Europäisches Biobanken-Netzwerk streckt Fühler nach Afrika aus

Europäisches Biobanken-Netzwerk streckt Fühler nach Afrika aus

Biobanken - Sammlungen von Proben wie u.a. Blut und Plasma, Gewebe, Speichel - sind wichtige Grundlage für die medizinische Forschung. Wissenschafter der Med-Uni Graz sind federführend am Aufbau des europäischen Biobanken-Netzwerkes tätig. Nun wollen die europäischen Forscher u.a. von Graz aus die Kooperation mit afrikanischen Biobanken und Biomedizinischen Institut vorantreiben.

In Biobanken werden biologische Proben und dazu gehörige Daten gesammelt, bearbeitet und gelagert. Das Material dient der Erforschung von Krankheiten und bildet die Basis für zielgerichtet auf die Patienten zugeschnittene Therapie. Die Med-Uni Graz verfügt mit ihrer Biobank mit rund 4,5 Millionen Proben von u.a. erkranktem und gesundem Gewebe, Blut und anderen Körperflüssigkeiten über eine der wertvollsten Sammlungen europaweit.

Seit rund zehn Jahren bemüht sich der Grazer Pathologe Kurt Zatloukal mit europäischem Fördergeld ein europaweites Netzwerk der Biobanken und biomolekularer Infrastruktur aufzubauen. Dadurch sollen Forscher auf möglichst viele Proben zurückgreifen können, um verlässliche statistische Analysen durchzuführen, wie Zatloukal gegenüber der APA erläuterte. Koordiniert wird dieses europäische Biobanken-Netzwerkes BBMRI (Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure) von Graz aus. Nun werden sehnsuchtsvolle Blicke in Richtung Afrika geworfen.

Laut Zatloukal, Direktor des nationalen BBMRI-Netzwerkknotens, sind die sich rasant entwickelnden afrikanischen Biobanken von unschätzbaren Wert: Zum einen weise die afrikanische Bevölkerung die größte genomische Vielfalt auf und liefere schon so eine unglaubliche Quelle um die biomedizinische Forschung voranzutreiben. "Zum anderen ist der Kontinent noch immer ein Ursprungskontinent vieler Infektionserkrankungen", erläuterte der Grazer Pathologe. "Und es gibt dort hoch qualifizierte Forscher", betonte Zatloukal.

Hürden beim Aufbau

Wissenschafter aus dem europäischen Netzwerk und Afrika arbeiten nun - wieder mit europäischer Förderung - an der Vernetzung der jeweiligen Infrastrukturen. "Die USA haben das Potenzial, das in der Kooperation mit den afrikanischen Forschern und ihrer Infrastruktur steckt, viel früher erkannt als Europa - aber wir sind auf einem guten Weg der Zusammenarbeit", schilderte Zatloukal.

Dabei steht man vor ähnlichen Herausforderungen, wie vor ein paar Jahren noch auf europäischer Ebene: In der praktischen Umsetzung bringen Aufbau und Betrieb einer Biobanken-Kooperation nämlich einige Hürden mit sich: Neben der Standardisierung der Abläufe bei Probennahme und -konservierung, Dokumentation, Analyse und Datenverarbeitung müssen ethische, rechtliche und politische Rahmenbedingungen berücksichtigt und abgestimmt werden, so Zatloukal: "Dazu gehören beispielsweise Fragen des Datenschutzes oder die Frage, wer auf die gesammelten Daten zugreifen darf."

Es gehe auch um die Erstellung von Trainings- und Ausbildungsmaterial sowie entsprechende Software-Tools für die Biobanken. Die Med-Uni Graz leitet im Gesamtprojekt den Bereich "Integration und Support", in dem alle Tools zusammengeführt und eine Demoplattform aufgebaut wird. In Zukunft werde eine Biobank aus biologischen Proben aber auch aus "Big Data" neue Biomarker und Medikamente entwickeln, "im Projekt erstellen wir dafür wichtige IT-Bausteine mit deren Hilfe beispielsweise eine Biobank für Infektionskrankheiten wie Ebola aufgebaut werden kann", wie der Grazer Professor umriss.

Im Projekt "B3Afrika" haben sich elf Partnerinstitutionen aus Frankreich, Kenia, Nigeria, Schweden, Südafrika, Österreich und Uganda zusammengeschlossen, um die Biobankenvernetzung und die gemeinsame Forschung zu verbessern. Die Koordination hat die schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala über. Das Projektvolumen beträgt rund zwei Millionen Euro bis 2017. Ab dem 19. Juni tagen die Projektpartner in Graz.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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