DIW-Präsident sieht in IWF "letzten Rettungsanker" für Ankara

Passau (APA/AFP) - Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält in der türkischen Währungskrise ein Einschreiten des Internationalen Währungsfonds (IWF) für notwendig. "Der Internationale Währungsfonds ist der letzte Rettungsanker für Ankara", sagte Fratzscher der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag-Ausgabe).

Es deute vieles darauf hin, dass die Türkei Notkredite brauche, sagte der DIW-Chef. Dann bleibe dem türkischen Staatschef Recep Tayyp Erdogan "keine andere Wahl, als den IWF um Hilfe zu bitten".

Ein Rettungsprogramm des IWF wäre zugleich eine große Chance, sagte Fratzscher. "Der Fonds hat verbindliche Regeln und könnte konkrete Bedingungen stellen. Erdogan müsste sich deutlich zurücknehmen, viele seiner falschen Entscheidungen müssten revidiert werden", sagte Fratzscher. "Der IWF hätte den Hebel, den türkischen Präsidenten in die Schranken zu weisen und damit wieder für wirtschaftliche, aber auch mehr politische Stabilität zu sorgen", fügte der DIW-Chef hinzu.

Unmittelbare wirtschaftliche Risiken für Europa sieht Fratzscher durch den Währungsverfall in der Türkei nicht. "Es gibt keine akute Ansteckungsgefahr", sagte er, warnte aber vor möglichen politischen Folgen. "Erdogan wird versuchen, die hausgemachten Probleme zu nutzen, um externe Konflikte anzuheizen", sagte Fratzscher. Ankara könne etwa damit drohen, den Flüchtlingsdeal mit der EU platzen zu lassen und seine Grenzen für Flüchtlinge öffnen. Die EU sei "gefangen", dürfe "sich aber nicht erpressen lassen".

Die türkische Lira hatte zuletzt massiv an Wert verloren. Getrieben wird der Fall der Lira durch den erbitterten Streit mit den USA um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson. US-Präsident Donald Trump dringt auf die Freilassung des evangelikalen Geistlichen, der in der Türkei wegen Spionage- und Terrorvorwürfen angeklagt ist. Anfang August verhängte Trump in dem Fall Sanktionen gegen zwei türkische Minister, woraufhin die Lira Anfang vergangener Woche massiv einbrach. Der Absturz der türkischen Währung sorgt weltweit für Unruhe.

Wien (APA) - Maschinen können bald mehr als die Hälfte der Tätigkeiten übernehmen, die jetzt von Menschen ausgeübt werden. Dementsprechend ist mehr als die Hälfte der Jobs mittelfristig von Automatisierung oder "Robotern" bedroht. Ältere Menschen trifft das besonders hart, weil sie sich schwertun, eine neue Arbeit zu finden oder umzusatteln, zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Mercer-Studie.
 

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Roboter bedrohen vor allem Jobs unqualifizierter älterer Menschen

Wien (APA) - Singapur unterzeichnet am Freitag ein Freihandelsabkommen mit der EU, das aber für London bald nicht mehr gilt. Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong schließt nicht aus, dass die Briten bilateral zu einem besseren Deal mit seinem Land gelangen könnten. "Es ist immer leichter, ein Abkommen mit einem Land statt mit einer Organisation aus 28 Staaten zu machen", sagte er am Mittwoch in Wien.
 

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Brexit - Singapurs Premier: Mit einem Land macht man leichter Deals

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