Erste Group: Mittelosteuropa hat sich von Schwellenländern entkoppelt

Die Wachstumsdynamik in Mittel- und Osteuropa (CEE) hat sich weitgehend von jener in den globalen Schwellenländern entkoppelt, so eine Studie der Erste Group. Die Region profitiert dabei von niedrigen Ölpreisen, stabilen Währungen und ihrer aktuellen Phase der Konjunktur- und Finanzzyklen. Das Wachstum wird 2016 etwas geringer als 2015, aber fast doppelt so hoch wie in der Eurozone erwartet.

Für Mittel- und Osteuropa rechnen die Experten heuer mit einem Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent (nach 3,4 Prozent 2015). Für den Euroraum wird ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nur 1,6 Prozent prognostiziert. Als CEE-Region werden in der Studie die folgenden acht Länder behandelt: Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Polen, Serbien und Slowenien.
Für das laufende Jahr erscheine der Wachstumsausblick für die CEE-Region etwas gedämpfter, da sich der Zufluss an EU-Mitteln vermutlich etwas abschwächen werde und es Fragezeichen bei der Auslandsnachfrage gebe. Der Privatkonsum sollte sich aufgrund solider Beschäftigungszuwächse und Reallohnsteigerungen jedoch noch weiter beleben, heißt es in einer Pressemitteilung von heute, Mittwoch. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sei 2015 erstmals seit 2009 in den einstelligen Bereich gefallen. Für 2016 wird ein weiterer Rückgang auf 8,6 Prozent im Durchschnitt der acht Länder erwartet. Die Verbraucher hätten von Inflationsraten um null Prozent profitiert, was für die Haushalte eine höhere Kaufkraft bedeute. Die CEE-Länder seien Nettoenergieimporteure, der Ölpreisrückgang daher wachstumsfördernd.
Die CEE-Länder und Schwellenländer, zu denen Brasilien, Russland, Indien, China aber auch Indonesien, Mexiko und die Türkei zählten, befänden sich in unterschiedlichen Phasen ihres Konjunkturzyklus. "Das ist der Hauptgrund dafür, dass die globale Wirtschaftsabschwächung diese beiden Gruppen unterschiedlich stark trifft", so Juraj Kotian, Head of CEE Macro/FI Research und einer der Verfasser der Studie.
2010 bis 2015 hätten die globalen Schwellenmärkte eine sehr starke Dynamik gezeigt, während das Wachstum in CEE vergleichsweise verhalten geblieben sei, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dass die CEE-Volkswirtschaften ihr Potenzial erst heuer oder 2017 voll ausschöpfen würden, blieben sie noch weit vom Höhepunkt ihres Konjunkturzyklus entfernt. "Aus diesem Grund sind die CEE-Märkte auch weniger gefährdet, von einem Konjunkturabschwung ähnlich hart wie in der Rezession des Jahres 2009 getroffen zu werden."

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