Ergo prüft Verkauf von ehemaliger Hamburg-Mannheimer

Wien/Düsseldorf (APA) - Die ehemaligen Lebensversicherer Hamburg-Mannheimer und Victoria könnten bald in neue Hände kommen. Der deutsche Versicherungskonzern Ergo liebäugelt nun doch mit einem Verkauf der beiden Töchter Ergo Leben und Victoria Leben mit zusammen rund sechs Millionen Policen.

"Wir wollen uns umfassende Informationen beschaffen, wie hoch das Interesse ist und ob wir eine tragfähige Lösung und einen attraktiven Preis erzielen könnten", sagte ein Sprecher der Münchener-Rück-Erstversicherungstochter. "Falls wir ein gutes Angebot bekommen, würden wir uns das genau ansehen." Ergo habe sich aber nicht auf einen Verkauf oder einen Preis dafür festgelegt.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in der Mittwochausgabe über die Pläne. Dem Bericht zufolge schätzen Experten den Kaufpreis auf deutlich über eine Milliarde Euro. Unter den Interessenten seien chinesische und britische Investoren sowie US-Hedgefonds. Rund 1.000 Mitarbeiter wären von einem Verkauf betroffen. Ergo habe mit der Prüfung die Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson beauftragt, sagte zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Der für das Leben-Geschäft zuständige Ergo-Vorstand Clemens Muth erklärte im Intranet des Versicherers zu dem Thema: "Eine effiziente Verwaltung mit kompletter Kostentransparenz schafft dann das Potenzial, auf dieser Plattform auch Bestände Dritter zu verwalten. Und dies innerhalb oder auch außerhalb unserer Gruppe."

Die beiden Leben-Töchter schreiben kein Neugeschäft mehr. Ergo verkauft neue, meist fondsgebundene Lebensversicherungen nur noch ohne Garantien über eine andere Tochter. Die Victoria Leben hatte das Neugeschäft bereits 2010 eingestellt, die aus der Hamburg-Mannheimer hervorgegangene Ergo Leben seit 2016. Sie sitzen aber noch auf großen Altbeständen, für die Ergo zum Teil hohe garantierte Zinsen zahlen muss. Das bindet Kapital. Mehrere Finanzinvestoren haben sich auf die kostengünstige Abwicklung ("Run-off") solcher Portfolien konzentriert.

Einen Verkauf eines so großen Bestandes - die Rede ist von rund 56 Milliarden Euro an Kapitalanlagen - hat es aber bisher in Deutschland nicht gegeben.

Ergo-Chef Markus Rieß hatte sich vor gut einem Jahr eigentlich entschieden, die Bestände selbst abzuwickeln. Inzwischen habe der Run-off-Markt aber an Fahrt gewonnen, erklärte der Ergo-Sprecher. Die Münchner Generali Deutschland prüft nach Reuters-Informationen derzeit ebenfalls, ob sie ihre Tochtergesellschaft Generali Leben mit vier Millionen Verträgen einem Dritten zur Abwicklung überlassen soll.

Auf dem deutschen Markt tummeln sich als Abwickler kleinerer Portfolien bereits Viridium (dahinter stecken der Finanzinvestor Cinven und der Rückversicherer Hannover Rück), Frankfurter Leben unter der Führung der chinesischen Fosun und Athene. Letztere hat mit ihren Investoren wie Apollo kürzlich zwei Milliarden Euro für Übernahmen in Europa eingesammelt. Lebensversicherer stehen angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen unter Druck. Auch die Finanzaufsicht BaFin unterstützt daher den Umstieg auf Policen ohne Garantien. Sie achtet aber darauf, dass die Kunden bei einem Verkauf der Altbestände nicht schlechter gestellt werden.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro