Jahr sinkende Verkaufszahlen, die von den Schwesterfirmen derzeit ausgeglichen werden. Besonders im wichtigen chinesischen Automarkt scheint VW die Luft auszugehen. Die Titel büßten 1,12 Prozent ein.

Im Branchenvergleich schnitten am Freitag Chemieunternehmen besonders schwach ab. Der starke Dollar und ein witterungsbedingt langsamer Start in die US-Anbausaison haben den Schweizer Agrarchemiekonzern Sygenta den Jahresauftakt verhagelt. Der Umsatz sank im ersten Quartal auf 4,0 Mrd. Dollar. Im Vorjahr standen noch 4,7 Mrd. Dollar zu Buche. Damit blieb Sygenta auch deutlich hinter Analystenschätzungen zurück. An der Prognose wollte das Unternehmen jedoch festhalten. Die Titel fielen um klare 4,40 Prozent.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma