Deutschland wird Streikland - Rekordjahr bei Arbeitsniederlegungen

Hamburg - Deutschland bietet derzeit ein Bild, als wäre der lange als Standortvorteil gepriesene Arbeitsfrieden dahin. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo gestreikt wird. Dafür sorgt nicht nur die Lokführer-Gewerkschaft GDL, die neun Mal in Folge das Land nahezu lahmgelegt hat, bevor nun mit der Bahn eine Schlichtung vereinbart wurde.

Öfter ist es die weitaus größere Gewerkschaft Verdi, in deren Riesenreich der tausend Berufe ein Arbeitskampf geführt wird. Aktuell sind davon Kindertagesstätten, die Deutsche Post, das Versicherungsgewerbe und punktuell der Detailhandel betroffen.

Schon jetzt ist absehbar, dass 2015 ein Streik-Rekordjahr wird. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat es bisher schon mehr als doppelt so viele Streiktage gegeben wie im gesamten Vorjahr. Mehr als die Hälfte davon gehe auf das Konto von Verdi, schätzt IW-Forscher Hagen Lesch.

Verdi steht unter einem besonderen Druck kleiner Gewerkschaften wie der GDL, der Piloten-Vereinigung Cockpit oder die Ärzteorganisation Marburger Bund.

Denn sie vertritt von Postlern, Mitarbeitern der Müllabfuhr, Bank- und Versicherungsangestellten über Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen bis hin zu Beschäftigten des Detailhandels Mitglieder aus den verschiedensten Branchen.

Lesch betrachtet Verdi daher auch als eine Art "Multi-Spartengewerkschaft". Die IG Metall und die Chemiegewerkschaft IG BCE vertreten dagegen eine homogenere Mitgliedschaft.

Der Druck kommt zudem daher, dass Verdi schrumpft. Die bei ihrer Gründung vor 14 Jahren noch weltgrößte Gewerkschaft hat seither fast eine Million Mitglieder verloren und ist in Deutschland auf Rang zwei hinter die IG Metall zurückgefallen.

Die größere Streiklust der kleineren Gewerkschaften hat nach Meinung von Arbeitgebern inzwischen generell auf die großen Arbeitnehmerorganisationen abgefärbt.

"Die anderen Gewerkschaften stellen sich nun offenbar viel häufiger die Frage: Wie wirken wir auf potenzielle Mitglieder?" sagt Andre Müller. Er ist bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) für Lohn- und Tarifpolitik zuständig.

Insbesondere Verdi mache sich die Strategie von Spartengewerkschaften zu eigen und fahre dabei einen medienwirksamen Kurs. Die 2001 aus der Fusion von fünf Einzelorganisationen entstandene Gewerkschaft picke sich große Betriebe in bestimmten Branchen heraus und bestreike diese dann.

Als Beispiel nennt Müller den Online-Händler Amazon, bei dem Verdi immer wieder Standorte bestreikt, um eine höhere Bezahlung der Mitarbeiter durchzusetzen.

In anderen Fällen bediene sich Verdi auch der Strategie der kleinen Rivalen, indem sie zentrale Bereiche lahmlege. "Es geht immer mehr in die Richtung, dass Nahtstellen beziehungsweise Schlüsselpositionen in der Wirtschaft herausgesucht werden, wie die Verkehrsflughäfen in einigen regionalen Lohnrunden im Wach- und Sicherheitsdienstgewerbe in diesem Jahr, um die eigene Schlagkraft zu beweisen", sagt Müller.

Verdi räumt selbst ein, dass der Koloss bei der Strategie auf die Konkurrenz der kleineren Berufsgewerkschaften reagiert, um den Mitgliederschwund in den eigenen Reihen zu stoppen.

"Wir sehen natürlich, dass die Spartengewerkschaften den organisatorischen Vorteil haben, dass sie auf andere Beschäftigtengruppen nicht Rücksicht nehmen müssen", sagt ein Sprecher. Bei Verdi haben etwa Ärzte und Pfleger nicht immer gleichlautende Interessen.

Vor diesem Hintergrund seien auch die Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst zu sehen. "Wir begegnen damit auch dem möglichen Versuch, eine Spezial-Gewerkschaft nur für Kindertagesstätten-Mitarbeiter zu gründen."

Ob mit den häufigeren Ausständen die Vorteile des Wirtschaftsstandorts in Gefahr geraten, muss sich erst erweisen. Bisher, so sagen Gewerkschaftsexperten, seien Lohnabschlüsse in Deutschland nach wie vor eher moderat.

Und als Auslöser für die gestiegene Konfliktbereitschaft sehen Gewerkschaftsforscher den Wegfall der Arbeitsvertrags-Einheit vor fünf Jahren. Damals kippte das Bundesarbeitsgericht den Grundsatz, wonach in Betrieben im Normalfall nur ein Arbeitsvertrag gelten soll.

Dadurch gewannen kleine Gewerkschaften an Macht. Nun müssen sie allerdings wieder fürchten, dass ihr Einfluss durch das am Freitag vom Bundestag - der großen Parlamentskammer - verabschiedete Tarifeinheitsgesetz beschnitten wird.

Denn künftig soll bei unterschiedlichen Verträgen für die gleiche Beschäftigtengruppe nur derjenige gelten, der mit der mitgliederstärksten Gewerkschaft im Betrieb abgeschlossen wurde.

Wien (APA) - Die tschechische Sazka-Gruppe hat vom Bankhaus Schellhammer & Schattera Anteile an der Casinos Austria AG (CASAG) übernommen und ihre Beteiligung damit auf 38,29 Prozent aufgestockt. Der seit längerem bekannte Schritt sei formal abgeschlossen, teilte Sazka am Freitagnachmittag mit.
 

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Sazka hält nun 38,29 Prozent an Casinos Austria

Wien (APA) - Der "Kurier" nennt Details zum Abschlussbericht der "Soko Meinl" zu den Ermittlungen im Anlageskandal rund um die Meinl European Land (MEL) des Bankers Julius Meinl. "Vorbehaltlich gutachterlicher Feststellungen beträgt dem Verdacht nach der Schaden am effektiven Vermögen der Aktionäre (...) 1,69 Milliarden Euro", heißt es im Abschlussbericht, so "kurier.at" Freitagabend.
 

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Causa Meinl European Land - Anlegerschaden von 1,69 Mrd. Euro

London (APA/awp/sda) - Die Billigfluglinie Easyjet zeigt sich im Streit mit der Gewerkschaft SSP/VPOD gelassen. Man habe die Anliegen der Gewerkschaft zur Kenntnis genommen, teilte die Airline am Freitag als Reaktion auf ein Communiqué von deren Seite mit.
 

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Easyjet in Streit mit Gewerkschaft gelassen