Das superreiche Emirat Katar folgt seiner eigenen politischen Logik

Das reiche Emirat Katar lässt mit seiner Diplomatie und seinen Beziehungen international immer wieder aufhorchen: In der Hauptstadt Doha unterhalten die afghanischen Taliban sowie die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas ein Verbindungsbüro. Dem Hamas-Chef Khaled Mashaal gewährte der Golfstaat Zuflucht - sowie einem Dutzend führender ägyptischer Muslimbrüder auch.

Zugleich fliegt Katar Seite an Seite mit den USA und anderen Staaten Angriffe auf die jihadistische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die weite Teile im bürgerkriegserschütterten Syrien und im Krisenland Irak kontrollieren. Auf katarischem Territorium unterhält das US-amerikanische Militär einen geostrategisch äußerst wichtigen Stützpunkt, der auch von anderen Ländern wie Großbritannien oder Australien genutzt wird.

Durch die Aufnahme der ägyptischen Muslimbrüder in das Emirat, legte sich Katar mit den anderen Golfstaaten und dem mächtigen Königreich Saudi-Arabien an. Sowohl Bahrain, als auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien hielten davon nichts und zeigten dies, indem sie im März 2014 beschlossen, ihre Botschafter aus Katars Hauptstadt Doha abzuziehen. Mittlerweile haben viele der führenden Muslimbrüder-Persönlichkeiten das Land verlassen, die Botschafter der drei Länder kehrten im November wieder nach Doha zurück - die Beziehungen zwischen den Golfstaaten haben sich entspannt.

Die Strategie des Emirats scheint oftmals verwirrend für Außenstehende, der Eindruck einer gewissen Doppelbödigkeit kann leicht entstehen. Der britische Katar-Experte David Roberts setzt dem im APA-Gespräch eine durchdachte, "sehr personalisierte" Strategie des Staatsoberhaupts, dem Emir des Golfstaats, entgegen. Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, dem Mitte 2013 von seinem Vater Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani die Macht übertragen worden war, trat in die Fußstapfen seines Vaters - und führe dessen Politik der Beziehungen in alle Richtungen in sehr ähnlichem Stil fort.

Einen Pfeiler der Strategie mache die immer wieder sehr umstrittene Anerkennung islamistischer und extremistischer Gruppierungen aus: "Die Elite Katars hat begriffen, dass diese Gruppen existieren - ganz gleich, ob die Kataris sie mögen oder nicht", erklärte Roberts, der zwischen 2011 und 2013 als Direktor des Büros vom britischen "Royal United Services Institute for Defense and Security Studies" (RUSI Qatar) in Doha tätig war.

Die Führungsriege des superreichen Golfstaats mit weniger als 300.000 Staatsbürgern habe sich dazu entschieden, jene Gruppen nicht zu unterdrücken, sondern mit ihnen das Gespräch zu suchen. Zudem existierten Anhänger einer besonders rigiden Auslegung des Islam im Nahen und Mittleren Osten - und diese müssten repräsentiert werden.

"Die Taliban etwa sind eine mächtige Gruppe mit großem politischen Einfluss. Und Katar ist der Meinung, man müsse mit ihnen Beziehungen haben", so Roberts, der zurzeit am King's College London in der Abteilung für Verteidigungsstudien lehrt. Das Gleiche gelte auch für die guten Beziehungen zur Hamas. Das Emirat sei der Ansicht, dass es bisher kaum etwas gebracht hat, Gruppierungen wie die Muslimbrüder oder die Taliban repressiv zu unterdrücken oder zu jagen. Ganz im Gegenteil hätten Repressionen nach Ansicht der Kataris nur zu einer Verstärkung des Extremismus beigetragen, erklärt Roberts.

Dieses Vorgehen erinnere ihn an die Beilegung des Konflikts zwischen der IRA ("Irisch-Republikanische Armee"), die für die Unabhängigkeit Irlands kämpfte, und der britischen Regierung. Erst als London Gespräche mit der IRA begonnen habe, konnte eine Lösung gefunden werden. Der den Verhandlungen zugrunde liegende Gedanke von Regierungsseite dazu lautete Roberts zufolge in etwa: "Wir mögen sie nicht, wir sind nicht mit ihnen einverstanden, aber wir müssen mit ihnen reden."

Durch seine Beziehungen in alle Richtungen habe Katar einen wichtigen Nischenplatz in einer Region voller Krisen eingenommen. Der Golfstaat spiele oftmals eine "zentrale Rolle" bei Freilassungsabkommen. Katar verhandelte etwa mit der radikal-islamischen Al-Nusra-Front und konnte so mehr als ein Dutzend syrischer Nonnen befreien. Bei der Entlassung des US-Soldaten Bowe Bergdahl nach fünf Jahren Taliban-Geiselhaft in Afghanistan spielte Katar ebenfalls eine Schlüsselrolle.

"Die Natur der Beziehungen von Katar, etwa zur Al-Nusra, kennen wir nicht", so Roberts. "Aber es braucht Staaten und Leute, die derartige Kontakte haben, und Katar spielt diese Rolle sehr gut." Der kleine, superreiche Golfstaat habe sich Nischen gefunden, mit denen er sich international unentbehrlich gemacht habe. Das kehrte vergangenen Herbst auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit dem Emir von Katar hervor: Das Emirat habe die Funktion eines Landes, das "Gesprächskontakte in alle Richtungen hat", sagte sie damals.

"Katar ist ein sehr sicherer Staat und muss sich um seine eigene Sicherheit keine Sorgen machen", erklärte Roberts mit Blick auf die militärischen Beziehungen zu den USA, den weniger als 300.000 Staatsbürgern des Landes sowie den Erdöl- und Erdgasvorkommen, die Katar zu einem der reichsten Länder der Welt aufsteigen ließen. Innenpolitisch sei das Land, "in keinster Weise eine Demokratie". Zudem sei es nur wenigen Zwängen unterworfen, da das Emirat erst 1991 seine Unabhängigkeit erlangte. Deshalb sei der bürokratische, administrative Apparat noch nicht so alt gewachsen und deshalb gebe es auch nach außen hin wenige Zwänge, so Roberts. All diese Faktoren trügen dazu bei, dass Katar eine "freie Hand" in der Ausgestaltung seiner Politik habe.

Zurzeit wird darüber spekuliert, ob Hamas-Chef Mashaal aus Doha ausgewiesen worden ist. Die Hamas selbst bestritt derartige Berichte, diese enthielten "keine Wahrheit". Nach Einschätzung Roberts befindet sich Mashaal noch in Doha, dass jener zumindest vorübergehend in die Türkei übersiedle, ist denkbar. Ausweisen würde Katar den Hamas-Chef jedenfalls nicht.

Aufgrund des wachsenden Drucks auf Katar verließen nach Schätzung von Roberts bisher fünf bis zehn führende Köpfe der ägyptischen Muslimbruderschaft das Land. Das Emirat habe sie aber nicht des Landes verwiesen, sondern sie seien freiwillig gegangen, zeigte sich der Experte überzeugt. Seiner Einschätzung nach ist die Regierung Dohas im Guten mit ihnen verblieben. Sie nahmen ihren Hut, damit sich die Beziehungen zwischen den Golfstaaten wieder entspannen können.

Der Zwist zwischen Golfstaaten wurde auch im Vorfeld der Handball-WM, die ab 15. Jänner in Doha ausgetragen wird, sichtbar. Nach dem Abzug ihrer Botschafter aus Katar, sagten die VAE und Bahrain ohne Angabe von Gründen bzw. wegen technischer Probleme ihre WM-Teilnahme ab. Kurz danach war alles wieder anders: Denn nachdem Saudi-Arabien, die VAE und Bahrain ihren Streit mit Katar mit der Rückkehr ihrer Botschafter beilegen konnten, wollten die VAE und Bahrain ihre WM-Startplätze wieder zurück. Der Handball-Weltverband lehnte ab und nominierte stattdessen Island und Saudi-Arabien.

Das primäre Forschungsinteresse des Katar-Experten David Roberts gilt der Außenpolitik des Emirats Katar sowie dem grundlegenden Begreifen der politischen Strategien des Landes. Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Beziehungen, der Sicherheitspolitik sowie der jeweiligen Innenpolitik der Golfstaaten sowie Fragen wie der zukünftigen Sicherheitspolitik und einer aufkommenden Militärstrategie in der Golfregion und der Beziehung zu Ostasien mit Blick auf Beziehungen im Energiesektor. Zum Thema publizierte der Katar-Experte bereits mehrere Artikel.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro