Erste sieht Russland vor Fußball-WM auf attraktives Anlageziel

Wien (APA) - Die Aktienstrategen der Erste Asset Management (EAM) beurteilen vor Beginn der Fußball-WM in Russland die Aussichten für den russischen Aktienmarkt tendenziell positiv. Für Investments in russische Aktien spreche deren günstige Bewertung, die hohe Dividendenrendite und solide Gewinnaussichten. Negativ auswirken würden sich dagegen die Sanktionen, die nicht sobald zurückgenommen werden dürften.

"Die Aussichten für Russlands Wirtschaft und Aktien sind besser als die Chancen, Fußballweltmeister zu werden", sagte Peter Szopo, auf den russischen Markt spezialisierter Aktienstratege der EAM, am Montag bei einem Pressegespräch in Wien. Der russische Aktienmarkt sei riskant und volatil. In den vergangenen 20 Jahren habe der Ertrag pro Jahr rund 15 Prozent betragen, in den vergangenen zehn Jahren aber minus 5 Prozent. Im vergangenen Jahr konnte dagegen wieder ein Plus von fast 12 Prozent lukriert werden.

Die russische Wirtschaft habe vom schwachen Rubel profitiert und sich von der jüngsten Rezession erholt. Für 2018 und 2019 werde ein positives Wirtschaftswachstum erwartet. Die Erholung der Öl- und Rohstoffpreise würde diese Erholung stützen. Allerdings werde das Wachstum mit etwa 1,8 Prozent für 2018 bzw. 1,0 Prozent für 2019 - mit Potenzial nach oben - deutlich geringer ausfallen als das globale Wachstum von rund 4 Prozent im Jahr 2018.

Hauptgrund dafür seien die gegen Russland gerichteten westlichen Sanktionen. "Die Chance, dass sie zurückgenommen werden, ist sehr gering", sagte Szopo. Schon in der Vergangenheit hätten die USA Sanktionen rasch eingeführt aber nur sehr zögerlich wieder abgeschafft. Die Auswirkungen der Sanktionen seien gegenüber den Rohstoffpreisschwankungen zuletzt aber sekundär geblieben. Die Korrelation zwischen russischem Wirtschaftswachstum und Erdölpreisen mache dagegen über 70 Prozent aus.

Makroökonomisch zähle Russland nicht zu den "fragilen" Volkswirtschaften, die durch höhere US-Zinsen und den stärkeren US-Dollar unmittelbar unter Druck geraten. Die letzte Runde der US-Sanktionen sei aber insofern negativ für Aktieninvestments, weil durch die "Oligarchen"-Sanktionen speziell börsenotierte Unternehmen ins Visier genommen wurden.

Die neue russische Regierung unter "Putin 4.0" zeige nur verhaltene Reformbereitschaft und stehe für Stabilität. Es gebe keine massiven fiskalischen Impulse. Im Vergleich zur Türkei habe Russland makroökonomisch eine gute Entwicklung gemacht. Die Gesamtverschuldung sei reduziert und Währungsreserven aufgebaut worden. Die Staatsschuldenquote betrage nur 17,5 Prozent.

Alexandre Dimitrov, Chef-Fondsmanager des bankeigenen Russlandfonds (Espa Stock Russia), sieht den russischen Aktienmarkt derzeit günstig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liege zwischen 6 und 7 und damit um mehr als 40 Prozent unter den Schwellenmärkten. Dazu komme eine attraktive und gut abgesicherte Dividendenrendite von über 6 Prozent. Unterjährige Gewinnrevisionen und Ölpreisentwicklungen werden den Aktienmarkt zudem vermutlich stützen. Empfohlen werden Aktien exportorientierter Unternehmen mit gesunden Bilanzen - vor allem aus dem Energie- und Rohstoffsektor.

Russland könne aber wegen der vielen Unsicherheiten und Sanktionen nicht als Anlagefavorit bezeichnet werden. "Jede Annäherung an die EU oder die USA würde sich aber positiv auswirken", so der Anlageexperte.

Generell könnte die Fußball-WM für das Sentiment gegenüber Russland gut sein, wichtiger wäre jedoch eine geopolitische Entspannung. Die Abhängigkeit vom Öl werde sich langfristig nicht ändern. "Öl gibt es einfach, so wie in Österreich den Tourismus", so Szopo.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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