E-Control: Stromkunden müssen bei Energiewende aktiv mithelfen

Wien (APA) - Damit die Energiewende und die Dekarbonisierung gelingen, müssen auch die Stromkunden aktiv mittun, indem sie selbst Strom erzeugen, speichern und überlegter verbrauchen, sagt Energie-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Dem steht aber entgegen, dass viele Menschen große Wissenslücken haben, was ihren Energiekonsum angeht, wie die E-Control in Studien herausgefunden hat.

"In allen Dokumenten, in denen es darum geht, wie die Energiemärkte und insbesondere die Strommärkte der Zukunft aussehen, ist von den aktiven Kunden die Rede", sagte Urbantschitsch am Mittwochabend bei einem Pressegespräch in Wien. Um herauszufinden, wie eine Beteiligung der Energiekunden erreicht werden kann, habe man zwei Untersuchungen in Auftrag gegeben und daraus auch wichtige Erkenntnisse gewonnen, sagte der Energieregulator.

"Der springende Punkt ist: Es muss freiwillig geschehen", sagt Urbantschitsch. "Man soll sicher niemanden dazu zwingen, irgendwelche besonderen Nutzungsverhalten an den Tag zu legen. Alles, was mit Tageszeit-variablen Tarifen zusammenhängt, bei denen die Kunden gezwungen sind, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen, weckt Erinnerungen an die alte Nachtspeicher-Heizung oder an andere Verpflichtungen, die man auferlegt bekommt."

Die Anreize müssten positiv sein, entweder monetär oder auch durch das Bewusstsein, als Stromkunde zum Umweltschutz beizutragen und unabhängiger und selbstbestimmter zu sein, "um nicht das Wort Autarkie zu bemühen. Die vollständige Autarkie im Energiebereich wird es nicht geben, nicht in sinnvoller und ökonomisch darstellbarer Weise."

"Das Ganze ist auch etwas, wo man jedenfalls in die Masse gehen muss. Wir sehen ein wenig den Vergleich mit der Mülltrennung, die vor vielen Jahrzehnten begonnen hat und wo die Menschen verinnerlicht haben, dass man einen Beitrag leisten kann für die Umwelt." Aus der Sicht der E-Control als Regulierungsbehörde müsse man auch unbedingt auf soziale Verträglichkeit achten. Derzeit könnten vor allem jene aktiv an den Energiemärkten teilnehmen, die das Geld dafür haben, sagte Urbantschitsch. "Das sind die, die Photovoltaik-Anlagen haben, die Elektroautos fahren." Man müsse aber auch auf jene achten, die das nicht unmittelbar können, damit sie nicht benachteiligt werden. "Darum streben wir auch an, dass die Netztarif-Struktur in die Richtung geändert wird, dass sich nicht die optimieren, die weniger Strom aus dem öffentlichen Netz entnehmen und niedrigere Netzentgelte bezahlen." Wer 24 Stunden am Tag die Möglichkeit habe, jederzeit sofort Strom aus dem Netz zu beziehen, müsse auch einen fairen Anteil dafür bezahlen.

Konkret habe sich bei der Online-Befragung von 1.000 Haushalten gezeigt, dass es mit dem Wissen der Kunden über den Strommarkt nicht sehr gut bestellt sei, sagt Christina Veigl-Guthann, Leiterin der Endkunden-Abteilung bei der E-Control. "Es gibt große Wissenslücken. Aber die Voraussetzung dafür, dass sich Menschen mit dem aktiven Konsum auseinandersetzen, ist ja zunächst einmal, sich überhaupt mit dem Verbrauch auseinanderzusetzen." Viele Menschen hätten nach wie vor keinen großen Bezug zu ihrer Stromrechnung und ihrem Stromverbrauch. "Sie haben kein Gefühl dafür, was eine Kilowattstunde ist." So werde etwa der Stromverbrauch für Beleuchtung extrem überschätzt. Während der tatsächliche Verbrauchsanteil der Beleuchtung bei etwa 8 Prozent liege, hätten fast zwei Drittel der Befragten den Anteil auf mehr als ein Viertel des Gesamtverbrauchs geschätzt. Für Preisvergleiche könne sich nur ein Drittel der Befragten begeistern.

In der Rangliste der Motive für einen bewussteren Stromverbrauch "führt Geld, dann kommt die Umwelt", sagte Veigl-Guthann. "Systemdienliches Verhalten ist nicht so der Motivator und auch die sozial erwünschten Verhaltensweisen nicht, die wurden an letzter Stelle genannt." Auch beim Anbieterwechsel zeige sich: "Wenn's drauf ankommt, ist das Einsparungspotenzial das relevante Kriterium", ergänzte Urbantschitsch.

In der Kommunikation sei es nun wichtig zu zeigen, was man als einzelner Stromkunde bewirken kann, "das hat noch viel Potenzial", sagte Veigl-Guthann. "Aber es ist viel mehr als bloße Kommunikation", so Urbantschitsch, "man braucht auch klare Regelungen und politische Entscheidungen, um die Menschen mitzunehmen."

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