Deutschland: Millionen Bahnfahrer von Lokführerstreik betroffen

Berlin - Millionen Bahnreisende haben am Mittwoch in Deutschland den erneuten Streik der dortigen Lokführergewerkschaft GDL zu spüren bekommen. Nach Angaben der Deutschen Bahn konnten im Fernverkehr nur 244 statt der üblichen 805 Züge fahren, im Regionalverkehr je nach Region 15 bis 60 Prozent der Züge.

Äußerungen von Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und dem GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky zeigten, wie festgefahren der Tarifkonflikt weiterhin ist.

Der Ersatzfahrplan funktioniere bundesweit verlässlich, teilte die DB mit. Es gibt auch Auswirkungen auf österreichische Bahnkunden. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wollen diese aber "so gering wie möglich" halten, betonte das Unternehmen zuletzt. Alle Infos werden auf die Homepage und die Störungslandkarte www.oebb.at gestellt. Infos der DB werden auch unter www.bahn.de/aktuell veröffentlicht.

Der Streik im deutschen Personenverkehr soll insgesamt 43 Stunden dauern und am Donnerstagabend zu Ende gehen. Der Güterverkehr wird seit Dienstagnachmittag und noch bis Freitagmorgen bestreikt. Grund ist der seit zehn Monaten andauernde Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der GDL. In dem Arbeitskampf ist es bereits der siebente Streik der Lokführer.

Personalvorstand Ulrich Weber forderte von der GDL die Rückkehr zu Gesprächen. "Wir wollen am Verhandlungstisch vorankommen, das haben wir bewiesen, dass es geht", sagte Weber im ARD-"Morgenmagazin". Bahn und GDL müssten an dem Punkt weitermachen, an dem sie Freitag aufgehört hätten, und sich "bemühen, sachlich, vernünftig, in Ruhe Ergebnisse zu erzielen, die beide Seiten für vereinbar halten". Es seien bereits gute Fortschritte gemacht worden. Es existiere ein Papier mit dem Zwischenergebnis vom Freitag mit der Unterschrift der Bahn. "Was fehlt, ist die Unterschrift der GDL", sagte Weber.

GDL-Chef Weselsky sagte, ein Papier nur mit der Unterschrift Webers sei "nichts wert". Es fehle "ein schriftlich fixiertes Zwischenergebnis, das einen Tarifstand festhält, auf dem wir weiterverhandeln können".

Weselsky warf der Deutschen Bahn erneut vor, auf Zeit zu spielen. Die "Verzögerungsstrategie" der Bahn sei "offensichtlich", so der Gewerkschafter. Der Konzern warte auf das geplante Tarifeinheitsgesetz.

Dies wies Weber zurück. Für die Bahn sei es wegen der damit verbundenen Millionenschäden "geradezu fahrlässig", Streiks zu riskieren. "Wir wollen ein Ergebnis, wir wollen Ruhe im Unternehmen, in den Betrieben", sagte er.

Die mit der GDL rivalisierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) deutete am Mittwoch ebenfalls mögliche Streiks an und forderte mit Blick auf die Fortsetzung der Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn am Donnerstag in Frankfurt am Main ein "deutlich verbessertes Angebot". Ziel der EVG sei es, zum 1. Juni einen Tarifvertrag für ihre Mitglieder abzuschließen, erklärte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Falls sich die Deutsche Bahn in der Frage der Entgeltforderung oder bei anderen Punkten verweigere, seien die "Kollegen bereit, für ihre berechtigten Forderungen auch persönlich einzutreten. Und das bedeutet am Ende Streik", betonte sie.

Die Deutsche Bahn verhandelt derzeit parallel mit der EVG und der GDL, da sich beide Gewerkschaften nicht auf Spielregeln für ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten. Beide Gewerkschaften wollen Tarifabschlüsse für alle ihre Mitglieder erreichen. Der Konzern will dabei unterschiedliche Ergebnisse für ein und dieselbe Berufsgruppe verhindern.

Wien/Linz (APA) - Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und andere hat der Zweitangeklagte Walter Meischberger heute den ganzen Tag lang die genauen Fragen der Richterin zu den Liechtenstein-Konten beantworten müssen. Dabei kam der frühere FPÖ-Spitzenpolitiker und Grasser-Trauzeuge einige Male ins Rätseln - obwohl er ja angibt, alle drei Konten seien in Wahrheit ihm zuzurechnen.
 

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Grasser-Prozess - Meischberger rätselt über Liechtenstein-Konten

Sonja Sarközi wird Chefin der russischen Sberbank Europe in Wien

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Dublin/Frankfurt (APA/dpa) - Die deutsche Bundesregierung soll nach Auffassung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mehr für den Luftverkehr und die dort beschäftigten Arbeitnehmer tun. Es gelte unter anderem, atypische Beschäftigungsmodelle auf europäischer Ebene zu unterbinden, erklärte VC-Präsident Ilja Schulz am Mittwoch beim Deutschen Verkehrspilotentag in Frankfurt.
 

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Pilotengewerkschaft Cockpit kritisiert Leihpilotensystem bei Ryanair